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Volkswagen Touareg eHybrid: Luxus-Laster ohne Laster?

Groß, stark, sauber? Volkswagen wirft dem Touareg das grüne Mäntelchen über und proklamiert gleichzeitig traumhafte Verbrauchswerte. Wie sich der VW Touareg eHybrid im Alltag wirklich schlägt, was er verbraucht und wie weit er elektrisch kommt, zeigt der AutoScout24 Test.


Der VW Touareg 3.0 l V6 eHybrid Atmosphere im Überblick


Pro

Stärken

  • Souveräne Motorleistung
  • Komfortables Luftfahrwerk (optional)
  • Gute Verarbeitung
  • Großzügige Innenabmessungen
  • Bequeme Sitze
  • 3,5 Tonnen Anhängelast
Contra

Schwächen

  • Teuer in der Anschaffung
  • Hoher Verbrauch
  • Geringe E-Reichweite
  • Mäßige Assistenzsysteme
  • Träges Bediensystem
  • Keine Wankstabilisierung u. Allradlenkung

 Der VW Touareg III bleibt auch als eHybrid eine mächtige Erscheinung. Die IQ.Light-LED-Scheinwerfer gehen extra, genauso wie das höhenverstellbare Luftfahrwerk. Der VW Touareg III bleibt auch als eHybrid eine mächtige Erscheinung. Die IQ.Light-LED-Scheinwerfer gehen extra, genauso wie das höhenverstellbare Luftfahrwerk.

Geringer Aufpreis, großer Nutzen?

Volkswagen, meister in der komplexen Preisgestaltung, hat den Touareg eHybrid (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 2,7 l/100 km; Stromverbrauch kombiniert: 20,9 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 61 g/km)² im Konfigurator gut versteckt. Wer ihn sucht, findet primär das sündhaft teure R-Modell ab 90.995 Euro (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 2,7-2,6 l/100 km; Stromverbrauch kombiniert: 20,5-20,3 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 63-59 g/km)² und erst auf den zweiten Blick die zivilere und weitaus günstigere Alternative. Mindestens in der Ausstattungslinie „Atmosphere“ vorfahrend, gibt es die Option auf den 74.250 Euro teuren und 280 kW/381 PS starken eHybrid, dessen maßgebliche Leistung aus einem 3,0-Liter-Audi-V6 herrührt, den es im Touareg auch schon ab 70.585 Euro zu kaufen gibt.

Wird der Vergleich allerdings innerhalb der gleichen Ausstattungslinie gezogen, so fährt der Plug-in Hybrid, trotz einer Mehrleistung von nominell 40 PS, nach Liste (vor Abzug etwaiger Umweltprämien) sogar 755 Euro günstiger vor als der reine Benziner. Warum ist das so? Volkswagen selbst profitiert davon, wenn sich die Kunden für den Teilzeitstromer entscheiden, spart der Konzern so pro Touareg – auf dem Papier – bis zu 137 Gramm beim CO2-Flottenverbrauch ein, die man sonst hätte woanders wieder kompensieren müssen. Etwa durch den Verkauf eines weiteren vollelektrischen Fahrzeugs.

 Auch wenn ihm über die Jahre die zuschaltbaren Differenziale genommen wurden, bleibt der Touareg abseits befestigter Wege ein fähiger Begleiter. Maximal beträgt die Bodenfreiheit 258 Millimeter, verschiedene Offroad-Programme regeln den Leistungseinsatz. Auch wenn ihm über die Jahre die zuschaltbaren Differenziale genommen wurden, bleibt der Touareg abseits befestigter Wege ein fähiger Begleiter. Maximal beträgt die Bodenfreiheit 258 Millimeter, verschiedene Offroad-Programme regeln den Leistungseinsatz.

Ich mach mir den Verbrauch, wie er mir gefällt

Schlau von Volkswagen, aber auch eine gute Entscheidung für Kunde und Umwelt? Jein. Es kommt natürlich darauf an, wie das Allrad-SUV genutzt wird. Lädt der netto 14,3 kWh große Akku regelmäßig in bis zu 2,5 Stunden an der Wallbox, können realistischerweise zwischen 35 bis 40 Kilometer rein elektrisch zurückgelegt werden. Im rekuperationsgünstigen Stadtverkehr sogar ein paar Hundert Meter mehr. Bleibt das Ladekabel allerdings im Kofferraum original verpackt liegen, so wäre es ehrlicher, direkt einen Achtzylinder zu kaufen. Wie bei großen Hybrid-SUV üblich, nimmt sich auch der VW Touareg eHybrid bei leerer Batterie ordentlich Sprit. 12 Liter auf 100 Kilometer sind hier ein grober Richtwert.

