VW Passat Variant 2.0 TDI 4Motion im Test: Der Dienstwagen-Klassiker kann es noch

Der VW Passat Variant 2.0 TDI 4Motion auf einen Blick
Was wir mögen
Dass der Passat immer noch genau weiß, was er sein soll: groß, effizient und angenehm unaufgeregt.
Was wir vermissen
Mehr Fahrwerkskomfort und weniger Eskalation bei der Preisgestaltung.
Perfekt wenn ...
... man einen sehr geräumigen Kombi mit 1.000 km Reichweite sucht.
Die Alternativen
Skoda Superb Combi, BMW 3er Touring, Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell, Audi A5 Avant
Stärken
- Sehr großes Platzangebot
- Niedriger Verbrauch
- Intuitive Bedienung
Schwächen
- Teuer in der Anschaffung
- Schlechte Rückfahrkamera
- 193-PS-Diesel wirkt etwas schwach
VW Passat Variant im Test: Neun Generationen später
Neun Generationen. Deutlich mehr als 30 Millionen Exemplare. Über 50 Jahre Modellgeschichte. Das prägt. So gut wie jeder Mensch, zumindest in Deutschland, dürfte jemanden kennen, der selbst oder dessen Eltern einen Volkswagen Passat fahren oder gefahren sind. Der "Passarati" ist eine deutsche Erfolgsgeschichte und steht wie kein anderes Auto für Unternehmer- und gleichzeitig für Spießbürgertum. Er kann langweilig, kann elegant, kann sportlich, kann schick.
Nach Ende der achten Passat-Generation im Jahr 2023 dachten viele, es wäre wohl vorbei mit der zweitgrößten Konstante im deutschen Automobilportfolio seit dem Golf. Die Elektromobilität war in aller Munde, der VW ID.7 stand bereit, dem Schlagerstar auf Unternehmensparkplätzen den Rang abzulaufen. Doch weit gefehlt. Volkswagen brachte die neunte Generation des Passat wieder mit Verbrenner auf den Markt. Erstmals in Europa allerdings nur noch als Kombi. Die Limousinen-Variante wurde wegen zu geringer Nachfrage und zugunsten des Skoda Superb Stufenhecks wegrationalisiert.
Größer. Viel größer.
Steht ein Exemplar der neunten Generation des Passat vor einem - und sei es im momentan so modischen wie undefinierbaren Blau-Grau-Grün-Metallic-Farbton Maripositgrün Metallic für 955 Euro – so sticht neben dem deutlich rundlicheren Design vor allem eines ins Auge: Der Passat wirkt viel größer als sein Vorgänger. Tatsächlich ist er in der Breite nur um zwei Zentimeter gewachsen. In der Länge sind es hingegen satte 14 Zentimeter mehr als beim Passat B8. Mit 4,91 Meter kratzt der Passat nun endgültig an der Schwelle zur deutlich teureren oberen Mittelklasse wie Audi A6 und Mercedes E-Klasse. Gleichzeitig hat er seine innenstadttaugliche Größe aufgegeben. Die Parkplatzsuche erfordert jetzt deutlich mehr Geduld. Menschen die in Frankfurt, Berlin oder München leben, werden wissen, was wir meinen.
Ungeachtet dessen machen sich die Mehrzentimeter vor allem im Innenraum bemerkbar. So wirkt der Passat der neunten Generation im Inneren, anders als die meisten aktuellen und extrem verbauten SUVs, luftiger als der Vorgänger. Hinten gibt es mehr Beinfreiheit für die Passagiere und ein nochmals überzeugenderes Kofferraumangebot mit 690 bis 1.920 Litern. Der Vorgänger B8 kam auf 650 bis 1.780 Liter. Da können Lifestyle-Kombis wie der neue Audi A6 Avant nicht mithalten.
Innen gewohnt Passat
Ansonsten überzeugt der Passat mit gewohnt intuitiver Bedienung und einer ordentlichen Verarbeitungsqualität. Lediglich der, wie mittlerweile in fast allen VW, hinter das Lenkrad gewanderte Bediensatellit für das gewohnt unmerklich agierende 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe erfordert insbesondere beim Rangieren noch etwas Gewöhnung. Ansonsten mag beim Blick auf das Fahrzeugalter lediglich die Auflösung der Rückfahrkamera etwas enttäuschen.
Positiv hervorzuheben sind die sehr bequemen und vielfach verstellbaren Sportsitze. Serie bei R-Line, ansonsten nur als Sport-Komfortsitze verfügbar für mindestens 1.345 Euro.
Sportlich? Nun ja.
Wer von Sportsitzen und einer dynamischen Optik auf sportliche Fahreigenschaften schließt, der findet im Passat wie gewohnt einen engagierten, aber nicht übermäßig talentierten Sparringspartner. Dafür haben die Ingenieure den Spagat zwischen komfortabler Abstimmung und einem auch für schnell gefahrene Autobahnkurven satten Fahrwerk sehr überzeugend gelöst.
Allenfalls im komfortabelsten Modus des in 15 Stufen verstellbaren Adaptivfahrwerks DCC (Fahrdynamikpaket DCC Pro für 1.060 Euro) könnte der Passat noch etwas weicher abrollen. Hier haben wir allerdings auch die optionalen 19-Zoll-Felgen für 615 Euro samt Niederquerschnittsreifen mit im Verdacht.
Motorenwahl gut überlegen
Wer es geradeaus gerne einmal fliegen lässt, sollte seine Motorenwahl gut überdenken. Denn dass der Passat über die Jahre kräftig an Gewicht zugelegt hat, lässt sich anhand der Längsbeschleunigungswerte nicht verleugnen.
Wir waren mit der 193 PS und 400 Nm starken Dieselvariante samt 4Motion-Allradantrieb unterwegs und empfanden diese Antriebskombination als harmonisch, aber die Leistungsentfaltung gleichzeitig nicht überwältigend. Hier ging die Vorgängervariante aus der Erinnerung heraus doch deutlich vehementer zu Werke. Interessant ist der starke TDI daher vor allem für jene, die vier angetriebene Räder wünschen. Ansonsten geht unsere Empfehlung klar in Richtung des 150 PS starken Selbstzünders.
Nicht meckern können wir hingegen über den Verbrauch. Dieser pendelte sich bei gemischter Fahrweise zwischen 5,4 und 6,8 Litern ein. Das resultiert in realistischen Reichweiten von um die 1.000 km per Tankfüllung, was definitiv alte Passat-Tugenden wieder ins Gedächtnis ruft.
Weniger an die Passat-Tugenden erinnert derweil die Preisgestaltung. Unser Testwagen kam auf einen Endpreis von über 70.000 Euro.
Fazit 8,1/10
Der VW Passat muss sich auch in der neunten Generation nicht verstecken. Man merkt dem Auto an, dass es in jeglicher Hinsicht sinnvoll gereift und nicht gealtert ist. Auch die aktuelle Generation überzeugt mit der Fortführung gelungener Tugenden wie einem großen Platzangebot, sehr ausgewogen abgestimmtem Fahrwerk, geringem Verbrauch und einer intuitiven Bedienung. Die überschaubaren Kritikpunkte lassen sich als Schönheitsfehler vermerken. Eines ist der Passat aber nicht: ein Sonderangebot. (Text und Bild: Maximilian Fisseler)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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