Erster Test: VW Polo Bluemotion – Das Unter-4-Liter-Auto

Da muss der Polo schon mehr Freunde finden.
Das Hauptproblem des zugegebenermaßen mit Sprit knausernden Lupo 3L war neben dem bescheidenen Platzangebot seine magere Ausstattung und der vergleichsweise üppige Preis. Eine ungute Kombination. Doch Volkswagen hat dazu gelernt.
Der neue Spar-Polo ist ein vollwertiger Fünfsitzer, die Karosserie unterscheidet sich nicht von der der anderen Varianten. Auch der BlueMotion ist wahlweise mit zwei oder vier Türen erhältlich, das Kofferraumvolumen von 270 bis 1.030 Liter bleibt erhalten. Nicht einmal bei den Sitzen oder Kunststoffen wurde gespart.
Drei Zylinder, viel Power
Angetrieben wird der BlueMotion von einem Dreizylinder-Turbodiesel mit 1,4 Liter Hubraum und serienmäßigem Partikelfilter. Das Aggregat wurde gegenüber dem herkömmlichen Dreizylinder-TDI leicht überarbeitet, leistet aber weiterhin 80 PS und bringt es auf ein ansehnliches maximales Drehmoment von 195 Nm ab 1.800 Touren. Das hört sich nach jeder Menge Power an, und die Praxis bestätigt dies. Kraftvoll schiebt der BlueMotion an, erreicht in weniger als 13 Sekunden Tempo 100. Überholmanöver auf Landstraßen sind kein Problem, lassen sich gerne auch schaltfaul vollziehen.
Längere Übersetzung
Obwohl niedertourig naturgemäß nicht sonderlich viel Druck da ist, nimmt der Motor bereits bei knapp über 1.000 U/min ruckfrei Gas an. Darin liegt letztlich auch der große Spartrick. Das gegenüber der Serienschaltbox ab dem dritten Gang länger übersetzte manuelle Fünfganggetriebe sorgt stets für ein niedriges Drehzahlniveau. Für Tempo 100 im Fünften sind keine 2.000 Touren nötig.
Weitere den Verbrauch senkende Maßnahmen sind eine verbesserte Aerodynamik (u.a. neuer Grill und Tieferlegung; cw-Wert 0,30 statt 0,32) und der Einsatz von Leichtlaufreifen, die mit höherem Luftdruck gefahren werden können (2,9 bar).
Von knapp unter vier…
Das Ergebnis ist durchaus beeindruckend. Unser erster Streckenabschnitt führt über Landstraßen und durch Ortschaften. Wir fahren keineswegs besonders zurückhaltend, überholen regelmäßig Lastwagen und lassen auch den einen oder anderen Bummler hinter uns. Und trotzdem: Nach gut 100 Kilometern hat sich der Zeiger der Tankuhr noch keinen Millimeter bewegt. Der Bordcomputer errechnet einen Schnitt von hervorragenden 3,8 Litern, was eine Gesamtreichweite von mehr als 1.100 Kilometern ergibt.
…bis etwas über fünf Liter
Der zweite Streckenabschnitt besteht fast ausschließlich aus Tempolimit-freier Autobahn. Wir gehen es zügig an, wollen nach Möglichkeit auf der linken Spur mithalten. Erstaunlich: Es geht. Zwar muss zum Beschleunigen auch bei 100 km/h noch in den vierten Gang zurückgeschaltet werden. Doch einmal in Schwung, spurt der BlueMotion lässig mit bis zu Tacho 180 dahin. Und der Verbrauch? 5,2 Liter. Chapeau.
Wer so wenig Sprit verbrauchen will, muss sich allerdings im Klaren sein, dass er damit auf lieb gewonnenen Luxus verzichten muss. Etwa auf die Klimaanlage. Die gibt es zwar gegen Aufpreis, erhöht aber das Fahrzeuggewicht und will zusätzlich (mit Kraftstoff) betrieben werden. Gleiches trifft auf andere Verbraucher wie etwa elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel zu. Dass auch ESP Aufpreis kostet, hätte allerdings nicht sein müssen.
Fazit
Und es geht doch: Mit dem Polo BlueMotion bietet Volkswagen ein voll alltagstaugliches Automobil an, das im Schnitt mit weniger als vier Litern Diesel pro 100 Kilometer auskommt. Alles andere als sparsam sind dagegen die Fahrleistungen. Der kräftige, wenn auch nicht sonderlich leise Dreizylinder-TDI überzeugt auch in dieser Disziplin.
Und der Preis? Mit 15.750 Euro ist der zweitürige Polo BlueMotion nur nominell etwas teurer als der Serien-TDI. Ausstattungsbereinigt kommt er sogar etwas günstiger als der vergleichbare Polo 1.4 TDI (Trendline; 80 PS). Wenn das kein Fingerzeig ist.
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