Test Mazda3 Skyactiv-D 1.8: Unaufgeregt gut

Maximale Motorleistung sucht man im Mazda3 vergebens. Doch ist das wichtig? Nicht, wenn das restliche Auto mit anderen Qualitäten zu überzeugen weiß. Im Test der Mazda3 Skyactiv-D 1.8 mit 116 PS.

Erst Ende 2019 hatten wir den Mazda3 in unserer Redaktion zu Gast (Testbericht). Damals mit dem neuen Skyactiv-X-Motor samt Kompressionszündung. Nun, ein halbes Jahr später, bitten wir den einzigen Selbstzünder des japanischen Kompaktmodells zum Test. Stramme 116 PS aus 1,8 Liter Hubraum mobilisiert der gleichlautende Skyactiv-D 1.8 und macht damit bereits auf dem Papier klar, dass ihm leistungstechnisches Wettrüsten nicht so wichtig ist (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,2 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 109 g/km²).

Mazda3-Skyactiv-D-1.8-2020-Front-Side

116 PS sind nicht die Welt, aber sie reichen

Niedrige Verbrauchs- und Emissionswerte lagen bei der Entwicklung des Skyactiv-Diesels eher im Fokus, wobei niemand gesagt hat, dass knapp über 100 PS für einen Kompaktwagen dieser Größe nicht ausreichend wären. Ganz im Gegenteil verblüfft der Vierzylinder-Turbo auf den ersten Metern mit seinem Durchzugsvermögen, wobei es maßgeblich den 270 Newtonmeter Drehmoment geschuldet ist, dass man sich auf Stadt- und Landstraßen deutlich üppiger motorisiert vorkommt. Erst jenseits der 100 Stundenkilometer ebbt das subjektive Gefühl von Beschleunigung spürbar ab, die Höchstgeschwindigkeit von 194 km/h ist erwartungsgemäß nur mit viel Anlauf und Rückenwind zu erreichen.

Mazda3-Skyactiv-D-1.8-2020-Interieur-1

Agiles Handling, toller Handschalter

Über das alltäglich genutzte Drehzahlband hält sich der Diesel akustisch stets zurück und passt so bestens zur ebenfalls gut gedämmten Kabine. Unser Testwagen fährt derweil mit dem empfehlenswerten 6-Gang-Schaltgetriebe vor (Automatik 2.000 Euro Aufpreis), das durch kurze Schaltwege und eine präzise Gassenführung zu gefallen weiß. Die Lenkung arbeitet ebenso präzise, dürfte aber insgesamt eine Spur mehr Rückmeldung zurückliefern. Für unseren Geschmack beinahe schon eine Spur zu hart ist das serienmäßige und zugleich alternativlose Stahlfahrwerk ausgefallen. Auf gut ausgebauten Autobahnen und verwundenen Bergstraßen bietet es durch den direkten Fahrbahnkontakt große Fahrfreude, die abrupt nachlässt, sobald die Asphaltdecke gröbere Schäden aufweist.

Mazda3-Skyactiv-D-1.8-2020-Engine

Skyactiv-D 1.8 mit vergleichsweise hohem Verbrauch

Unterm Strich weiß der Mazda3 Skyactiv-D 1.8 beim Fahrkapitel aber durchaus zu überzeugen und spricht allen voran fahraktive Käufer an. Wer auf Wunsch und auf abgesperrter Strecke zudem ohne elektronische Fangleinen unterwegs ist, wird in manch scharfer Biegung das dynamische Eindrehen des Hecks bemerken. Frontantriebsbedingtes Gezerre in der Lenkung? Eher Fehlanzeige. Der überschaubaren Motorleistung einzig nicht angemessen ist der Verbrauch. Rund sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer im Schnitt laut Bordcomputer sind mindestens ein Liter zu viel, gehen viele Mitbewerber sogar in der Region um 150 PS betont sparsamer mit dem Kraftstoff um. Mazda3-Skyactiv-D-1.8-2020-Taillights

Edler Innenraum mit kleinen Kritikpunkten

Wie das Außendesign, überzeugt indes die Inneneinrichtung des Mazda3. Wir hatten es beim ersten Test bereits angemerkt, doch sei noch einmal unterstrichen, dass die europäische Konkurrenz in der sogenannten Golf-Klasse hier überwiegend das Nachsehen hat. Bereits ab Werk gibt es nicht nur schnöden Kunststoff, sondern wertig geschäumte Oberflächen zu befühlen. Die in unserem Testwagen verbauten elektrischen Ledersitze (1.800 Euro) sind sehr bequem und auch für größer gewachsene vielfach einstellbar und langstreckentauglich. Einzige wirkliche Kritikpunkte im Innenraum sind die billige, weil wackelige Mittelarmlehne und die bisweilen fummelige Schalteranordnung am Lenkrad.

Mazda3-Skyactiv-D-1.8-2020-Tacho

Mazda3 kommt mit viel Serienausstattung

Teildigitales Kombiinstrument, 8,8-Zoll-Navigationsbildschirm, DAB-Radio sowie rudimentäre Assistenzsysteme sind bereits serienmäßig im Mazda3 Skyactiv-D 1.8 an Bord. Die Assistenten funktionieren dabei überwiegend passabel, aber allen voran die Verkehrszeichenerkennung arbeitet eher nach dem Zufallsprinzip und zeigt auf Autobahnen schon einmal Tempo 30 Warnungen an. Nervig: Das ebenfalls serienmäßige Head-up Display lässt sich anders als die Assistenzsysteme nicht per Druckschalter deaktivieren. Dagegen ein Fest für die Ohren ist das 750 Euro teure Bose Sound-System, das klanglich einen mehr als gute Vorstellung abliefert.

Mazda3-Skyactiv-D-1.8-2020-Rear-Side

Fazit

Unaufgeregt gut heißt es in unserer Überschrift zum Mazda3 Skyactiv-D 1.8. Nach zwei Testwochen geben wir den Japaner nur sehr ungern wieder ab, besticht er nicht nur durch sein frisches Design, seine gute Verarbeitung und eine üppige Serienausstattung. Auch die Fahrleistungen, wenngleich nicht rennsportverdächtig, enttäuschen nicht. Nur während weniger Momente hätten wir uns ein paar Pferdestärken mehr gewünscht, ein Verbrauch von gut sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer ist dann aber gemessen der Leistung doch ein wenig zu viel. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

Technische Daten*

  • Modell: Mazda3 Skyactiv-D 1.8
  • Motor: Vierzylinder-Diesel, 1.759 ccm
  • Leistung: 116 PS (85 kW) bei 4.000 U/min
  • Drehmoment: 270 Nm bei 1.600 U/min
  • Antrieb: Vorderradantrieb, 6-Gang-Schaltgetriebe
  • Verbrauch kombiniert: 4,2 l/100 km²
  • CO2-Emissionen kombiniert: 109 g/km²
  • Beschleunigung (0 – 100 km/h): 10,3 s
  • Höchstgeschwindigkeit: 194 km/h
  • Abmessungen (L/B/H): 4,46 m/ 1,80 m/ 1,44 m
  • Gewicht: ca. 1.400 Kg
  • Grundpreis: ab 28.090 Euro

*Herstellerangaben

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 leitender Redakteur des AutoScout24 Magazins. Der gebürtige Oberbayer verbindet seine Leidenschaft für klassische Youngtimer mit einem feinen Gespür für aktuelle Automobiltrends. Am liebsten unterwegs auf kurvigen Alpenstraßen, testet er heute ebenso souverän moderne Elektromodelle. Der Traum vom Audi RS 6 Avant C5 in Goodwoodgrün lebt weiter!

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