Fokus: Fahranfänger
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Probezeit

Gratulation! Du hast alle Prüfungen bestanden und erhältst deine Fahrerlaubnis. Doch Vorsicht! Der Führerschein bringt auch viel Verantwortung mit sich. Um gerade am Anfang dein Bewusstsein dafür zu steigern, beginnt nun auch deine Probezeit. Was bedeute das für deinen Führerschein?

Was ist die Probezeit?

Mit dem Bestehen der praktischen Prüfung erhältst du deine erste (und hoffentlich auch letzte) Fahrerlaubnis für das Fahren von Kraftfahrzeugen. Mit diesem Zeitpunkt beginnt gleichzeitig deine Probezeit. Du erhältst also deinen Führerschein auf Probe. Das ändert nichts am Umfang deines Führerscheins. Du kannst sofort mit allen dafür zugelassenen Fahrzeugen fahren. Dennoch gelten ein paar andere Regeln. Manches gilt speziell für die Probezeit und viele Dinge werden einfach nur deutlich strenger behandelt. Von der Probezeit ausgenommen sind übrigens die Führerscheinklasse AM, sowie die beiden Traktor-Klassen L und T.

Wie lange dauert die Probezeit?

Die Probezeit gilt ab dem Moment, in dem du die Fahrerlaubnis erhältst, zwei Jahre lang. Dabei spielt es keine Rolle, wie alt du bist. Es ist also völlig egal, ob du das Begleitete Fahren mit 17 machst oder erst mit 35 deinen Führerschein gemacht hast. Nach zwei Jahren gelten für dich die ganz normalen Regeln. Es sei denn, du machst bestimmte Fehler, dann verlängert sich die Probezeit. Die Probezeit betrifft zudem ausschließlich die erste Erteilung einer Fahrerlaubnis. Du absolvierst sie also einmal und damit ist die Sache erledigt. Wenn du in ein paar Jahren eine weitere Führerscheinklasse hinzufügen solltest, beginnt dafür keine neue Probezeit.

Wo siehst du, wie lange du noch Probezeit hast?

Das Enddatum deiner Probezeit ist nirgends explizit vermerkt. Das Datum der Erteilung deiner Fahrerlaubnis jedoch schon. Du findest es auf der Rückseite deines Führerscheins in der Spalte 10. Dort ist es bei der jeweiligen Führerscheinklasse eingetragen. Füge diesem Datum zwei Jahre und einen Tag dazu und du weißt, wann deine Probezeit vorbei ist.

Anders sieht das natürlich aus, wenn deine Probezeit verlängert wurde. Dann weißt du allerdings ohnehin genau Bescheid, bis wann die Verlängerung gilt.

Kann ich die Probezeit verkürzen?

Nein. In den Jahren 2004 bis 2010 gab es in manchen Bundesländern die Möglichkeit, die Probezeit auf ein Jahr zu verkürzen. Doch auch das war nur in bestimmten Fällen möglich. Heute kannst du deine Probezeit nicht mehr verkürzen.

Wie sieht die Probezeit beim Begleiteten Fahren ab 17 aus?

Das begleitete Fahren ab 17 ändert nichts an deiner Probezeit. Auch hier beginnt mit der ersten Erteilung der Fahrerlaubnis deine zweijährige Probezeit. Es gelten dieselben Regeln, einzig das Fahren ohne Begleitperson kommt als zusätzlicher möglicher Verstoß dazu. Das Datum der Ersterteilung findest du in diesem Fall jedoch vorerst noch auf Prüfbescheinigung, die bis zum 18. Geburtstag noch deinen Scheckkarten-Führerschein ersetzt.

Welche Vergehen betreffen die Probezeit?

Wo erwarten dich große Probleme im Zuge der Probezeit? Worauf musst du genauer aufpassen? Im Rahmen des Führerscheins auf Probe gelten bei eintragungspflichtigen Verstößen besonders strenge Regeln. Es geht um Verstöße, die einen oder mehrere Punkte in Flensburg nach sich ziehen. Das passiert bei Vergehen mit einer Geldbuße ab EUR 60,00. Ober bei strafrechtlich relevanten Vergehen im Straßenverkehr. Keine Auswirkung auf die Probezeit haben kleinere Delikte wie Falsch Parken oder wenn du geblitzt wirst und dabei nicht mit mehr als 20 km/h zu schnell unterwegs bist.

