Erster Test: Toyota Auris Facelift – Verkaufsfördernd

Rund 54.000 Auris konnte Toyota seit der Markteinführung des Auris vor drei Jahren in Deutschland unters Volk bringen. Eigentlich gar nicht so wenig. Trotzdem verkauften sich im vergangenen Jahr 14 andere Kompaktmodelle - allen voran der VW Golf - besser als der Corolla-Nachfolger.

Das soll sich nach dem Facelift nun ändern. Mit neuem Design und verbessertem Fahrwerk will Toyota den Auris, der ab 15. März 2010 beim Händler steht, attraktiver machen. Und natürlich soll der überarbeitete Kompakte auch von den schlechten Nachrichten der letzten Wochen ablenken. Schließlich stürzte die weltweite Rückruf-Aktion von mehreren Millionen Autos den japanischen Hersteller in eine seiner größten Krisen.

Selbstbewusster

Die neu gestaltete Front mit stärker konturierter Motorhaube, schärfer gezeichneten Scheinwerfern und wuchtigeren Stoßfängern rückt den Auris nicht nur näher an Verso und Avensis ran, sondern verleiht dem Kompakten ein selbstbewussteres Auftreten - was ihm bislang gefehlt hat. Dazu trägt auch das Heck bei, dass die Designer optisch durch neue Rückleuchten in die Breite gezogen haben.

Umgestaltet wurde auch der Innenraum, für den sich Toyota, vor allem wegen der Materialien und der etwas unpraktischen Ergonomie, vor drei Jahren zahlreiche Kritik gefallen lassen musste. Die Ingenieure haben die Kunden befragt, was sie sich anders wünschen. Resultat: Die Mittelkonsole wurde geändert, der Handbremshebel ist besser zu erreichen und so genannte Soft-Touch-Oberflächen fühlen sich besser an. Auch die Instrumente hat Toyota optimiert, sie sind besser ablesbar und in der neuen Ausstattungsvariante Club ersetzen analoge Uhren die digitalen Anzeigen. An Ablagen mangelt es dem Auris dagegen immer noch.

Bekannte Motoren

Motorenseitig trifft man alte Bekannte, die allerdings alle Euro-5-tauglich sind. Wie gehabt gibt es zwei Benziner und drei Diesel. Der Basis-Benziner - der auch aus Yaris und Urban Cruiser bekannte 1,33l Dual VVT-i - kommt zwar serienmäßig mit Stopp-Start-Automatik, dafür aber nicht wirklich aus dem Knick. An den 1,3 Tonnen des Auris hat der Vier-Zylinder gut zu schleppen, auf der Geraden gelingt ihm das noch einigermaßen, bergauf aber bereitet es ihm spürbare Probleme. Da hilft es nur, häufig mit den sechs Gängen zu jonglieren, um das Aggregat bei Drehzahlen zu halten. Was wiederum den Normverbrauch von 5,9 Litern in unerreichbare Ferne rücken lässt.

Ganz anders präsentiert sich der empfehlenswerte, mittlere der drei Dieselmotoren (1.4 mit 90, 2.0 mit 126 und 2.2 mit 177 PS), dem 310 Newtonmeter Drehmoment zwischen 1.800 und 2.800 Umdrehungen ordentlich Druck machen und ihn in gut zehn Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Den Durchschnittsverbrauch gibt Toyota mit 5,2 Litern an; sparsamer gehts mit dem Basis-Diesel der 4,8 Liter konsumieren soll. Oder mit dem 136 PS starken Auris Hybrid, der im Herbst 2010 kommen soll und mit der Hybridtechnik aus dem Prius lediglich 93 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen soll, was einem Verbrauch von unter vier Liter Benzin entspricht. Und rein elektrisch soll er auch fahren können.

Europäische Abstimmung

Wie auf die Kritik am Innenraum hat Toyota auch auf die Beanstandungen am Fahrwerk reagiert. Konzipiert wurde der Auris als Weltauto, also für alle Märkte gleich. Davon rückten die Ingenieure nun so weit, wie es bei einer Modellpflege möglich ist, ab und haben dem Kompakten eine europäische Abstimmung verpasst. Das heißt, weg vom eher trägen Fahrverhalten und hin zu einer direkten, strafferen Auslegung. Dementsprechend wurde auch die Lenkung überarbeitet.

Für den neuen Auris müssen ein paar hundert Euro mehr auf den Tisch gelegt werden als bisher. Ab 16.650 Euro ist die Basis-Version erhältlich, für den Zwei-Liter-Diesel verlangt Toyota mindestens 22.100 Euro - jeweils für den Zwei-Türer. Wer auch für den Fond Türen möchte, muss 750 Euro mehr bezahlen.
Toyota hat aus der Kritik gelernt und den Auris gezielt verbessert. Der neue, geräumige Innenraum kann sich sehen lassen, die überarbeitete Karosserie verhilft dem Biedermann zu etwas mehr Charakter und das neu abgestimmte Fahrwerk sorgt für deutlich mehr Fahrspaß als bisher. Trotzdem bleibt der Auris ein eher unauffälliger Vertreter im Kompakt-Segment - für den einen ein Kaufgrund, für den anderen genau das Gegenteil. Ob Toyota mit dem Facelift den Auris für die Kunden attraktiver gemacht hat, werden die Verkaufszahlen erst noch zeigen müssen.

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