(Update) Kommentar: Alfa Romeo Milano - Top oder Flop?

Kontroverse um den Namen "Milano". Erfahre hier mehr zur Umbenennung.
Der neue Alfa Romeo Milano* auf einen Blick
- Erstes Elektroauto von Alfa
- Auch als Hybrid und mit Allrad erhältlich
- E-Variante mit 410 km Reichweite**
- Fokus auf Design
- Marktstart im Herbst 2024
- Grundpreis ab 29.500 Euro
*(Alfa Romeo Milano, Hybrid (WLTP), Kraftstoffverbrauch kombiniert: 5,2 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 117 g/km; CO-Klasse: D)²
**(Alfa Romeo Milano Elettrica (WLTP), Stromverbrauch kombiniert: 15,6-15,0 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 0 g/km; CO2-Klasse: A)²

Aktualisiert am 18.04.2024
Das sind die Preise des Alfa Romeo Junior
Nach der Kontroverse um den Namen des Alfa Romeo Milano, pardon, Alfa Romeo Junior, hat der Hersteller nun die Preise für das neue City-SUV bekanntgegeben. Der Alfa Romeo Junior startet als 136 PS starker Hybrid ab 29.500 Euro und ist damit erwartungsgemäß teurer als die technisch verwandten Schwestermodelle Fiat 600 und Jeep Avenger. Der Alfa Romeo Junior Elettrica startet mit seinem 115 kW/156 PS starken E-Antrieb (54-kWh-Batterie) erwartungsgemäß bei 39.500 Euro.
Die zeitlich limitierten Ausstattungsvarianten Junior Speciale starten benzingetrieben ab 31.500 Euro - die Elektro-Variante kostet da schon glatte 10.000 Euro mehr. Als vorläufiges Top-Modell wird der Alfa Romeo Junior Elettrica 240 Veloce (noch nicht bestellbar, Homologation ausstehend)² mit einem Startpreis ab 48.500 Euro ausgewiesen. Dem stärksten, sportlichsten und zugleich teuersten Alfa Junior vorbehalten sind unter anderem ein mechanisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse, Sport-Stabilisatoren vorne und hinten sowie ein Sportfahrwerk mit 25 Millimeter-Tieferlegung. Damit ist auch klar: Der Alfa Romeo Junior teilt sich die technische Basis mit dem Abarth 600e (Fahrzeug steht noch nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend)² und steht auf dem weiterentwickelten Perfo-(e)CMP-Baukasten von Stellantis. (tv)
Ursprünglicher Artikel vom 11.04.2024
Ein Alfa, der eigentlich ein Jeep, der eigentlich ein Opel, der eigentlich ein Peugeot, der eigentlich ein Citroën ist
Es beschlich uns der Gedanke bereits während der Live-Präsentation des neuen Alfa Romeo Milano in, natürlich, Mailand: Irgendwo her kam es uns bekannt vor, das Design des Vorderwagens. Kurz gegrübelt, fiel uns allerdings kein Vergleich zu einem alten Alfa Romeo ein. Viel mehr kam uns der Zwilling des Renault Captur in den Sinn - der Mitsubishi ASX. Es mag auch daran gelegen haben, dass beide Fahrzeuge in der gleichen Farbgebung präsentiert wurden. Rote Karosserie, schwarz abgesetztes Dach. Da dreht man noch den Alfa-Scudetto-Grill, fertig ist der Mitsubishi, der übrigens schon seit März 2023 auf dem Markt ist.
Im Profil dann, lässt sich auch eine gewisse Ähnlichkeit zum neuen Lancia Ypsilon nicht verleugnen. Ja selbst eine vergleichbare (blaue) Lackierung wird es im Programm des Alfas geben. Doch wen wundert es, dass die Designer und Ingenieure in einem Mehrmarken-Konzern wie Stellantis irgendwann anstehen. Das gefühlt einhundertste Derivat auf dem CMP-Baukasten teilt sich die wesentlichen Komponenten mit einem Jeep, der eigentlich ein Opel, der eigentlich ein Peugeot, der eigentlich ein Citroën ist. Ist es den Turinern also vorzuwerfen, dass der neue Einstieg in die Welt von Alfa Romeo so aussieht, wie er aussieht? Wahrscheinlich nicht.

