Mercedes GLC 400 im Test: Technologie-Offensive gegen BMW

Der Mercedes-Benz GLC 400 4MATC mit EQ Technologie auf einen Blick
Was uns gefällt
Der Riesenbildschirm - nur Kino ist schöner.
Was wir vermissen
Den komplett beleuchteten Stern, ist in Europa nicht erlaubt.
Ideal wenn …
… man ein Elektroauto auch für die Langstrecke sucht.
Die Alternativen
BMW iX3, Porsche Macan/Cayenne electric, Audi Q6 e-tron
Stärken
- Sehr gute (Luft-)Federung
- Präzises Handling
- Viel Platz und Komfort
Schwächen
- Teuer in der Anschaffung
- Übertriebene Front-Optik
- KI noch nicht sattelfest
Schwäbisch-bayerisches Fernduell
Sie sind die ewigen Rivalen: Mercedes-Benz auf der einen (schwäbischen) Seite, BMW auf der anderen (bayerischen) Seite. Und sie liefern sich heuer ein spannendes Fernduell. Beide haben ihre wichtigsten Fahrzeuge auf eine neue Architektur gestellt und sie erstmalig konsequent als Elektroautos entwickelt. Als erster Vertreter der Neuen Klasse schickte BMW den iX3 ins Rennen.
Jetzt kontert Mercedes mit dem neuen elektrischen GLC. Nach der Sitzprobe im Herbst konnten wir den Bestseller der Schwaben endlich fahren und auch ein paar Rückschlüsse auf die ebenso wichtige elektrische C-Klasse ziehen. Sie feiert noch im April ihre Premiere und tritt gegen den neuen Elektro-Dreier von BMW an – zum nächsten Duell.
Bildergalerie: Mercedes-Benz GLC 400 4Matic

Der neue Kühlergrill des Mercedes GLC Elektro - protzig oder doch cool?
Was für BMW die Niere ist, das ist für Mercedes der Kühlergrill mit dem Stern. Eigentlich unnötig bei einem E-Auto. Trotzdem wollten die Stuttgarter ihr unverwechselbares Marken-Gesicht beibehalten. Die nun mit 942 LEDs bestückte Fläche in Kühlerform wird von einem Lichtrahmen eingefasst. Auch der mächtige Stern in der Mitte darf leuchten, nur der Kreis nicht. Der Kühler, der kein Kühler ist, hat schon fast eine protzige Präsenz, und dürfte bei so manchen Mercedes-Fans für Diskussionsbedarf sorgen.
Ob die Debatten ähnlich kontrovers ausfallen wie bei der XXL-Niere von BMW, bleibt abzuwarten. Ansonsten ist der optische Auftritt des elektrischen GLC, der um 13 Zentimeter länger ist als der parallel weiterlaufende Verbrenner, ziemlich gelungen. Die Front- und Heckleuchten in Sternenform sind ein echter Hingucker. So wie der leuchtende Kühlergrill in der Nacht. Der GLC ist übrigens das erste Modell mit dem neuen Marken-Gesicht – die neue C-Klasse könnte die zweite Baureihe sein.
Alles ohne Tier gibt es hier
Wie schon bei unserer ersten Sitzprobe festgestellt: Dank eines um 8,4 Zentimeter gewachsenen Radstands auf jetzt 2,97 Meter sitzt man vorn wie hinten fürstlich. Auch der Kofferraum kann sich mit 510 bis 1740 Litern sehen lassen. So wie das Interieur: Ob eloxiertes Metall, Jacht-Holz-Optik oder gesteppte Nähte im Nappa-Leder – hier gibt es keinen Zweifel: Fühlt sich alles wie ein Mercedes-Benz – zumindest im voll ausgestatteten Testwagen. Alles ohne Tier, auch das gibt es hier. Denn zusammen mit der „Vegan Society“ hat Daimler ein entsprechendes Interieur entwickelt. Natürlich gegen Aufpreis.
Mega-Bildschirm zündet sogar das Lagerfeuer an
Der optische Hammer – man kann es einfach nicht anders sagen – ist der Mega-Bildschirm, der sich über das gesamte Armaturenbrett und damit über knapp einen Meter erstreckt. Es ist der größte einteilige Monitor, der je in einen Mercedes eingebaut wurde. Über 1000 LEDs liefern ein gestochen scharfes Bild, die Grafik steuert die Gaming-Engine von Unity bei. Als Bildschirmhintergrund lassen sich diverse Vorlagen verwenden. Vom mystischen Nebel-Gebirge bis zur megablauen Surfwelle mit weißer Gischt.
Noch opulenter wird es, wenn man sich von den verschiedenen Modes berieseln lässt. Dann schaffen Projektionen sowie Licht- und Soundeffekte perfekte Illusionen: Mitten im Mercedes prasselt ein Lagerfeuer oder man schaut in ein riesiges Aquarium mit bunten, blubbernden Fischen. Integriert in diese Bildschirmlandschaft sind das Kombiinstrument hinter dem Lenkrad, der große Infotainment-Touch-Screen und ein Bildschirm für den Beifahrer. Die Bedienung klappt über das logisch aufgebaute Menü auf Anhieb – und auch megaschnell. Kein Wunder, der Supercomputer im Hintergrund bewältigt ja bis zu 254 Billionen Rechenoperationen in der Sekunde. Inmitten dieser digitalen Welt entdecken wir zwei analoge Relikte, die schon mal ausrangiert waren. Wippe und Walze kehren auf das Lenkrad zurück für die Bedienung der Distronic und der Lautstärke.
