Kia Sorento Spirit 1.6 T-GDI Hybrid AWD im Test: Koreaner mit großem Auftritt

Der Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid im Überblick
Stärken
- - Gute Serienausstattung
- - Viel Platz
- - Gute Verarbeitung
Schwächen
- - Schwacher Hybrid-Antrieb
- - Umständliche Bedienung
- - Qualität Assistenzsysteme
Kia Sorento mit opulentem Auftritt
Mensch, bist du groß geworden! Der neue Kia Sorento fällt anderen Verkehrsteilnehmern (und den Nachbarn in der Tiefgarage) vordergründig durch seine schiere Opulenz auf. In der Länge misst der Koreaner satte 4,81 Meter, was ihn zumindest in dieser Disziplin mehr in Richtung Ober- statt in die Mittelklasse schiebt. Auch beim Preis treten die Koreaner mittlerweile selbstbewusster auf als noch vor ein paar Jahren. Für den Basisdiesel mit Frontantrieb werden immerhin mindestens 42.490 Euro verlangt.
Beim Preis fair, aber nicht günstig
Soll es dann noch der von uns gefahrene Sorento Spirit 1.6 T-GDI Hybrid AWD AT sein, erhöht sich der Einstandspreis auf 52.290 Euro (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 6,2 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 141 g/km²). Für diese Summe fährt das Kia-SUV allerdings mit reichlich Ausstattung vom Hof des Händlers, viele Extrakreuze müssen nicht gesetzt werden. Unter anderem ist eine ganze Armada an Assistenzsystemen enthalten, die dem Fahrer oder der Fahrerin mal mehr, mal weniger das Leben erleichtern. Ein Highlight ist dabei sicherlich der aktive Totwinkelassistent mit Liveansicht im Kombiinstrument.
Warntöne die dein Punktekonto schützen
Der Spurhalteassistent reagiert dagegen deutlich zu energisch, folgt gerne alten Straßenmarkierungen und greift bei jedem Fahrzeugneustart wieder ins Geschehen ein. Dass fernöstliche Autos zudem allerhand Warntöne abspielen, sollte bekannt sein. Bis man allerdings versteht, dass einen der Kia Sorento mit zahlreichen Akustikmeldungen vor dem nächsten stationären Blitzer warnen will, dauert es eine Weile. Weiterhin nach dem Zufallsprinzip arbeiten Schildererkennung und Spracheingabe.
Umständliche Bedienung
Was uns zum UVO-Bediensystem führt. Funktioniert die mündliche Eingabe einer Zieladresse noch erstaunlich fix, steigt die Spracherkennung bei unserem Testwagen anschließend aus. Die Routenführung zu beenden, ist dann nur noch händisch über den 10,25 Zoll großen Touchscreen möglich. Zwar lässt sich der Startbildschirm individuell konfigurieren, es mangelt aber deutlich an Bedienqualität. Ein haptisches Feedback auf Eingaben ist nicht vorhanden, und das Erreichen der Tasten sowie des Drehreglers an der rechten Bildschirmseite (z. B. für den Zoom der Navigationskarte) ist vom Fahrersitz aus kaum möglich.
Doppelherz mit wenig Drehmoment
Das digitale Kombiinstrument im 12,3-Zoll-Format informiert hingegen in aller Klarheit über das Fahrgeschehen und lässt sich individuell anpassen. Schade: Ein Drehzahlmesser wird nicht einmal im Sport-Modus präsentiert. Doch zum Rasen, so viel ist schnell klar, ist der Kia Sorento Vollhybrid nicht gedacht. Das Antriebskonzept besteht zunächst aus einem 132 kW/180 PS starken 1.6 T-GDI-Vierzylinder sowie einer 44 kW/60 PS starken E-Maschine. Beide Motoren addiert ergeben laut Kia eine Systemleistung von 169 kW/230 PS sowie ein Drehmoment von eher mageren 350 Newtonmetern, wobei der Benziner alleine nur 265 Newtonmeter stemmt.
Sorento Hybrid schafft auch rein elektrische Distanzen
Für Stadt- und Überlandfahrten ist der gut 1.900 Kilogramm schwere sowie vergleichsweise straff gefederte Sorento damit noch gut gewappnet. Kürzere Distanzen bis zu 30 km/h schafft er dabei sogar rein elektrisch. Auf schnelleren Autobahnetappen tut sich die 1,5 kWh kleine Lithium-Polymer-Batterie aber schwer, der E-Maschine ausreichend Strom zur Verfügung zu stellen. Ohne elektrische Unterstützung (der Sorento startet überwiegend im elektrischen EV-Modus) wirkt der Benziner zunehmend angestrengt, wobei auch manuelle Schalteinlagen über das 6-Gang-Automatikgetriebe daran nichts ändern. Eine ausgeprägte Gedenksekunde beim Anfahren erschwert zudem knappere Kreuzungsmanöver. Somit heißt es: Tempo runter und den Kia Sorento Hybrid als das sehen, was er ist. Ein Familienauto mit viel Platz.
Viel Platz und Komfort
Denn abseits von reichlich Gepäck (lt. Kia 697 bis 2.085 Liter Stauvolumen) lassen sich im Koreaner wahlweise bis zu sieben Personen transportieren. Anhand unseres fünfsitzigen Testwagens können wir zumindest für die erste und zweite Reihe eine üppige Bewegungsfreiheit attestieren. Für zusätzlichen Komfort sorgen in den Türtafeln platzierte Cupholder, optionale Sonnenschutzrollos und USB-Ladeanschlüsse in den Vordersitzen. Die Inneneinrichtung wirkt insgesamt wertig gearbeitet, nichts klappert, viele Kunststoffflächen sind hinterschäumt. Anhänger können beim Sorento Hybrid übrigens mit maximal 1.650 Kilogramm an den Haken genommen werden.
Testverbrauch 7,5 Liter auf 100 Kilometer
Was gibt es sonst über den Kia Sorento 1.6 T-GDI Hybrid AWD AT zu wissen? Dass er womöglich auch abseits befestigter Wege eine gute Figur macht. Angelehnt an das Terrain Response System von Land Rover, lässt sich mit dem Fahrmodusschalter in der Mittelkonsole eines von drei Offroad-Programmen (Mud, Snow, Sand) auswählen. Mittels reduziertem Motordrehmoment und Bremseingriffen über die Traktionskontrolle stellt sich der Terrain-Mode auf die Untergrundbeschaffenheit ein und unterstützt den Fahrer so im Gelände. Beim Thema Spritverbrauch erzielten wir indes einen akzeptablen Wert um 7,5 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer.
Fazit
Der neue Kia Sorento ist ein ziemlich erwachsenes SUV geworden. Platz für Mensch und Gepäck ist reichlich vorhanden, Verarbeitung und Serienausstattung können insbesondere in den höheren Ausstattungslinien überzeugen. Auf der Soll-Seite stehen hingegen die umständliche Bedienung, die durchwachsene Qualität der Assistenten und ein müder Vollhybrid-Antrieb, der zumindest hierzulande keine Alternative zum kräftigen Diesel darstellt. (Bild und Text: Thomas Vogelhuber)
Technische Daten*
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