Bericht: Energie- und umwelttechnisches Versuchszentrum von BMW – Wetter-Extreme im Labor

Schneesturm, brüllende Hitze, dünne Höhenluft – diesen Extrem-Bedingungen in der Fahrzeugentwicklung hinterherzufahren, ist ein teurer und zeitraubender Knochenjob.

Ob Death Valley, arktischer Norden oder Hochgebirge – überall hat die Industrie Stützpunke, um Autos auf alle Eventualitäten hin praktisch zu testen. BMW hat sich nun alle Klimazonen der Welt ins Labor geholt, genauer gesagt in das 130 Millionen teure Energie- und umwelttechnische Versuchszentrum (EVZ) im Münchener Norden, direkt neben dem 2009 eröffneten Techno-Tempel Aerolab. Bislang waren Test auf spezielle Klimabedingungen wie Hitze, Kälte, Luftdruck, Wind und Niederschlag erst ab einer späten Entwicklungsreife mit Gesamtfahrzeugprototypen auf der Straße möglich. Für viele dieser Entwicklungsthemen hat BMW mit dem EVZ jetzt die Möglichkeit geschaffen, diese Testumgebung wesentlich effizienter und nutzbringender zu gestalten. Mit den künftigen Laborergebnissen geht ein weiterer Vorteil einher: Sie sind präziser und leicht reproduzierbar und die Tester sind nicht mehr von den Launen des Wetters abhängig. Die Ergebnisgüte und die schnellere Einführung von Innovationen sollen BMW-Kunden schon bald erfahren dürfen.

Gefahren werden im EVZ Tests in drei thermischen Windkanälen und zwei Kammerprüfständen. Auf einem Höhenprüfstand können Fahrzeuge beispielsweise unter unterschiedlichsten Luftdruckbedingungen getestet werden. Die von mächtigen Stahlwänden umgebene Druckkammer erzeugt im rund 500 Meter hohen München atmosphärische Bedingungen von knapp unterhalb des Meerespiegels oder bis auf 4.200 Meter Höhe. Die Autos können dabei auf Rollen mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h gefahren werden.

Wider dem Hitzetod

Wie Motoren auf dünne Luft reagieren, ist bei der Entwicklung ein wichtiger Aspekt. Nur selten werden Autos in der Realität den besonderen Worst-Case-Szenarien der Tests ausgesetzt. Dennoch gibt es den einen Autofahrer, der mit seinem X5 und 2,5 Tonnen Anhängelast den Mont Ventoux erobern will. Damit der Motor dabei nicht den Hitzetod stirbt oder bei dünner werdender Luft die Leistung dramatisch abfällt, sind solche Belastungsprogramme in der Fahrzeugentwicklung nötig. Aus den Testergebnissen kann man schließen, wie Kühlsysteme, Motoren, Bremsen und Klimaanlagen ausgelegt sein müssen, um auch extreme Anforderungen zu meistern.

Andere Schwerpunkte setzen die drei Thermowindkanäle. Hier werden Winde von bis zu 280 km/h erzeugt und lässt sich die Temperaturumgebung von minus 20 bis plus 55 Grad Celsius variieren. Kaltstart- und Enteisungstest sind so möglich. In anderen Bereichen können Schneestürme oder Regengüsse nachgestellt werden. So kann BMW gewährleisten, dass Windschutzscheiben und Scheinwerfer stets gute Sichtverhältnise ermöglichen, oder dass bei heftigem Niederschlag die optimale Bremsleistung erhalten bleibt.

Umwelt und Familien freuen sich

Neben Verbesserungen für die Fahrzeugentwicklung bietet das EVZ noch weitere Vorteile. Die Entwicklungsingenieure müssen künftig nicht mehr dezentral und reiseintensiv testen. So können viele Testprogramme von München aus in sehr viel kürzerer Zeit durchlaufen werden. Tests, die bisher mehrere Wochen im Norden Skandinaviens beanspruchten, dauern im EVZ wenige Stunden. Und nach Aussage von BMW soll die Umwelt- und CO2-Bilanz der Testaktivitäten somit deutlich positiver ausfallen. Apropos Effizienz: Die auf den Rollenprüfständen des EVZ entstehende Energie wird in Strom umgewandelt, der wiederum andere Bereiche des Testzentrums mit Energie versorgt.

Schließlich profitieren auch einige Arbeitnehmer selbst von einer stärkeren Konzentration der Entwicklungsarbeit am Standort München. Allerdings wird man bei BMW auch in Zukunft nicht auf Testfahrten verzichten können. Wie sich ein Auto fahrdynamisch in Kurven oder auf Eis verhält, wird auch künftig kein Labor ausreichend gut testen können. Fahrwerksentwicklung bleibt also ein Thema für echte Straßen.

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