Der Aufstieg von Stellantis zum profitabelsten Autobauer Europas
Denn die Konzernpolitik wird ganz wo anders gemacht. In Management-Ebenen, die Euro- und Dollar-Zeichen sehen, aber immer weniger an Emotion, Leidenschaft und Fahrspaß denken. Lohn all der Mühen? Stellantis ist mittlerweile zum profitabelsten Autobauer in Europa aufgestiegen. Da staunt nicht nur Volkswagen. Mundus vult decipi – die Welt will betrogen werden, also soll sie betrogen werden. Das wussten bereits die alten Römer und so wundert es nicht, dass es den Kunden egal zu sein scheint, wo das Produkt der Begierde herstammt und welche Technik verbaut ist. Hauptsache es prangt das richtige Markenlogo auf der Haube und die Marketingabteilung hat den richtigen Singsang getroffen.
Was ist, was kann der Alfa Romeo Milano jetzt eigentlich? Das B-Segment-SUV bildet den Einstieg in die Alfa-Welt, ist das erste reine Elektrofahrzeug der Italiener, wird aber ebenfalls mit elektrifizierten Verbrennern angeboten. Erwähnenswert ist zunächst die vorläufige Top-Variante namens Alfa Romeo Milano Elettrica Veloce, die es auf frontgetriebene 176 kW/240 PS bringt und die Technik des kommenden Abarth 600e vorwegnimmt. Das bedeutet auch, dass der Milano auf der weiterentwickelten Performance-Variante der Common Modular Platform (CMP) aus dem Stellantis-Konzern aufbauen könnte und zum Beispiel über ein spezielles selbstsperrendes Vorderachsdifferenzial verfügen könnte. Knackpunkt: Wie die „normale“ E-Version (115 kW/156 PS) des Milano, setzt auch der Veloce auf eine lediglich 54 kWh kleine Batterie. WLTP-Reichweite unter Idealbedingungen: Um 410 Kilometer für die 115 kW-Version. Nachgeladen wird maximal mit bis zu 100 kW DC.

Alfa Romeo Milano Ibrida Q4 mit Jeep-Technik
Den Einstieg in die Einstiegswelt von Alfa wird hingegen mit einem 100 kW/136 PS starken Mildhybrid-Dreizylinder bestritten. Der Turbomotor wird dabei von einem 21 kW starken Elektromotor unterstützt, der im Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe integriert ist. Wenngleich noch nicht kommuniziert, könnte es für bestimmte Märkte auch einen noch schwächeren Basisbenziner mit Schaltgetriebe geben. Dagegen bereits angekündigt ist die Q4-Allradvariante Alfa Romeo Milano Ibrida. Die Technik stammt derweil, wie könnte es anders sein, von einem Konzerngeschwisterchen – den ebenfalls noch 2024 debütierenden Jeep Avenger 4xe (Fahrzeug steht noch nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend)². Um im alternden CMP-Baukasten doch noch einen 4x4-Antrieb realisieren zu können, wird der Mildhybrid-Dreizylinder an der Hinterachse um einen weiteren Elektromotor ergänzt.
Über die innere Ausgestaltung eines normalbürgerlichen Alfa Romeo Milano lässt sich derweil noch wenig berichten. Alfa selbst hat zunächst nur die Veloce-Variante vorgestellt, ausstaffiert mit reichlich Alcantara, sehr ansehnlichen Sabelt-Sportsitzen und einem zu tief platzierten 10,25 Zoll Infotainment-Bildschirm. Analoge Instrumente sucht man freilich vergebens, in den „Alfa-Tubes“ findet sich das bekannte Digitalcockpit, das wir auch schon aus dem Tonale kennen. Wiedererkannt haben wir zudem allerhand Bedienelemente von Opel, DS und Citroën, wobei man immerhin lobend anerkennen muss, dass der Kofferraum mit 400 Liter auf dem Papier mehr Fassungsvermögen bietet als ein Avenger (380 Liter).

Marktstart und Preise
Wann genau der Alfa Romeo Milano auf den Markt kommen soll, hat der Hersteller genauso wenig verraten, wie die Preise. Allerdings ist ein Marktstart (Bestellungen sollen wohl schon möglich sein) in der zweiten Jahreshälfte 2024 wahrscheinlich und preislich dürfte man sich an den italo-amerikanischen Schwestermodellen Fiat 600 und Jeep Avenger orientieren. Plus einem Alfa-Premium-Obolus. Wir gehen derzeit davon aus, dass die günstigste E-Variante des Milano ab 39.000 Euro und die Hybrid-Variante ab rund 28.000 Euro starten könnten. Das zur Markteinführung angebotene Sondermodell Alfa Romeo Milano Speciale dürfte sich hingegen im Bereich um 45.000 Euro bewegen; für die Top-Variante Elettrica Veloce könnten knapp 50.000 Euro aufgerufen werden.

Erste Einschätzung
Die grundsätzlichen Zutaten des neuen Alfa Romeo Milano scheinen auf den ersten Blick nicht verkehrt, auch setzt man auf bewährte Konzern-Technik und bringt neben dem Stromer noch echte Verbrenner und sogar eine Allrad-Variante auf den Markt. Beim Außendesign scheiden sich hingegen die Geister. Zu wenig eigenständig, zu wenig offensiv – gerade auch, um eine ausreichende Abgrenzung zu anderen Stellantis-Produkten zu erreichen. Der (in sozialen Netzwerken) mittlerweile oft wiederholte Vergleich zum Mitsubishi ASX zeigt zudem eine gewisse Beliebigkeit in der Linienführung. Es bleibt die Hoffnung, dass der Milano zumindest beim Fahren alte Alfa-Gefühle wecken kann. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)
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