Die KI redet mit - das kann unterhaltsam sein
Wer weder wippen noch touchen will, dem bietet MBUX die neue Sprachsteuerung an. Gepowert wird sie von mehreren KI-Agenten: ChatGPT, Google Gemini und Microsoft Bing. Bei unseren Probefahrten haben wir sie ausgiebig getestet. Das Ergebnis fällt durchwachsen aus. Gut ist, dass die Sprachsteuerung tief in das Auto integriert ist. Bitten wie „aktueller Verbrauch“ oder „Gebläse sanfter einstellen“ werden prompt erledigt. Etwas schwieriger wird es bei der Dialogfähigkeit, die Mercedes verspricht.
Einmal konnten wir uns einwandfrei unterhalten mit der KI. „Spiel mir Metallica! Erzähl mir die Bandgeschichte. Wie hieß der Gitarrist, der ganz am Anfang hinausgeworfen wurde? Welche Band hat er gegründet? Spiel mir ein Lied von seiner Band Megadeth.“ Das alles haben die Agenten ohne Fehl und Tadel umgesetzt – und es war in der Tat ein schöner Zeitvertreib. Ein anderes Mal scheiterte das System schon an einfachen Fragen oder gab nichtssagende Antworten, die mit Adjektiven wie „fantastisch“ oder „faszinierend“ das Nichtwissen kaschierten.
Kompromisslos entwickelt, aber auch kompromisslos gut?
Von der virtuellen wieder zurück in die reale Welt – kommen wir zum Fahren. Wir hatten für unseren ersten Test den GLC 400 4matic zur Verfügung. Das ist auch die einzige Motorisierung zum Marktstart. Schwächere Varianten mit einem Heckmotor und stärkere AMG-Modelle folgen. Mit zwei E-Maschinen und einer Leistung von 360 kW/490 PS und 800 Nm Drehmoment ist das SUV schon auf dem Papier kein Kind von Traurigkeit.
Umgesetzt wird die Kraft von einem effizienten Zwei-Gang-Getriebe. In 4,3 Sekunden geht es von 0 auf 100. Aber fühlt sich das auch so an? Schon bei den ersten Testrunden merkt man: Für die Entwickler war die neue Elektro-Plattform ein technologischer Befreiungsschlag, weil sie keine Kompromisse für einen parallelen Verbrenner-Antrieb eingehen mussten. Und so fährt sich das Auto auch. Kompromisslos gut. Und vor allen Dingen leicht. Keine einzige Sekunde haben wir an die 2,5 Tonnen Gewicht gedacht, die der GLC mit sich herumschleppt.
Rekuperieren statt Bremsen: der neue Fahrspaß
Das Fahrzeug reagiert schon auf die kleinste Lenkbewegung und zirkelt präzise durch die Kurven, selten mit einem leichten Hang zum Untersteuern im Grenzbereich. Ansonsten pappt das Auto auf der Straße wie ein Sportwagen. Geholfen haben sicher auch die Performance-Reifen, die Mercedes vorsichtshalber aufgezogen hat. Wir testen die Rekuperation: Im Normalbetrieb will Mercedes ja 99 Prozent aller Bremsvorgänge mit bis zu 300 kW von den E-Maschinen erledigen lassen.
Wir swingen durch die Kurven mit der höchsten Stufe – und stellen fest, dass damit ein weiterer Spaßfaktor ins Auto kommt. Rekuperieren statt anbremsen lautet die Devise. Das erfordert zwar etwas mehr Vorausschau, aber funktioniert genauso gut. Auch das Fahrwerk macht seine Sache gut. Kein Wanken, kein Nicken. Natürlich hat Mercedes unserem Testwagen eine Luftfederung spendiert. Von sanftem Schaukeln bis zum strammen Asphalt-Marsch beherrscht das System die ganze Bandbreite.
Mit diesem Verbrauch sind 700 Kilometer beim GLC 400 EQ nicht drin
„Achtung Schlagloch!“ Kurz vor Fahrtende spricht das System unaufgefordert mit uns. Gerade rechtzeitig, denn kurz darauf tut sich wirklich der Asphalt auf. Auch das ist neu. Über die Cloud tauschen die Daimlers nämlich neuerdings wichtige Straßeninformationen aus. Das ist noch ausbaufähig. Die flotten Testrunden durchs Gebirge machen sich auch im Verbrauch bemerkbar.
Mit den prognostizierten 14,9 kWh sind wir nicht hingekommen. Wir lagen knapp unter 20 kWh. Damit sind Reichweiten über 700 Kilometer natürlich nicht drin. Aber das ist beim GLC auch kein Problem. Denn aufgeladen wird der 94-kWh große Akku (netto) mit bis zu 330 kW. Das wären im Idealfall bis zu 300 Kilometer in zehn Minuten.
Erstes Fazit
Mit dem elektrischen GLC ist Mercedes etwas gelungen, was wir bislang nicht für möglich gehalten hätten. Wir haben auf der ganzen Fahrt tatsächlich keinen Verbrenner vermisst. Der Elektro-GLC lässt sich leicht und mühelos bewegen, bietet viel Platz und Komfort – und rangiert mit dem Riesen-Bildschirm eigentlich schon eine Klasse höher. Das hat seinen Preis. Los geht es im Augenblick bei 71.281 Euro. Und da kommt noch einiges dazu. Der Hyperscreen beispielsweise kostet zusammen mit dem Premium-Plus-Paket nebst Digital Light und 3-D-Sound schon 11.305 Euro. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)
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