Sicher unterwegs mit dem Anhänger – Ratgeber

Gerade in den Sommermonaten sind sie wieder unterwegs: Wohnwagengespanne gen Süden oder zur Küste. Doch auch Pferdebesitzer und Heimwerker kommen oft ohne Anhänger nicht aus. Wir geben Tipps für die sichere Beladung, eine stressfreie Fahrt und klären welchen Führerschein man benötigt.

Auch der größte Auto-Kofferraum kommt irgendwann an seine Grenzen. Dann hilft nur noch ein Anhänger. Camper und Pferdebesitzer müssen aus ihrem Pkw gar regelmäßig ein Gespann machen. Das Fahren ist jedoch nicht immer so einfach wie es aussieht. Und auch schon vor Fahrtantritt kann man einiges falsch machen.

Auch leichte Teile sichern

Vor dem Start ist das Sichern der Ladung wichtig. Auch kleine und leichte Teile werden festgeschnallt oder durch eine Plane oder Netz gesichert, damit sie bei einer Vollbremsung nicht zu gefährlichen Geschossen werden. Schweres Ladegut sollten immer in der Nähe der Achsen platziert werden, wo es am wenigsten negative Auswirkungen auf die Fahrstabilität des Anhängers hat. Zu beachten ist auch, dass der Kofferraum des Zugfahrzeugs nicht schwer beladen wird, da sonst unter Umständen das Heck zu stark in die Knie geht und der Anhänger nicht mehr sicher auf der Kupplung sitzt.

Anhänge- und Stützlast prüfen

Wer nicht weiß, wie viel sein Pkw ziehen kann oder an den Haken nehmen darf, dem hilft ein Blick in die Fahrzeugpapiere. Generell müssen bei der Nutzung eines Anhängers zwei Werte beachtet werden: die Anhängelast und die Stützlast. Die höchste zulässige Anhängelast ist das größte tatsächliche Gewicht eines Anhängers, mit dem das Kraftfahrzeug in Betrieb genommen werden darf. Die Stützlast ist das Gewicht, mit der der Anhänger auf die Anhängekupplung des Zugfahrzeugs drückt. Als Anhaltspunkt, ob alles in Ordnung ist, dient ein Blick auf die Seitenansicht des Gespanns. Beide Komponenten müssen im beladenen Zustand eine gerade Linie bilden. Ist ein Knick zu sehen, gerät das Gespann leicht ins Schleudern und der Bremsweg verlängert sich.

Damit Auto und Hänger sicher zusammenhalten, muss der Anhänger mit mindestens vier Prozent seines Gesamtgewichts und mindestens 25 Kilo auf die Kupplung drücken. Die Stützlast darf dabei weder den zulässigen Wert für die Anhängerkupplung noch den für die Zugdeichsel überschreiten. Die Angaben dazu finden sich auf den jeweiligen Typenschildern.

Größerer Kurvenradius, mehr Bremsweg

Besondere Vorsicht ist während der Fahrt geboten. Da der Hänger ausschwenken kann, müssen Kurven mit Bedacht angegangen und meist im größeren Radius gefahren werden. Der Bremsweg wächst deutlich, so dass sich ein besonders großer Abstand zum Vordermann empfiehlt. Auch die Seitenwindempfindlichkeit nimmt bei Anhängern mit Aufbau stark zu. Wer es mit dem Anhänger eilig hat, besorgt sich für sein Gespann eine Tempo-100-Genehmigung bei der Kfz-Zulassungsstelle. Damit darf man dann, statt der üblichen 80 km/h, mit bis zu 100 km/h fahren. Dafür muss das Fahrzeug jedoch unter anderem über ABS verfügen und Reifen nutzen, die weniger als sechs Jahre alt sind.

Viele neuere Autos verfügen zudem über elektrische Helfer, die das Fahren mit Gespann leichter machen. Weit verbreitet ist etwa eine Rückfahrkamera, die vor allem beim Ankuppeln praktisch ist. Auch spezielle ESP-Systeme mit Gespann-Stabilisierungssysteme sind ein Sicherheitsgewinn.

Sorgenlos mit dem Führerschein der Klasse 3

Besitzer des alten „Klasse 3“-Führerscheins haben es heute gut. Mit dem grauen, seit 1982 rosafarbenen, Dokument dürften sie Pkw und Lkw mit bis zu 7,5 Tonnen zulässige Gesamtmasse fahren. Auch Züge mit bis zu drei Achsen sind inbegriffen. Dabei gelten Doppelachsen am Caravan als eine Achse, wenn ihr Abstand zueinander unterhalb von einem Meter liegt. Die Gesamtmasse der Gespanne darf dabei bis zu 18,75 Tonnen betragen – mit der gewöhnlichen Kombination aus Pkw und Caravan ist dieser Wert kaum zu erreichen. Allerdings gilt hier eine Altersgrenze von 50 Jahren. Danach sind nur noch 12 Tonnen erlaub – ebenfalls mehr als genug. Wer trotzdem auch nach dem 50. Geburtstag mehr Last bewegen will, kann seinen alten Führerschein gegen die aktuelle Version tauschen und die Klasse CE 79 eintragen lassen. Allerdings ist für eine Verlängerung nach jeweils fünf Jahren eine ärztliche Untersuchung vorgeschrieben.

Jüngere Fahrer müssen mehr beachten

Deutlich eingeschränkt wurden Reisemobilisten und Caravaner mit der Führerscheinreform 1999. Seitdem gilt für Reisemobile und Gespanne eine Gewichtsobergrenze von 3,5 Tonnen. Das reicht zwar für viele kleinere Reisemobile und kleine Wohnwagen, will man aber mit der ganzen Familie in den Campingurlaub, wird es eng. Wohnwagen-Nutzer können vergleichsweise leicht auflasten: Sie benötigen den Führerschein B 96, den man etwa in einer siebenstündigen Fahrschulung erwerben kann. Eine Prüfung muss nicht abgelegt werden. Allerdings ist das Gesamtgewicht des Gespanns auf 4,25 Tonnen begrenzt.

Wer mit einem schweren Auto einen besonders schweren Caravan ziehen will, benötigt den Führerschein BE. Für den Erwerb sind Fahrstunden und eine praktische Prüfung nötig, die theoretische Prüfung entfällt. Dann allerdings darf man bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen. Noch aufwendiger ist es seit 1999, ein Reisemobil mit mehr als 3,5 Tonnen fahren zu dürften. Dafür ist ein Lkw-Führerschein der Klasse C1 gefragt, der das Fahren von Reisemobilen bis 7,5 Tonnen erlaubt. Zahlreiche Fahrstunden sowie eine theoretische und praktische Prüfung sind nicht nur mit Zeitaufwand, sondern auch mit hohen Kosten verbunden.

Führerschein C1 nur noch befristet

Seit 2017 ist der Führerschein C1 zudem nur noch befristet gültig. Zur Verlängerung muss alle vier Jahre eine Gesundheitsprüfung absolviert werden. Betroffen sind nicht nur neue erworbene Führerscheine, sondern auch rückwirkend alle nach dem 19. Januar 2013 erstmals ausgestellte Papiere. Darüber hinaus dürfen mit dem C1-Führerschein keine zur Personenbeförderung gedachten Fahrzeuge mehr bewegt werden. Für Reisemobile gilt wie etwa auch für Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge eine Ausnahmeregelung. (Autoren: hh/sp-x, tv)

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