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Borgward

Borgward ist sowohl eine ehemalige wie auch eine brandaktuelle deutsche Fahrzeugmarke: Bis zu seinem Konkurs in den 60er Jahren produzierte der Hersteller Pkw und Lkw in Bremen – seit der sukzessiven Wiederbelebung ab 2005 stehen insbesondere SUVs im Fokus, die beim chinesischen Namensrechtinhaber Beiqi Foton Motor seit 2016 vom Band laufen. Der Hauptsitz des Unternehmens bleibt jedoch in deutschen Händen, nämlich unter der Leitung von Christian Borgward, dem Enkel des Gründers und Ingenieurs Carl F. W. Borgward. Der Hersteller war außerdem von 1920 bis 1969 Namensbestandteil verschiedener Unternehmen, die teils nacheinander, teils nebeneinander existierten.

Borgward vor dem Zweiten Weltkrieg

Zunächst als Kühlerfabrik firmiert, stellte die Bremer Borgward & Co. ab 1924 den „Blitzkarren“ her, ein offenes Dreiradfahrzeug mit einer Ladekapazität von fünf Zentnern, das nach der Inflation in Deutschland als Kleinlieferwagen eine Marktlücke fand. Der Fahrer saß auf einem Motorradsattel hinter der Hinterachse, die Ladepritsche befand sich zwischen dem einzelnen Vorderrad und der Hinterachse. Diese wurde über einen Riemen von einem Einzylinder-Zweitaktmotor mit einem Hubraum von 120 ccm und einer Leistung von 2,2 PS angetrieben. Dennoch kam der Fahrer nicht ganz ohne sportliche Ambitionen aus, denn er musste das Fahrzeug anschieben und dann aufspringen, sobald der Motor lief.

Mit einer Einlage von 10.000 Reichsmark trat 1925 der Kaufmann Wilhelm Tecklenborg in das junge Unternehmen ein, nachdem selbiger zuvor eine Lizenz zum Bau des Blitzkarrens der „Bremer Aufbau-Industrie“ gewinnbringend verkauft hatte. Borgward brachte als Stammeinlage die vorhandenen Maschinen in die GmbH ein. Die Urheberrechte am Blitzkarren gingen an die Gesellschaft über, Grundstücke und Gebäude blieben jedoch in Borgwards Privatvermögen. Tecklenborg konnte eine beträchtliche Anzahl von Blitzkarren an die Reichspost verkaufen, die sie in Bremen zur Briefkastenleerung und Zustellung von Paketen einsetzte. Zu dieser Zeit hieß der Betrieb Fahrzeugwerke Borgward & Co. GmbH.

Der Borgward Goliath

Parallel zum Blitzkarren brachte Borgward 1925 den Goliath heraus. Die Ladepritsche des Vorderladers saß hierbei über der jetzt zweirädrigen Vorderachse, außerdem stellte das Modell gegen Aufpreis über einen zusätzlichen Soziussitz bereit. Das Modell Goliath Standard verfügte über eine Nutzlast von 500 kg und war mit einem Motor zu 350 ccm, einer Leistung von 7,5 PS Leistung sowie mit Kupplung, Getriebe und einer Bremse an allen Rädern versehen. Die Nachfrage nach Blitzkarren und Goliath war für die damalige Zeit sehr gut, allerdings brachte eine verkehrspolizeiliche Vorschrift Schwierigkeiten mit sich, die für Straßenfahrzeuge einen Rückwärtsgang vorschrieb, so dass bereits ausgelieferte Fahrzeuge entsprechend nachgerüstet werden mussten. Ende der 1920er-Jahre war jedes vierte Nutzfahrzeug im Deutschen Reich ein „Goliath“.

1928 wurde die Firma in Goliath-Werke Borgward & Co. umbenannt. Diese baute ab 1931 den Dreirad-Personenwagen „Goliath Pionier“, einen Zweisitzer mit einem 200-ccm-Zweitaktmotor im Heck, dessen Leistung maximal 5,5 PS betrug und eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 60 km/h erreichte. Ab 1929 erwarben Carl Borgward und sein Teilhaber die Aktienmehrheit der Automobilfabrik Hansa-Lloyd Werke AG, die von der damaligen Wirtschaftskrise in erheblichem Maße betroffen war. Die beiden Unternehmen Hansa-Lloyd und Goliath wurden verschmolzen und firmierten ab Dezember 1931 als „Hansa-Lloyd und Goliath-Werke Borgward & Tecklenborg oHG“.

