Erlkönig: Opel Meriva – Rückkehr der Selbstmörder-Türen

Seit sechs Jahren rollt der Opel Meriva nun schon vom Band in Saragossa, doch der spanische Rüsselsheimer sieht in keinster Weise alt aus.

Trotzdem heißt es bald Abschied nehmen, denn der neue Kompaktvan dreht schon die letzten Testrunden und wird im Frühjahr 2010 auf dem Genfer Auto Salon sich erstmals dem Publikum präsentieren. Die spannende Frage: Bekommt der Meriva als einziges deutsches Auto „Selbstmördertüren“? 2008 hat Opel auf dem Genfer Auto Salon mit der Meriva Concept einen ersten Ausblick auf den neuen Van gegeben. Unser Leser Máté Forberger hat jetzt einen nur noch leicht getarnten Meriva vor die Linse bekommen, der zu Abstimmungsfahrten auf der in der Automobilindustrie vor allem für Bremsentests sehr beliebten Großglockner Hochalpenstraße unterwegs war.

Für Aufregung sorgten bei der Studie die gegenläufig öffnenden Türen, so genannte Selbstmördertüren, wie es sie unter anderem auch beim Rolls Royce Phantom gibt. Lange wurde spekuliert, ob diese in der Serienversion Einzug halten, und selbst nach einem offiziellen Ja von Opel-Chef Hans Demant waren nicht alle Zweifel aus dem Weg geräumt.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Die sich im 90-Grad-Winkel öffnenden Türen erleichtern den Einstieg und der Fahrer muss, wenn er etwas in den Fond legen oder zum Beispiel die Kinder anschnallen will, nicht um die hintere Tür herum gehen. Andererseits ist diese Machart in der Entwicklung deutlich teurer, da man nicht auf vorhandene Bauteile zurückgreifen kann. Und gerade im Klein- und Kompaktsegment hat man es mit einer sehr kostensensitiven Kundschaft zu tun, die nicht unbedingt bereit ist, für ein nützliches Lifestyle-Extra mehr Geld auszugeben.

Aber: Auf unseren Erlkönigfotos ist an den hinteren Türen ein wahrscheinlich aufgeklebter Türgriff zu erkennen, der für die Selbstmördertüren spricht. Denn warum sollte Opel einen Türgriff vortäuschen, wenn dort tatsächlich einer wäre. In der Serienversion dürfte auch der hintere Türausschnitt deutlich größer ausfallen, als uns die Rüsselsheimer unter der schwarz-weißen Beklebung vorgaukeln wollen. So wie es sich auf den Fotos präsentiert, wäre der Eingang zur Rückbank viel zu klein und die C-Säule zu breit.

Unverkennbar ist dagegen die gegenüber dem aktuellen Meriva deutlich kantigere Karosserie, die schon mit der Studie angedeutet wurde. Anders als mit dem derzeit nach oben gewölbten, eiförmigen Dach setzt man beim neuen auf Geradlinigkeit. Auch die Frontpartie wird eckiger, die Motorhaube ist höher und stärker abgesetzt als bisher und an den vorderen Türen findet sich geschwungene, an den Insignia erinnernde Kanten.

Obwohl der vordere Überhang größer wird, soll der Kompaktvan Dank seines langen Radstands ein üppiges Platzangebot bieten. Das vom großen Bruder Zafira bekannte, flexible Sitzsystem dürfte auch im neuen Meriva Einzug halten und den Innenraum damit noch praktischer machen. Ob es den rund 4,20 Meter langen Opel allerdings auch mit mehr als fünf Sitzplätzen geben wird, ist fraglich.

Selbstmördertüren

Selbstmördertüren nennt man die Bauart, bei der die Fondtüren nicht an der B

In den Anfangstagen der geschlossenen Karosserien war diese Bauart üblich. 1961 wurden sie in Deutschland allerdings auf Grund von Sicherheitsbedenken verboten. Bei versehentlichem - oder von namensgebenden Selbstmördern absichtlichem - Öffnen der Türen während der Fahrt werden diese nämlich nicht durch den Fahrtwind wieder zugedrückt, sondern aufgerissen und die seinerzeit nicht angegurteten Insassen unter Umständen herausgezogen.

Mittlerweile sind die Selbstmördertüren wieder zugelassen, allerdings unter der Voraussetzung, dass eine Sicherung das Öffnen während der Fahrt verhindert. Neben Rolls Royce setzen unter anderem Mazda beim RX-8 und Mini beim Clubman auf gegenläufige Türen, wobei es sich bei den beiden letztgenannten nur um Halbtüren handelt, die auch nur bei geöffneter Vordertür benutzt werden können.

Motorenseitig dürften beim neuen Meriva zunächst nur bekannte Triebwerke zum Einsatz kommen. Der Benziner-Reigen startet aktuell mit dem 90 PS starken 1.4er und geht über einen 1.6er und 1.8er (105 und 125 PS) bis hin zum turbogeladenen 1,6-Liter-Vierzylinder, der es auf 180 PS bringt. Denkbar wäre als Einstiegsmotorisierung - so es Opel schafft, das Gewicht von nur 1,3 Tonnen noch ein wenig zu senken - auch der kleinere, 80 PS starke 1,2-Liter. Der bringt im 200 Kliogramm leichteren Corsa akzeptable Fahrleistungen zu Stande.

Der 1.8 könnte zukünftig durch einen schwächere Ausbaustufe des 1.6 Turbo ersetzt werden, der ist zum Beispiel auch mit 150 PS im Corsa erhältlich. Und auch von dem 1.4er wäre eine aufgeladene, sparsamere Version denkbar, die dann an die Stelle des 1.6 treten könnte. Außerdem stehen Ende 2011 neue Benzindirekteinspritzer an, die weiteres Sparpotential bieten. Auch eine OPC-Variante ist wieder denkbar, zum Beispiel mit einem Zwei-Liter-Turbo und 200 PS - oder vielleicht sogar 240 PS. Und die Flüssiggas-Variante des 1.4er dürfte es weiterhin geben.

Als Selbstzünder stehen derzeit der 1.3 mit 75 PS und ein 1,7-Liter-Triebwerk mit 100 und 125 PS bereit. Die schwächere der beiden Ausbaustufen muss sich zukünftig wohl einer 90-PS-Version des 1,3-Liter-Vierzylinders beugen, nach oben hin könnte ein 1,9-Liter-Aggregat mit 150 PS das Angebot erweitern. Weiterhin wird es im Meriva manuelle Fünf- und Sechs-Gang-Getriebe geben, und auch das automatisierte Schaltgetriebe Easytronic dürfte wieder bestellbar sein.

Über die Preise des neuen Meriva kann derzeit nur spekuliert werden. Momenten kostet der günstigste Kompaktvan 15.100 Euro. Weit werden sich die Rüsselsheimer davon nicht weg bewegen und mit einem schwächeren Einstiegsmotor dürfte sogar ein Basispreis von unter 15.000 Euro machbar sein. Bleibt die Frage nach den teuren, gegenläufigen Türen und, falls sie in der Serie Einzug halten, inwieweit die Käufer dafür aufkommen müssen. (mg)

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