Kurztest: Kia Sorento 2.2 CRDi AWD – Ja, aber

Bei Kias kürzlich umfangreich renoviertem SUV Sorento folgt auf das Lob häufig jedoch auch ein Aber...Der Sorento ist groß,
aber wirklich üppig ist das Platzangebot nicht. Mit 4,70 Meter Länge hat der Sorento Mittelklasse-Maße, doch fühlt man sich vor allem als Großgewachsener eingeengt. Das liegt zum einen an dem in unserem Testwagen verbauten Panoramaschiebedach, das die Dachhöhe für die Insassen ein gutes Stück absenkt. Zum anderen sind die vorderen Sitze ziemlich hoch angebracht; große Fahrer würden das in der höchsten Ausstattungslinie Spirit elektrisch betriebene Gestühl gerne weiter absenken als es möglich ist.
Zusammen mit dem nicht besonders weit verstellbaren Lenkrad und den nicht weit genug ausziehbaren Kopfstützen ergibt sich für Große eine auf Dauer unangenehmen Sitzposition. Schade, denn an sich sind die Sitze durchaus langstreckentauglich und angenehm gepolstert. Vorne ist außer in der Basis außerdem eine Sitzheizung Serie, hinten gibt es sie gegen Aufpreis. Sogar eine dritte Sitzreihe ist gegen Extra-Geld erhältlich, doch bietet man die Plätze im Fond besser nur ganz kleinen Gästen an.
Der Sorento hat einen starken Motor,
aber so richtig aus den Puschen kommt er nicht. Unser Test-Sorento wurde vom stärkeren der beiden verfügbaren Diesel angetrieben, einem 2,2 Liter großen Vierzylinder, der 197 PS entwickelt und bei 1.800 Umdrehungen 437 Newtonmeter Drehmoment bereitstellt. Das klingt erst mal nach reichlich Kraft, doch stehen der Leistung immerhin knapp zwei Tonnen Leergewicht gegenüber, die bewegt werden wollen. Und sowohl der optionale Allradantrieb als auch die Sechsgang-Automatik rauben dem Sorento ein wenig den Schwung.
Zwar schafft der Kia den Sprint auf Tempo 100 bei Idealbedingungen gerade noch so in unter zehn Sekunden, doch wirkt das Schwergewicht etwas behäbig und man hat nicht den Eindruck, dass ihm solche Sprintetappen große Freude bereiten. Da spricht auch der angestrengte Klang dagegen. Und an Elastizität mangelt es dem Motor: Ab Tempo 140 nehmen die Windgeräusche zwar stark, die Geschwindigkeit aber nur noch zäh zu. Zum Vergleich: Der nur sieben PS stärkere Mercedes-Benz ML 250 BlueTec hakt den Standardsprint eine Sekunden schneller ab und läuft mit maximal 210 km/h ganze 20 Sachen mehr als der Kia. Mit 9,7 Litern Testverbrauch übertraf der Kia seine Werksangabe außerdem um mehr als drei Liter - bei moderater Fahrt.
Der Sorento ist praktisch,
aber in Sachen Variabilität bieten andere mehr. 893 Liter schluckt der Kofferraum des Sorentos, das ist ordentlich. Und klappt man die Rücksitze um, gehen bis zu 1.675 Liter rein; auch das Fach unter dem doppelten Boden erweist sich als sehr nützlich. Doch wer praktische Verzurrösen, Taschenhaken oder Cargo-Elemente sucht, wird enttäuscht. Zudem gibt es nur eine recht windige Gepäckraumabdeckung und die Heckklappe öffnet und schließt selbst gegen Aufpreis nicht elektrisch. Und auch hier wieder das Problem der großen Leute: Sie stoßen sich bei geöffnetem Kofferraum gerne den Kopf, denn besonders weit schwingt die Klappe nicht nach oben.
Ohne wenn und aber
Freilich gibt es auch viele Punkte, an denen es nichts zu mäkeln gibt. Zum Beispiel am Fahrwerk. Der Kia ist bewusst komfortabel abgestimmt und das passt hervorragend zu dem SUV. So steht die Feder-Dämpfer-Justierung zwar einer ausgesprochen dynamischen Gangart im Weg, doch werden ohnehin nur die wenigsten versuchen, das Schwergewicht zackig ums Eck zu wuchten. Cruisen ist im Sorento angesagt, und dafür eignet sich der Koreaner hervorragend. Insofern ist auch die adaptive Lenkung eher überflüssig, bei der der Fahrer die Lenkkraftunterstützung in drei Stufen verstellen kann. Ist die Lieblingseinstellung einmal gefunden, wird wohl keiner mehr auf die Taste am Lenkrad drücken.
Auch die Materialauswahl und -verarbeitung bieten kaum Anlass zur Kritik, sieht man von der ein oder anderen schlecht entgrateten Stelle ab. Viel weicher Kunststoff, akkurate Fugen und Kanten und angenehm anzufassende Oberflächen schmeicheln Händen und Augen. Ebenso punktet der Sorento mit einfacher Bedienung und einem ordentlichen, optionalem Navi. Schade nur, dass die Navi-Ansagen lediglich temporär ausgeschaltet werden können; beim nächsten Start quäkt einem Karin wieder entgegen. Und: Wer eine Funktion nicht auf Anhieb findet, muss sich durch eine gut fünf Zentimeter dicke Anleitung wühlen, die ähnlich unübersichtlich ist, wie der Sorento selbst. Parkpiepser oder die Rückfahrkamera sind also Pflicht, wobei letztere leider nicht von einer Klappe geschützt wird und bei schlechtem Wetter nur noch ein ziemlich dürftiges Bild liefert. Der Kia Sorento ist ein solides, gutes Auto, aber: Den ein oder anderen Abstrich muss man als Käufer machen und genau das sind die Unterschiede zur deutschen Konkurrenz. Wer ein großes SUV mit ordentlichem Dieselmotor, einigermaßen guten Platzangebot und guter Qualität sucht, wird beim Sorento dann fündig, wenn es ihm auf den letzten Feinschliff nicht unbedingt ankommt.
Allerdings bieten die Koreaner längst keine billigen Autos mehr an. Für den 2.2 CRDi mit Automatik und Allrad verlangt Kia mindestens 43.540 Euro, mit noch ein paar Extras nähert man sich der 50.000er-Marke, - immerhin sieben Jahre Garantie inklusive. Einen etwas kleineren Mercedes-Benz GLK mit 204 Diesel-PS gibt‘s ab 46.000 Euro, die größere M-Klasse ab 55.000 Euro. Das ist zwar eine ordentliche Stange mehr Geld und mit vergleichabrer Ausstattung kommt nochmal ein wenig mehr dazu, dafür gibt es aber auch das Auto mit den feineren Details - und mehr Image.
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