Carl Borgward übernimmt die Führung

Um eine breitere finanzielle Basis zu bekommen, gründeten Borgward und Tecklenborg gemeinsam mit vier anderen Bremer Kaufleuten 1936 eine Aktiengesellschaft mit fünf Millionen Reichsmark Grundkapital, die als Hansa-Lloyd-Goliath Werke AG firmierte – jedoch ein Jahr später schon wieder aufgelöst wurde, da sich Borgward von seinen neuen Partnern bevormundet fühlte.

Borgward war nun alleiniger Eigentümer und nannte sein Unternehmen Hansa-Lloyd-Goliath Werke Carl F. W. Borgward. Der Erfolgskurs konnte fortgesetzt werden und die produzierten Fahrzeuge wurden immer größer. Dies zeigte sich in den Sechszylindermodellen Hansa 1700, Hansa 3500 „Privat“ und Borgward 2300. Im Lkw-Bereich war Borgward einer der bedeutendsten Produzenten im Deutschen Reich. Nach Eröffnung eines neuen Autowerks in Bremen-Sebaldsbrück im Jahr 1938 änderte der nun alleinige Inhaber den Namen erneut schlicht in „Carl F. W. Borgward“.

Borgward während und nach dem Zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs war Borgward einer der Hauptlieferanten für Schützenpanzer, Zugmaschinen, Ladungsträger und sogar Torpedos. Das neue Werk in Bremen-Sebaldsbrück wurde beim Luftangriff auf Bremen vom 12. Oktober 1944 zu 58 Prozent, das Goliath-Werk in Hastedt zu 87 Prozent zerstört. Zum Schutz vor den Luftangriffen der Alliierten wurde im Winter 1943/44 das „Außenwerk Ottersberg“ errichtet. In die sechs Hallen wurde der Motorenbau ausgelagert. Bereits vorher war die Getriebe- und Achsenfertigung nach Delmenhorst verlagert worden. Im neuen Werk Sebaldsbrück arbeiteten rund 1.000 polnische und russische Männern aus dem KZ Auschwitz, die nach knapp zwei Monaten in das KZ Farge und später ins Stammlager KZ Neuengamme gebracht wurden.

Nach Ende des Krieges bauten die Mitarbeiter zunächst aus noch vorhandenen Teilen im Werk Sebaldsbrück das frühere Wehrmachts-Lkw-Modell B 3000 weiter und fertigten mit den wieder instandgesetzten Maschinen auch neue Teile. Da Carl Borgward wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP nach 1945 die Werke zunächst nicht führen durfte, leitete Wilhelm Schindelhauer den Betrieb als Verwalter. Schindelhauer war seit 1917 bei Hansa-Lloyd und seit 1938 kaufmännischer Direktor von Borgward. Bis 1957 leitete er erfolgreich den Gesamtverkauf der Borgward Pkw und Lkw.

Carl Borgward kam neun Monate später aus amerikanischer Haft frei und durfte erst nach dem Entnazifizierungsverfahren im Sommer 1948 seine Werke wieder betreten. Während der Haftzeit arbeitete er weiter an seinem Entwurf des Borgward Hansa 1500. Anregungen für die äußere Form hatte er in amerikanischen Autozeitschriften gefunden, die ihm die Wachleute ausgeliehen hatten. Die erste Neukonstruktion nach dem Krieg hatte als erster deutscher Mittelklasse-Pkw eine Pontonkarosserie.

