Test McLaren 750S Spider: Charakter schlägt Perfektion

750 PS aus einem 4,0-Liter-V8-Biturbo, Hinterradantrieb, kein Elektroschnickschnack und ganz wichtig: Flügeltüren! Das ist der Stoff, aus dem Autoträume sind. Oder doch nicht? Der McLaren 750S Spider im Fahrbericht.

Der McLaren 750S Spider auf einen Blick


Was wir mögen

Wie der 750S Benzin in puren Klang verwandelt.

Was wir vermissen

Die Sitzverstellung an einem Ort, wo wir mit unseren Wurstfingern hinkommen.

Ideal, wenn …

… Porsche zu langweilig und der Rest zu elektrisch ist.

Die Alternativen

Porsche 911 Turbo S, Ferrari 296 Speciale, Lamborghini Temerario.


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Beim McLaren 750S geht es um das pure, unverfälschte Autofahren

Britisches Understatement sucht man beim McLaren 750S Spider vergebens. Hier steht kein Duckmäuschen, sondern ein Statement auf vier Rädern. Schon von weitem wird klar, dass der Nachfolger des McLaren 720S eher keine Gefangenen machen will - er will dominieren. Wie bisher bezieht sich die Modellbezeichnung auf die Antriebsleistung, die besagte 750 PS und 800 Nm Drehmoment erreicht. Taktgeber ist ein mittig platzierter 4,0-Liter-V8-Biturbo, der dank eines trockenen Leergewichts von lediglich 1.438 Kilogramm sehr leichtes Spiel hat.

In gerade einmal 2,8 Sekunden geht es auf trockener Piste auf Tempo 100, nach bereits 7,2 Sekunden stehen 200 km/h im Tacho. Vor nicht einmal 30 Jahren brauchte man für solche Fahrleistungen noch einen Bugatti Veyron, demnächst kann ein jeder mit dem entsprechenden finanziellen Voraussetzungen solche Werte auch in einem Porsche Cayenne Turbo Electric abrufen. Aber sind wir ehrlich: Wer mit einem Kühlschrank Rennen fahren will, sollte sich vielleicht andere Hobbys suchen. Beim McLaren geht es um das pure, unverfälschte Autofahren.

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Echte Gefühle für rund 340.000 Euro

Alles an diesem Auto schreit förmlich nach Motorsport. Sei es das Carbon-Monocoque, das rennstreckentaugliche Fahrwerk oder die aktive Aerodynamik samt Airbrake-Funktion, die sich ab etwa 120 km/h oder bei starkem Bremsdruck effektvoll in den Wind stellt. Die Bremsleistung ist zu jedem Zeitpunkt nahe an der Perfektion. Braucht es bei so viel technischer Raffinesse wirklich eine Drift-Control? Irgendwer am Stammsitz in Woking meinte das zumindest, wir hingegen erfreuen uns am hohen mechanischen Grip in Kurven, ohne Angst haben zu müssen, das Heck könnte uns gleich überholen. Schließlich bewegen wir hier etwa 340.000 Euro auf der Straße.

Besonders das ESP arbeitet auch ohne Deaktivierung bereits sehr feinfühlig mit Spiel, aber nicht übergriffig. Eben so, wie man es sich mit solch einem Auto auf einer öffentlichen Straße im Normalfall auch wünscht. Ein besonderes Highlight ist die elektrohydraulischen Lenkung. Die Rückmeldung von der Straße ist mehr als „gefühlsecht“, gefiltert wird hier nichts. Wer derweil über eine steile Tiefgaragenabfahrt verfügt, wird sich über das Lift-System freuen. Keine weltbewegende Neuerung, aber im Supersportsektor dennoch erwähnenswert.

