Vorstellung: Rolls-Royce Wraith – Neues aus der Unterwelt

Über Wochen hinweg hat uns Rolls-Royce mit Details zu seinem neuen Coupé versorgt: Erst wurde der Name bekannt gegeben, dann folgten ein paar Detailansichten aus dem Innenraum und schließlich eine vager Ausblick auf die Silhouette.

Auf dem Genfer Auto Salon (07. bis 17. März 2013) zeigt sich der Wraith nun erstmals völlig enthüllt der Öffentlichkeit - und polarisiert mit seinem markanten Heck. Schon seit langem treibt sich die Anfang des 20. Jahrhunderts gegründete Nobelmarke in der Unterwelt herum - zumindest namentlich: Phantom, Ghost, Silver Shadow, Silver Seraph, Silver Spirit; alles hat mit Geist und Geistern zu tun und auch der neueste Wurf der mittlerweile zu BMW gehörenden Briten trägt freilich einen mystischen Namen: Wraith.

Übersetzt heißt auch das soviel wie Geist oder Gespenst, ein Wraith ist aber noch ein wenig unheimlicher und frecher als ein Ghost. Und genau das will das neue Luxus-Coupé sein: eine unangepasstere Variante des Ghost. Das macht der Hui Buh der Rolls-Familie auch optisch unmissverständlich klar.

Polarisierendes Heck

Während viele beim Ghost, gerade gegenüber dem übermächtigen Phantom, die elegantere, filigranere Linienführung schätzen, macht der 5,27 Meter lange Wraith Schluss mit optischer Zurückhaltung – vor allem von hinten. Während die Front der des Ghost noch recht ähnlich sieht – Kühlergrill, Frontschürze und Lufteinlässe wurden nur leicht verändert – fällt das Heck sprichwörtlich ins Gewicht. Anders als bei der Limousine, bei der das Dach nach der C-Säule in den Kofferraumdeckel übergeht, fällt es beim Ghost extrem langestreckt von der A-Säule bis zur äußersten Kante hin ab.

Zusammen mit den breiten Schultern blicken die Hinterherfahrenden auf ein mächtiges, polarisierendes Heck mit reichlich Blechanteil und die Rückscheibe verkommt zu einem schießschartenähnlichen Schlitz. Noch deutlicher wird das endlos gestreckte Dach im Profil, wo es eine C-Säule von noch nie dagewesenem Ausmaß zeichnet. Mindestens 20 Zoll große Räder, hinten angeschlagene Türen und eine lange Motorhaube unterstreichen das, was Rolls-Royce mit „dramatic“ und „powerfull“ in Worte fasst.

Sternenhimmel

So angsteinflößend der Wraith äußerlich sein kann, so sanftmütig präsentiert sich das Schlossgespenst im Inneren. Durch die schweren, per Knopfdruck schließenden Türen taucht man ein in die Welt des Luxus, die ohne B-Säulen und mit optionalem Panoramadach lichtdurchflutet ist. Die Alternative: Ein Sternenhimmel, der den Innenraum mit 1.340 kleinen Lämpchen in ein heimeliges Licht taucht. Da werden selbst die beleuchteten Rolls-Royce-Logos an den breiten C-Säulen zu Statisten.

Weiches Leder schmeichelt nicht nur dem Gesäß und ein neues Holzdekor namens „Canadel Panelling“ schafft ein warmes Wohlfühlambiente; dazu der kühle Charme von hochglänzendem Chrom und satiniertem Aluminium. In Goodwood hat man alles aufgefahren, was edel und teuer ist. Die Technik dagegen stammt von den Ingenieuren aus Bayern: Auch im Ghost ist das BMW-Multimediasystem mit iDrive-Controller verbaut, wenngleich optisch an die Marke angepasst und um ein Touchpad erweitert.

Noch keiner war stärker

Nicht nur die Unterhaltungselektronik, sondern auch die Antriebstechnik stammt aus München. Tief unter der Edelstahlmotorhaube mit obligatorischer Emily steckt ein mit dem 760i verwandter, 6,6 Liter großer Zwölfzylinder (intern N73), dem zwei Turbolader Beine machen und ihm 634 PS entlocken. Zusammen mit 800 Newtonmeter Drehmoment adeln diese Daten den Wraith zum bisher stärksten Rolls-Royce. Dass er trotzdem 4,6 Sekunden braucht, um auf Tempo 100 zu kommen, liegt an den über 2,3 Tonnen Leergewicht.

Wie im BMW-Konzern üblich, übernimmt auch im Ghost eine Achtgang-Automatik die Gangwechsel, allerdings ist das ZF-Getriebe im Wraith mit dem GPS-System gekoppelt. So soll die Automatik schon wissen, was als nächstes zu tun ist und noch bevor der Fahrer um die Kurve fährt oder es den Berg hoch geht den nächsten Gang vorbereiten.

Höchste Dynamik, modernste Technik

Diese „Satellite Aided Transmission“ soll einen entscheidenden Teil dazu beitragen, den Wraith dynamischer als den Ghost zu machen. Der andere Teil sind althergebracht Maßnahmen: Die hintere Spur wurde um 24 Millimeter verbreitert, der Radstand um 18,3 Zentimeter verkürzt und durch die fünf Zentimeter geringere Höhe sinkt der Fahrzeugschwerpunkt näher zur Straße. Außerdem wurde die Luftfederung straffer abgestimmt.

Bei den Sicherheits- und Komfortsystemen hat man sich wiederum im Konzern-Regal bedient: Surroundview-Kameras, Abstandstempomat, Sprachsteuerung, Auffahrwarnung, Nachtsichtgerät, automatischer Notruf und natürlich eine Smartphone-App sind Techniken, die man von BMW kennt; schließlich sind Wraith und Ghost entfernte Verwandte des 7ers. Nur die 14 Liter Durchschnittsverbrauch dürften sich mit BMWs Efficient Dynamics Porgramm nicht ganz vereinbaren lassen...

Knapp 300.000 Euro

Von der Premiere bis zur Serie dürfte noch etwas Zeit vergehen, voraussichtlich erst im vierten Quartal 2013 kommt der Rolls-Royce Wratih auf die Straße. Was er kostet, ist derzeit noch geheim, doch dürfte für den frechen Geist etwas mehr fällig werden als für den viertürigen Ghost; der liegt derzeit bei rund 260.000 Euro. Knapp 300.000 Euro müssen also einkalkuliert werden.

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