Um mehr Rohstoffzuteilungen zu erhalten, teilte Borgward 1949 sein Unternehmen in drei Einzelunternehmen auf: die Carl F. W. Borgward GmbH mit Stammwerk in Bremen-Sebaldsbrück, die Goliath-Werk GmbH mit Werk in Bremen-Hastedt sowie die Lloyd Maschinenfabrik GmbH, die Anfang 1951 vom Areal des Goliath-Werks in eine ehemalige Munitionsfabrik in Bremen-Neustadt umzog. Somit gab es nun Fahrzeuge mit den Bezeichnungen Borgward, Goliath und Lloyd. Ab 1949 entwickelte Borgward auch das erste Automatikgetriebe in Deutschland. 1952 wurde das Fließheckmodell Hansa 2400 präsentiert, das zusätzlich als „Pullman“-Limousine mit Stufenheck erhältlich war. Nachfolger war 1959 der „Große Borgward“ P 100, der erste deutsche Pkw mit Luftfederung. Größter Verkaufserfolg in der Mittelklasse wurde die 1954 vorgestellte Borgward Isabella, die bis 1962 insgesamt 202.862 Mal gebaut wurde.

Borgward geht in Konkurs

Seit Jahren litten die Borgward-Werke unter finanziellen und arbeitstechnischen Missgeschicken. Die finanzielle Seite seiner Unternehmen war Borgward stets ein Gräuel. Seine Liebe gehörte der Autobastelei. Der unter Druck geratene Senat zog seine Bürgschaftserklärung über die letzten zehn Millionen DM der Kreditsumme zurück und die Banken gaben für Februar 1961 die Gelder nicht mehr frei. Am 4. Februar 1961 wurde Carl F. W. Borgward vom Senat vor die Wahl gestellt, seine Unternehmen dem Land Bremen zu übereignen oder sofort in den Konkurs zu gehen. Nach über 13 Stunden Verhandlungen willigte Borgward ein und übergab seine Unternehmen dem Land Bremen, das selbige als Borgward-Werke AG weiterführen wollte. Wegen der zu großen Modellpalette und dem unübersichtlichen Finanzwesen von Borgward wurden im Juli 1961 dennoch mehrere Vergleichsverfahren eingeleitet, auf die sechs Wochen später die Anschlusskonkursverfahren für Borgward und Goliath folgten und 1969 endeten. Die Immobilien und ein Teil des Maschinenparks der Lloyd-Motoren-Werke wurden noch vor Eröffnung des Konkursverfahrens für 29,8 Millionen DM vom Siemens-Konzern übernommen. Der Konkurs der Borgward-Gruppe war in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein Schock für die damals noch junge Republik. Bis dahin war es in Deutschland nahezu unvorstellbar, dass es nach dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er Jahre auch wieder bergab gehen könnte. Für die Geschichte der Stadt Bremen im 20. Jahrhundert war das Ende von Borgward der Beginn einer ganzen Serie von Pleiten traditioneller Bremer Betriebe.

Borgward nach dem Konkurs

Carl F. W. Borgward überlebte sein Unternehmen nur um zwei Jahre, er starb 1963. Eine Gruppe von Investoren kaufte 1964 die Maschinen und die Rechte und baute in den Jahren 1967 bis 1970 den Borgward P 100 als „230/230 GL“ in Mexiko nach. Das Stammwerk Sebaldsbrück wurde von der hannoverschen Hanomag übernommen, die dort in den Folgejahren Kleintransporter, leichte Lkw und Baumaschinen produzierte. Nach der Übernahme von Hanomag-Henschel durch Daimler-Benz bekam das Werk 1971 wieder einen neuen Eigentümer und gehört heute zum Geschäftsbereich Mercedes-Benz Cars der Daimler AG. Das Borgward-Lkw-Werk in Osterholz-Scharmbeck übernahm 1962 zunächst die Büssing AG aus Braunschweig. Das Werk wurde 1969 an Faun verkauft und produziert heute als FAUN Umwelttechnik GmbH & Co. KG Abfallsammelfahrzeuge und Kehrmaschinen.

Wiederbelebung der Marke Borgward im Jahr 2015

Christian Borgward, der Enkel Carl F. W. Borgwards, arbeitet seit 2005 an der Rückkehr der Borgward-Automobile. 2008 wurde die Borgward AG in der Schweiz und 2015 die Borgward Group AG in Stuttgart gegründet. Die Markenrechte an Borgward wurden an das chinesische Unternehmen Beiqi Foton Motor verkauft. Die Präsentation des „Borgward BX7“ und weiterer Modelle erfolgte in den Jahren 2015 und 2016. Bereits kurze Zeit später folgten der kleinere BX5 und der darauf aufbauende BX6 TS.