Die späten 60er und frühen 70er des letzten Jahrhunderts waren für die britische Automobilindustrie eine schwere Zeit. Auf staatlichen Druck hin fusionierten Unternehmen, die bislang Konkurrenten waren und nun unter einem gemeinsamen Konzerndach "British Leyland" zusammenarbeiten sollten. Die Fusion führte nicht selten zur Konfusion und so titulierten Spötter den neu entstandenen Konzern gerne mit "British Elend".Da konnte es nicht ausbleiben, dass sich der Wandel auch bei den Erzeugnissen bemerkbar machte - nicht immer im guten Sinne. Ein Beispiel für die Reibereien, die bei konkurrierenden Firmen unter demselben Konzerndach zu Schwierigkeiten führten, ist ein bekanntes Sport-Cabriolet aus dem Jahr 1970, der Triumph Stag.
Ideenschöpfer für einen Sportwagen, der dicht an der automobilen Oberklasse positioniert war, aber nicht so teuer wie ein Jaguar E-Type oder Mercedes-Benz SL sein sollte, war der italienische Star-Designer Giovanni Michelotti. Der Hausdesigner (seit den 50er Jahren) von Triumph entwarf in eigener Initiative ein 2+2-sitziges Cabrio unter Verwendung der Plattform des Triumphs 2000 und stellte es auf dem Genfer Automobilsalon 1966 aus.Triumph kaufte im selben Jahr den Entwurf und machte sich an die Ausführung. Doch es gab ein Problem - die Entwickler bei Triumph misstrauten dem von Rover zugewanderten Entwicklungschef und umgekehrt. Ein ernsthafter Konflikt entzündete sich an der Wahl des Motors: Sollte der noch nicht fertige 8-Zylinder von Triumph oder der schon länger erprobte, leistungsgleiche 8-Zylindermotor von Rover Verwendung finden?Es siegten schließlich die Triumph-Ingenieure. Sie brauchten dazu noch zwei Jahre, in denen es auch Schwierigkeiten mit der Produktion von Fahrgestellen und Karosserien gab. Schließlich war der Triumph Stag 1970 marktreif und sollte erfolgreich neue Käuferschichten erschließen.
Der neue Achtzylindermotor mit drei Litern Hubraum wartete mit einer Leistung von 108 kW auf und überzeugte durch seine hohe Laufkultur. Dazu eine gelungene, offene Karosserie und ein Stoffverdeck oder wahlweise ein Hard-Top und das alles zu einem Preis, der um mehr als die Hälfte unter dem Preis für einen Mercedes-Benz 280 SL (damals 4.700 Pfund Sterling) lag. Andererseits war der Stag ein Fahrzeug der Oberklasse mit genügend Abstand zu den kleineren Sportwagen aus dem eigenen Haus.Nur eines war der Triumph Stag niemals - ein Auto ohne Probleme. Besonders der Motor galt als verschleißanfällig mit der Konsequenz sehr hoher Reparaturkosten. Auch die Modellpflege wurde durch den Hersteller ziemlich vernachlässigt. Obwohl es regelmäßig Nachbesserungen gab, wurden die Schwächen des Fahrzeugs - vor allem die des Motors - nie behoben.Dazu kamen Image-Probleme in den Vereinigten Staaten von Amerika und Schadenersatzansprüche von vielen unzufriedenen Stag-Käufern. Neue Sicherheitsvorgaben in den USA und die nicht ausgeführte Modellanpassung und -pflege führten dazu, dass der Triumph Stag schon 1974 vom amerikanischen Markt genommen wurde. 1975 war auch das Verkaufsende in Deutschland und 1977 kam das generelle Aus für die Produktion des Stags. Es wurden in acht Jahren nur 26 000 Stags gebaut.Heute schätzen Oldtimer-Fans die Laufkultur des Triumph Stags und sein imposantes Erscheinungsbild. Und Profis bezeichnen ihn als "besser als sein Ruf".