 Große Bildschirme, nüchternes Ambiente. Wenngleich die Reaktionszeit der Touchdisplays kürzer sein könnte, die Verarbeitungsqualität stimmt. Fehlt nur noch etwas Farbe im Programm. Große Bildschirme, nüchternes Ambiente. Wenngleich die Reaktionszeit der Touchdisplays kürzer sein könnte, die Verarbeitungsqualität stimmt. Fehlt nur noch etwas Farbe im Programm.

Sechs mit der Leistung von acht

In dieser Hinsicht gibt es nichts zu beschönigen, auch wenn bei geladenem Stromspeicher kurzzeitig Verbräuche zwischen fünf und neun Liter Benzin sowie 25 bis 28 Kilowattstunden Strom auf 100 Kilometer möglich waren. Diese Testwerte sind reine Kurzzeitaufnahmen, die sich bei einem Reisewagen, welcher der Touareg nun einmal ist, auf längerer Strecke kaum halten lassen. Doch sparen ist das eine, spaßhaben das andere. Die langjährige Erfahrung Porsches mit dem Hybrid-Cayenne kommt dem in weiten Teilen baugleichen Touareg III spürbar zugute, die zusätzlichen 136 Elektro-PS unterstützen den 340 PS Benziner insbesondere beim Herausbeschleunigen deutlich.

Die Boost-Funktion erkennt der Fahrer maßgeblich an einer kurzzeitig blau unterlegten Drehzahl- und Geschwindigkeitsskala, sowie am nachdrücklich zunehmenden Tempo. Die Werksangabe von 6,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 wirkt glaubhaft und selbst jenseits von 200 Stundenkilometer ebbt der Vorwärtsdrang des Wolfsburgers nicht ab. Gut 2,5 Tonnen Gewicht schleppt der Touareg eHybrid mit sich herum und so ist es kein Wunder, dass ihm in engen Kehren eine gewisse Leichtigkeit fehlt. Wer sich gar härter und ungehobelter an den Kurvenscheitel heranwagt, erntet früh untersteuernde Tendenzen untermalt von ermahnenden Eingriffen seitens der Elektronik.

 Lademeister: Der VW Touareg eHybrid fasst zwischen 665 und 1.675 Liter Gepäck, darf 3,5 Tonnen ziehen oder 75 Kilogramm auf die Anhängerkupplung stützen. Nochmals 140 Kilogramm können auf das Dach geladen werden. Lademeister: Der VW Touareg eHybrid fasst zwischen 665 und 1.675 Liter Gepäck, darf 3,5 Tonnen ziehen oder 75 Kilogramm auf die Anhängerkupplung stützen. Nochmals 140 Kilogramm können auf das Dach geladen werden.

eHybrid ohne Wankstabilisierung und Allradlenkung

An dieser Stelle wäre der Einsatz einer aktiven Wankstabilisierung wünschenswert gewesen, wie sie auch beim Touareg mit nicht elektrifizierten Antrieben sowie beim Schwestermodell Porsche Cayenne E-Hybrid (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 3,7-3,1 l/100 km; Stromverbrauch kombiniert: 26,5-25,1 kWh/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 83-71 g/km)² als Option verfügbar ist. Doch Volkswagen verzichtet angeblich aus platzgründen auf den Einsatz der 48-Volt-Dynamikkomponente und lässt überdies die Allradlenkung vermissen. Das nimmt dem SUV viel von seinem Potenzial (siehe Cayenne) und "degradiert" ihn primär zum komfortablen Langstreckenläufer.

Vorausgesetzt natürlich, es wurde das Kreuzchen bei der ebenfalls optionalen Luftfederung gesetzt. In Verbindung mit den adaptiven Dämpfern schluckt der eHybrid selbst schlechtes Straßenflickwerk mit großem Gleichmut, einzig Querfugen scheinen deutlicher zu den Insassen durch. Wenngleich die 8-Gang-Automatik im Regelbetrieb hervorragend verschliffen arbeitet, in sportiven Situationen gleitet sie ins unnötig hektische ab. Große Freude bereitet dagegen die Lenkabstimmung sowie die gleichermaßen beherzt zugreifende Bremse.

