Test: Jeep Grand Cherokee – Mister Cool

Eine Klarstellung vorweg: Nein, wir sind mit dem Jeep tatsächlich nicht abseits befestigter Wege gefahren. Dem Autor tat das zwar in der Seele weh, doch so lautete nun mal die Vorgabe an die Geschichte.
Die Offroad-Eigenschaften müssen trotzdem erwähnt werden, wenn auch nur kurz: Der Grand Cherokee verfügt über permanenten Allradantrieb, ein Zentraldifferenzial und Achssperren vorne und hinten. Dazu kommen eine Geländeübersetzung und allerlei Elektronik. Theoretisch alles wunderbar, aber eben nur theoretisch. Doch nun muss Schluss sein mit dem Heulen über die verpasste Schlamm-Party.
Parkplatzsuche
Betrachten wir den Grand Cherokee so, wie es die meisten tun: Frisch gewaschen und (im Wortsinn) oberflächlich. Gut sieht er aus, der Häuptling, typisch Jeep, und doch modern mit den geschärften Kanten, dem chromblitzenden Grill und den massiven Radhäusern, unter denen 245er Reifen auf schmucken 17-Zoll-Alus walzen. Auch wirkt er deutlich größer als er tatsächlich ist. Mit einer Länge von 4,75 Metern ist er einen Zentimeter kürzer als ein VW Passat. Dieser - zugegeben seltsame - Vergleich gilt all jenen, die Geländewagen grundsätzlich als Parkraumvernichter verteufeln und privat einen, sagen wir mal, Passat fahren.
Der Innenraum: Sehr aufgeräumt präsentiert sich das mächtige Armaturenbrett, sagt dem Fahrer: Ja, Du fährst einen echten Jeep. Dazu gehört leider auch, dass die Kunststoffe nicht sonderlich hochwertig wirken. Zwar ist beispielsweise die Hutze über dem ergonomisch perfekt, also weit oben platzierten Navi-Bildschirm mit Leder bezogen. Sonst wurde allerdings viel hartes Plastik verbaut.
Laden und Ziehen
Überzeugend sind Raumangebot und Sitze. Vorne wie hinten lässt es sich entspannt in üppigen Sesseln flegeln. Praktisch: Neben dem Lenkrad lassen sich auch die Pedale verstellen, womit Fahrer jeder Statur die passende Sitzposition finden. Etwas eingeschränkt sind die Transportfähigkeiten des Grand Cherokee. Die Volumina von regulärem Kofferraum (480 Liter bis Fensterkante) und maximalem Stauraum bei umgeklappter Rückbank (1.990 Liter) lesen sich zwar gut. Doch der Laderaum ist recht niedrig ausgefallen. Sperriges Gepäck wird so zum Problem.
Zuladung (588 Kilogramm) und Anhängelast (bis zu 3.360 Kilo) sind sehr gut. Ausgezeichnet eignet sich der Cherokee 3.0 CRD als Zugpferd. Der von Mercedes stammende 3,0-Liter-V6-Turbodiesel hat ordentlich Power. 218 PS leistet das Aggregat und stellt bereits bei sehr niedrigen 1.600 Touren sein maximales Drehmoment von beeindruckenden 510 Newtonmetern bereit. Nicht ganz so gut gekapselt wie in den diversen Mercedes-Modellen, klingt der Common-Rail-Diesel im Jeep ein bisschen nach Truck - was übrigens sehr gut zum Cherokee passt.
Komfortabel Cruisen
Der Sprint auf Tempo 100 dauert nur neun Sekunden. Spitze läuft er 200 km/h. Doch Vollgas-Arien sind das letzte, wozu einen der komfortable Cruiser animiert. Besser so, denn unter anhaltender Last entwickelt sich der ansonsten sparsame Motor zum Säufer. Aus durchschnittlich elf Liter pro 100 Kilometer werden so schon mal 20 Liter. Überraschend viel Spaß macht der Ritt über die Landstraße, die gerne auch etwas kurviger sein darf. Für einen 2,2-Tonner fährt er sich geradezu agil. Die super soft arbeitende Fünfgang-Automatik hält stets den passenden Gang bereit - und stellt für schnelle Zwischensprints auch eine Kickdown-Funktion bereit.
Ab 41.900 Euro ist der Grand Cherokee 3.0 CRD erhältlich. In der empfehlenswerten weil beinahe voll ausgestatteten Limited-Version kostet er 45.990 Euro inklusive unter anderem Ledersitze, HiFi-Anlage, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Leichtmetallräder, Einparkhilfe und elektrisch verstellbaren Vordersitzen. Im Kaufpreis inbegriffen sind auch vier Jahre lang kostenlose Wartung, Inspektion und Reparatur. Extra bezahlt werden muss nur der Partikelfilter, der für rund 850 Euro vom Händler nachgerüstet wird.
Fazit
Warum einen Geländewagen fahren, wenn man damit nie ins Gelände fährt? Der Jeep Grand Cherokee gibt die Antwort: Weil man einfach sehr cool unterwegs ist. Cool nicht im Sinne von dicker Hose, sondern eben ganz entspannt. Hektik? Ein Fremdwort. Rasen? Sollen die anderen doch. Nicht einmal an der Tankstelle wird es unangenehm: Der Test-Schnitt von 11 Liter geht angesichts dieser Masse Auto voll in Ordnung.
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