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Kia ProCeed im Test: Ein bisschen Panamera

Wer sich für einen Kia Ceed interessiert, hat die Qual der Wahl: Ceed, Ceed Sportswagon, den neuen XCeed oder den von uns gefahrenen ProCeed 1.4 T-GDI. Der südkoreanische Shootingbrake fällt mit seiner angriffslustigen Optik aus dem Rahmen. Was er auf der Straße kann, klärt unser Testbericht.

Als wir das erste Mal auf die Schokoladenseite des Kia ProCeed zugehen, denken wir automatisch: "Wow!", die Ähnlichkeiten zum Porsche Panamera Sport Turismo sind - zumindest was das durchgängige Leuchtenband und die Art wie die Dachlinie abfällt - bemerkenswert. Die gestalterische Nähe zum Stuttgarter Traditionskonzern kann kaum abgestritten werden, macht aber gleichzeitig Eindruck. Es ist bereits das zweite Auto aus dem Hause Kia, das so progressiv ansprechend gestaltet ist, dass ein Habenwolleneffekt ausgelöst wird. Das ist heutzutage ziemlich selten. Und prinzipiell sollte es vor allem bei den so designfreudigen europäischen Fahrzeugen aufkommen. Doch die Koreaner machen es vor, zeigen, dass auch ein Auto in der 30.000-Euro-Klasse wertig und schick daherkommen kann. (Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 5,7; CO2-Emissionen kombiniert g/km: 129²)

Kia ProCeed Rear 3

Kritik auf hohem Niveau im Innenraum

Und sogar der Innenraum kann sich, wie man spätestens seit dem Stinger weiß, durchaus sehen lassen. Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben, die Anmutung mancher Materialien könnte dagegen an der einen oder anderen Ecke noch etwas besser sein. Vieles, was nach Leder aussieht, fasst sich leider nicht so an. Und auch die angedeuteten Aluminiumeinsätze am Schalthebel sind nur kratzempfindlicher Kunststoff. Aber: Es sieht gut aus, erfüllt seinen Zweck und ist von dem nüchternen Pragmatismus vergangener Zeiten weit entfernt. Bei aller Feinkritik darf man selbstverständlich auch nie das Preisschild aus den Augen verlieren.

Kia ProCeed Interior 4

Motor-Getriebe-Kombination über jeden Zweifel erhaben

Dieses weist für unseren Probanden mindestens 29.990 Euro aus, wobei sich diese Summe im Konfigurator nur noch geringfügig erhöhen lässt. Mit dem 1,4 Liter großen Vierzylinder-Turbomotor trägt der von uns getestete ProCeed die mittlere von insgesamt drei Benziner-Varianten unter der Haube. 140 PS und stämmige 242 Newtonmeter wuchtet der Direkteinspritzer auf die Kurbelwelle. Sie werden in unserem Fall mittels Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderachse übertragen. Wer darauf keinen Wert legt, wählt den Handschalter und spart obendrein noch 2.000 Euro.

Kia ProCeed Backlight 1

Doppelkupplungsgetriebe: VW macht es jedenfalls nicht besser

Doch das DKG ist ein guter Fang, wie sich schon auf den ersten Metern mit dem Kia ProCeed herausstellt. Es schaltet unmerklich und zügig durch die Gassen, verbleibt auch bei stärkerem Gaseinsatz lässig in hohen Fahrstufen und spielt so mit dem vergleichsweise üppig vorhandenen Drehmoment. Im Sportmodus wiederum reagiert es deutlich zackiger auf die Befehle des rechten Fußes. Wer mag, kann händisch eingreifen und mittels Schaltpaddles am Lenkrad die einzelnen Zahnräder befehligen. Eine Eingriffsmöglichkeit gibt es auch am Schalthebel selbst, doch ist hier leider die Schaltlogik verkehrt herum - das kann Volkswagen aber auch nicht besser.

Kia ProCeed Engine 1

1.4 T-GDI: Reicht für alle Lebenslagen

Gleiches gilt für den Turbomotor, für den die gut 1,4 Tonnen Gewicht des ProCeed keine große Hürde darstellen. Im Gegenteil, er treibt den Südkoreaner munter voran und liefert sowohl auf der Landstraße als auch auf der Bundesautobahn genügend Power. So nimmt man es auch mit vermeintlich größeren Kalibern auf und räubert zudem gerne über die ein oder andere verwinkelte Nebenstraße. Und um ehrlich zu sein: Der Wunsch nach dem stärkeren 1.6 T-GDI mit 204 PS kommt so gut wie nie auf, dafür macht der Einsvierer seine Sache viel zu gut. Und hält sich außerdem beim Verbrauch zurück: Wir bewegten den ProCeed im Schnitt mit 8,1 Litern Super pro 100 Kilometer, waren dabei aber auch stets flott unterwegs. Wer sich einigermaßen zurückhält, dem dürfte ohne große Anstrengung auch eine Sechs vor dem Komma gelingen.