 Empfehlenswert für die Langstrecke sind die optionalen ergoComfort-Sitze. Die Sitzposition ist gut, das gesamte Raumgefühl fällt üppig aus und ist sowohl vorne als auch hinten für Großgewachsene geeignet. Empfehlenswert für die Langstrecke sind die optionalen ergoComfort-Sitze. Die Sitzposition ist gut, das gesamte Raumgefühl fällt üppig aus und ist sowohl vorne als auch hinten für Großgewachsene geeignet.

Hochwertiger Innenraum, nervige Assistenten

Wenig zu mäkeln gibt es überdies am vorne wie hinten großzügig dimensionierten Innenraum. Insgesamt wirkt das Cockpit für den aufgerufenen Preis zwar etwas nüchtern, Materialauswahl und Verarbeitung können aber dennoch überzeugen. Auch das optionale Komfortgestühl verdient seinen Namen und lässt sich gegen ein paar weitere Euro klimatisieren sowie um eine Massagefunktion erweitern. Seit dem Debüt des Touareg III 2018 nichts geändert hat sich indes an der Bedienung. Fahrer- und Infotainmentbildschirm sind weiterhin sehr scharf aufgelöst, deren Bedienung erfordert aber streckenweise Geduld. So nervt das System mit trägen Reaktionszeiten und einer schlechten Sprachbedienung.

Ebenfalls keine Lorbeeren erntet der Touareg für das wenig harmonische Zusammenspiel der einzelnen Assistenzsysteme. Unnötige Kollisionswarnungen ohne Hindernis auf freier Strecke, falsch erkannte Verkehrsschilder und der herzinfarktauslösende Notbremsassistent beim Rückwärtseinparken zeigen ebenso technische Grenzen auf, wie das frühzeitige Versagen jener Assistenten bei bloßer Androhung von Regen oder Schnee.

 Die Preise für den VW Touareg III eHybrid starten bei 74.250 Euro, mehr als 100.000 Euro für das SUV-Flaggschiff sind aber auch kein Prolem - wie der Testwagen mit seinen zahlreichen Extras eindrucksvoll beweist. Die Preise für den VW Touareg III eHybrid starten bei 74.250 Euro, mehr als 100.000 Euro für das SUV-Flaggschiff sind aber auch kein Prolem - wie der Testwagen mit seinen zahlreichen Extras eindrucksvoll beweist.

Fazit

Diesel raus, Plug-in Hybrid rein. Wo früher acht, zehn oder gar 12 Zylinder im Touareg arbeiteten, muss nun ein elektrifiziertes halbes Dutzend ausreichend sein. Im Vergleich zur alten Verbrenner-Elite sinkt der Verbrauch zwar nur bei richtiger Nutzung, durch die sehr spontane Ansprache der Antriebskomponenten ist aber vor allem gegenüber dem geknebelten drei Liter Diesel ein dynamischer Zugewinn spürbar. Elektrisch fahren kann der VW Touareg eHybrid im Alltag bis zu 40 Kilometer, an den Haken nimmt er weiterhin 3,5 Tonnen. Im Innenraum gibt es derweil gut verarbeitete Nüchternheit, die mäßig funktionierenden Assistenzsysteme konnten dagegen kaum überzeugen. Gleiches gilt für die Optionsliste, die den Teilzeitstromer mit ein paar Extras schnell gen 95.000 Euro und mehr treiben kann. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

Technische Daten*

  • Modell: Volkswagen Touareg 3.0l V6 eHybrid
  • Motor: Sechszylinder-Benziner, 2.995 ccm + E-Motor
  • Systemleistung: 381 PS (280 kW)
  • Systemdrehmoment: 600 Nm bei 1.340 U/min
  • Antrieb: Allrad, 8-Gang-Automatikgetriebe
  • Verbrauch kombiniert: 2,7 l + 20,9 kWh/100²
  • CO2-Emissionen kombiniert: 61 g/km²
  • Elektrische Reichweite: bis zu 52 km²
  • Beschleunigung (0–100 km/h): 6,3 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,88 m/1,98 m/1,72 m
  • Gewicht: ca. 2.500 kg
  • Grundpreis Touareg eHybrid Atmosphere: ab 74.250 Euro

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