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Klanglich und beim Verbrauch eine Wucht

Natürlich müssen wir auch ein paar Worte zum Klang des McLaren 750S Spider verlieren. Nicht zu dem aus der Bowers-&-Wilkins-Soundanlage (auch der ist ziemlich passabel), wohl aber zu dem aus dem mittig platzierten Doppelauspuff. Wobei „Puff“ in der Tat wörtlich zu nehmen ist. Da treibt es jedem Elektroautofahrer die Tränen in die Augen - hoffentlich vor Ergriffenheit! Der nicht elektrifizierte Achtzylinder spielt das alte Lied und beherrscht sowohl das untertourige Grollen beim Anrollen als auch deutlich höhere und aggressivere Töne. Dass der Engländer für das monumentale Hörspiel reichlich Benzin verbrennen muss, wird mit Blick auf die Verbrauchsanzeige mehr als deutlich. 20 Liter sind die Regel, wird Zurückhaltung geübt, können auch mal unter 15 Liter auf 100 Kilometer erreicht werden.

Wer in den vollen Klanggenuss kommen will, kann beim Spider freilich das Dach automatisch im Tonneau verstecken - für die Winterausfahrt empfiehlt sich dagegen das Herunterlassen der Heckscheibe. Wer sich auf der Autobahn austobt, wird auch andere Töne zu hören bekommen: Windgeräusche etwa. So gänzlich zugfrei scheint uns der McLaren 750S Spider ohnehin nicht zu sein, und jenseits der 200 km/h (die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 322 km/h) wird es dann doch anstrengend mit der Dauerbeschallung. Auch gegen allerhand Fahrbahnverschmutzungen ist die Flunder aus Woking weniger gewappnet. Das merkt man spätestens beim Öffnen der Flügeltüren - hier wird fleißig Streugut gesammelt.

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Auch der 750S Spider ist nicht perfekt

Auch sonst schafft es der Supersportler, einige Abzüge in der B-Note zu sammeln. Während wir fahrdynamisch nichts zu kritteln haben, steht die gebotene Verarbeitungsqualität stellenweise leider nicht im Verhältnis zum hohen Preis. Besonders bitter: deutlich sichtbare Kontaktkorrosion an der Unterseite der Beifahrertür. Angesprochen auf diesen Mangel deutete McLaren an, dass dies nicht den hohen Qualitätsstandards der Marke entsprechen würde. Kunden mit vergleichbaren Schadensbildern können laut einer Unternehmenssprecherin im Bedarfsfall auf "umfassende Garantie- und Anschlussgarantieoptionen" vertrauen.

Kaum durch einen Kulanzantrag lässt sich hingegen die krude Bedienlogik ändern. Sei es die Sitzverstellung oder die Menüführung des Infotainment-Systems - hier hat sich im Vergleich zum Vorgänger McLaren 720S bis auf die Einbindung von Apple CarPlay und Android Auto kaum etwas getan. Es kann also einige Kilometer dauern, bis man wirklich alle Kniffe heraushat.

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Fazit

Wer ein gänzlich perfektes Auto sucht, ist beim McLaren 750S Spider sicherlich an der falschen Adresse. Nachlässigkeiten bei der Qualitätskontrolle passen nicht zum Preis, die Bedienung ist stellenweise unnötig kompliziert. Dennoch lohnt es sich, das entsprechende finanzielle Polster vorausgesetzt, dem Engländer eine Chance zu geben. Denn anders als die aktuellen Porsches, Lamborghinis und Ferraris setzt besonders der 750S noch auf nicht elektrifizierten, unverfälschten und stark emotionsgeladenen Fahrspaß. Er ist schlicht ein Charakterauto mit Ecken und Kanten. Ist es nicht genau das, was wir bei neuen Autos stets vermissen? (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)

Technische Daten


Modell McLaren 750S Spider
Motor 4,0-Liter-V8-Biturbo-Benziner
Leistung Verbrennungsmotor 750 PS (552 kW)
Maximales Drehmoment 800 Nm
Antriebsart Hinterradantrieb
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (SSG)
Verbrauch kombiniert (WLTP) 12,2 l/100 km
CO₂-Emissionen kombiniert (WLTP) 276 g/km
CO₂-Klasse G
Beschleunigung 0–100 km/h 2,8 s
Höchstgeschwindigkeit 332 km/h
Abmessungen (L/B/H) 4.569 mm / 2.161 mm / 1.196 mm
Radstand 2.670 mm
Leergewicht ca. 1.438 kg (DIN, trocken)
Kofferraumvolumen 150 l
Tankinhalt 72 l
Grundpreis ab ca. 320.000 Euro

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