Kia ProCeed Boot 1

Fahrdynamik: Eins, setzen!

In Schulnoten betrachtet wäre eine Sechs vor dem Komma "Ungenügend". Ein Attribut, das im Falle des Kia ProCeed gänzlich unangebracht ist. Vor allem nicht, wenn man das Kapitel "Fahrdynamik" bewertet. Hier glänzt der ProCeed und man merkt, dass er auf der Plattform des ebenfalls mehr als ordentlich abgestimmten Hyundai i30 aufbaut. Das Fahrwerk arbeitet ausgewogen, pariert grobe Schläge und schlechte Straßen mit Bravour. Es legt sich aber auch gerne in die Kurve und begeistert mit einer dynamisch-komfortablen Abstimmung, wie sie kaum besser sein könnte. Eine elektronische Dämpferverstellung haben wir zu keinem Zeitpunkt vermisst, sie wäre auch fehl am Platz. Ähnliches gilt für die schön gewichtete Lenkung, die sogar über eine ordentliche Rückmeldung verfügt. Sie ist angenehm direkt, ohne dabei nervös zu wirken und lässt den Fahrer spüren, wie es um das Gripniveau der Vorderachse bestelt ist. Die Fahrwerks- und Lenkungsingenieure haben im Kia ProCeed ganze Arbeit geleistet.

Kia ProCeed Front 1

ProCeed heißt auch praktisch

Auch im Hinblick auf die Platzverhältnisse im Innenraum attestieren wir dem ProCeed gute Schulnoten. Die Passagiere der ersten Reihe sitzen sehr ordentlich auf gut konturierten Sportsitzen. Die Positionierung des mit Alcantara bezogenen Gestühls ist angenehm tief geraten, sodass auch Sitzriesen angenehm Platz finden. Das gilt für die zweite Reihe nur eingeschränkt, stößt sich so mancher Einsneunziger doch schnell die Knie an der harten Kunststoffverkleidung der Sitzlehnen. Aber: Irgendwas ist ja immer. Dafür lädt der ProCeed satte 594 Liter im Kofferraumabteil zu, das sich mittels Ladesystem mehr als praktisch in verschieden große Hälften einteilen lässt.

Kia ProCeed Lights 1

Assistenzsysteme: Mehr als nur vorhanden

So lässt es sich gar recht kommod reisen, zumindest zu Zweit. Dabei nicht unerwähnt bleiben soll neben der komfortablen wie sportlichen Fahrwerksabstimmung der radargestützte Tempomat samt Lenkunterstützung. Normalerweise halten wir uns nicht lange mit diesen Themen auf, beim ProCeed wollen wir eine Ausnahme machen. Denn das System reagiert nicht nur feinfühlig und überaus schnell auf Geschwindigkeitsveränderungen des jeweiligen Vordermanns. Seine kamerabasierte Lenkunterstützung mit Spurhaltefunktion erkannte bei unseren Testfahrten sogar zuverlässig gelb markierte Baustellenspuren auf entsprechenden Straßenabschnitten. Eine Situation, die selbst Systeme in gestandenen Oberklasselimousinen heutzutage noch zu oft überfordert. Im Kia funktionierte es wiederholbar tadellos. So hält der ProCeed nicht nur automatisch die Spur - er meckert auch nicht, wenn man die in Baustellen ungültige weiße Markierung überfährt.

Kia ProCeed Wheel 1

Fazit

Der Kia ProCeed ist ein rundes Angebot. Für rund 30.000 Euro bietet er neben einem jederzeit ansprechenden Design auch eine über alles erhabene Serienausstattung, einen durchzugsstarken und genügsamen Motor und ein Fahrverhalten, das auch denjenigen zufriedenstellt, der gerne häufiger zügig unterwegs ist. Das alles wird von der bei Kia serienmäßigen Sieben-Jahre-Garantie abgerundet. Wer kann da eigentlich noch Nein sagen?

Technische Daten*

  • Modell: Kia ProCeed 1.4 T-GDI 7DCT (GT Line)
  • Motor: Vierzylinder, Turbolader, 1.353 ccm
  • Leistung: 140 PS (103 kW) bei 6.000 U/min
  • Drehmoment: 242 Nm zwischen 1.500 und 3.200 U/min
  • Antrieb: Vorderradantrieb, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Verbrauch kombiniert: 5,7 l/100 km²
  • CO2-Emissionen kombiniert: 129 g/km²
  • Abgasnorm: Euro 6d-TEMP
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 9,3 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,60 m/ 1,80 m/ 1,42 m
  • Gewicht: ca. 1.325 Kg
  • Grundpreis: ab 29.990 Euro

*Herstellerangaben

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