Bei den Verstößen, die Auswirkungen auf deine Probezeit haben, unterscheiden die Gesetzgeber zwischen dem Katalog A und dem Katalog B.

Schwerwiegende Verkehrsverstöße: Katalog A

Schon der erste Verstoß gegen eine dieser Regeln führt zu einer Verlängerung deiner Probezeit. Das betrifft zum einen Straftaten im Straßenverkehr und zum anderen schwerwiegende Verstöße gegen die Verkehrsregeln.

Zu den Straftaten zählen Vergehen wie:

  • Unfallflucht
  • Nötigung (Beispiel: Drängeln auf der Autobahn)
  • Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss
  • Körperverletzung
  • Fahrlässige Tötung

Beispiele für schwerwiegende Verstöße, die allerdings nicht strafrechtlich relevant sind:

  • Überfahren einer roten Ampel
  • Mit mehr als 20 km/h zu schnell geblitzt werden
  • Missachtung eines Überholverbots
  • Zu wenig Abstand bei mehr als 80 km/h
  • Haltezeichen der Polizei missachtet
  • Fehlverhalten an Zebrastreifen
  • Handynutzung am Steuer

All diese Verstöße führen direkt zu einer Verlängerung deiner Probezeit.

Weniger schwerwiegende Verstöße: Katalog B

Eine zweite Chance erhältst du bei Verstößen aus Katalog B. Sie gelten in diesem Sinn als weniger schwerwiegend, sind aber dennoch gefährlich. Deshalb darfst du auch sie niemals auf die leichte Schulter nehmen. Zum Katalog B zählen Verstöße wie:

  • Fehler bei der Ladesicherung oder gar keine Ladesicherung vorhanden
  • Fehlende Absicherung eines liegengebliebenen Fahrzeugs
  • TÜV-Termin um mehr als acht Monate überzogen
  • Mitnahme von Kindern ohne passenden Kindersitz

Sonderregelung Alkohol

Im Zuge der Probezeit gelten dieselben Regeln, wie danach. Lediglich die Strafen fallen deutlich höher aus. Eine Ausnahme gibt es jedoch. In Sachen Alkohol sind die Regeln während der Probezeit wesentlich strenger. Denn hier gibt es keine Toleranz. Für Fahranfänger in der Probezeit gelten ausnahmslos immer 0,0 Promille, oder anders gesagt: Absolutes Alkoholverbot beim Fahren. Diese Regel gilt zudem unabhängig von der Probezeit für alle Fahrer unter 21 Jahren. Danach gelten die altbekannten 0,5 Promille.

Die Konsequenzen dieser Regelverstöße in der Probezeit

Was passiert, wenn du tatsächlich bei einem der genannten Verstöße erwischt wirst? Dafür sehen wir uns am besten drei Szenarien an.

Verstoß Konsequenz
Verstoß gegen Katalog A oder zweiter Verstoß gegen Katalog B Teilnahme an Aufbauseminar & Verlängerung der Probezeit um 2 Jahre
Erneuter Verstoß gegen Katalog A oder zwei B-Verstöße während der bereits verlängerten Probezeit schriftliche Verwarnung und Empfehlung für freiwillige, kostenpflichtige verkehrspsychologische Beratung
Erneuter Verstoß gegen Katalog A oder zwei B-Verstöße während der bereits verlängerten Probezeit und trotz schriftlicher Verwarnung Führerscheinentzug mit mindestens drei Monaten Sperrfrist

Worum geht es bei einem Aufbauseminar für Fahranfänger?

Das Aufbauseminar ist ein wesentlicher Teil der möglichen Konsequenzen bei Vergehen innerhalb der Probezeit. Im Aufbauseminar für Fahranfänger geht es vor allem um eines: Die Aufarbeitung deines Fehlverhaltens. Ihr geht also noch einmal genau darauf ein, was du falsch gemacht hast und wie du es in Zukunft besser machen wirst. Laut Gesetzestext sollen zudem „...das Risikobewusstsein gefördert und die Gefahrenerkennung verbessert werden.“. Bei Verstößen im Zusammenhang mit Alkohol oder illegalen Drogen gibt es spezielle Seminare, die sich noch intensiver um diese Themen kümmern.

Ein Aufbauseminar für Fahranfänger besteht aus vier Terminen mit je 135 Minuten. Diese Termine musst du dabei so aufteilen, dass du zwischen zwei und vier Wochen dafür benötigst. Um möglichst viel in Gruppengesprächen erarbeiten zu können, muss die Teilnehmerzahl zwischen sechs und zwölf Personen liegen. Für diese Aufbauseminare gibt es speziell ausgebildete Fahrlehrer, die diese leiten.

Damit ihr nicht nur theoretisch über euer Verhalten sprecht, ist die sogenannte Fahrprobe ein wichtiger, praktischer Teil des Seminars. Dabei soll jeder Teilnehmer mindestens 30 Minuten selber fahren. Mit ihm im Auto sind dabei üblicherweise der Fahrlehrer, sowie zwei weitere Fahrschüler, die dabei ebenfalls etwas lernen können.

Was kostet ein Aufbauseminar?

Um dein Aufbauseminar musst du dich in jedem Fall selbst kümmern. Die Behörde schreibt dir lediglich vor, bis wann du es absolviert haben musst. Du musst also selbst das passende Angebot finden, einen Termin vereinbaren und auch dafür bezahlen. Wie schon bei der Führerscheinausbildung fallen hier die Preise sehr unterschiedlich aus. Mit bis zu EUR 400,00 musst du jedoch rechnen.

Kannst du in der Probezeit ein Auto mieten?

Ja, du kannst bereits in der Probezeit ein Auto mieten. Dabei musst du allerdings auf die Bedingungen der jeweiligen Anbieter achten. Meist gilt ein Mindestalter von 18 Jahren. Auch beim Führerscheinbesitz gelten je nach Vermieter andere Mindestwerte von einem Tag bis zu mehreren Jahren. In manchen Fällen fallen bis zu einem gewissen Alter auch zusätzlich Gebühren an. Zu guter Letzt gelten häufig auch unterschiedliche Wert für verschiedene Fahrzeugklassen. Je nach Bedingungen kannst du also auch schon in deiner Probezeit ein Auto mieten.

Ähnlich verhält es sich beim Thema Car Sharing. Auch hier dreht es sich um dieselben Bedingungen in puncto Mindestalter, Führerscheinbesitz & Co. Gerade als Fahranfänger, ohne eigenen Auto kann also auch Car Sharing eine interessante Alternative für dich sein.

Was passiert, wenn du als Brillenträger ohne Brille fährst?

Solltest du zum Autofahren eine Sehhilfe brauchen, ist das auf dem Führerschein vermerkt. Wenn dich also ein Polizist beim Fahren ohne Sehhilfe erwischt, begehst du eine Ordnungswidrigkeit mit einer Geldstrafe bis zu EUR 25,00. Das hat auf deine Probezeit keine Auswirkung.

Anders kann die Sache jedoch aussehen, wenn du in diesem Zusammenhang einen Unfall verursachst oder jemanden gefährdest. Dann kann es schnell in Richtung fahrlässige Körperverletzung gehen. Im Falle einer Verurteilung hättest du damit eine Straftat aus Katalog A begangen und das hätte sehr wohl starke Auswirkungen auf deine Probezeit.

Was passiert bei einem Unfall während der Probezeit?

Der bloße Unfall an sich hat keinen Einfluss auf deine Probezeit. Solltest du ihn jedoch verursacht haben, wirken sich die jeweiligen Vergehen, wie zu hohe Geschwindigkeit, Überfahren einer roten Ampel oder Körperverletzung entsprechend auf die Probezeit aus.

Was passiert am Ende der Probezeit für Fahranfänger?

Kurz gesagt: Nichts. Du erhältst keine spezielle Information oder Bestätigung zum Ende der Probezeit. Es gelten ab diesem Zeitpunkt die normalen Strafen und Konsequenz, wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Solltest du es unbedingt schwarz auf weiß wissen wollen, kannst du deine Führerscheindaten mittels einer Auskunft aus dem Zentralen Fahrerlaubnisregister beantragen. Oder du vertraust auf deine Rechenkünste und rechnest zum Datum der Ersterteilung deiner Fahrerlaubnis zwei Jahre und einen Tag dazu.

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