Mercedes S-Klasse Facelift (2026): Viele Sterne, wenig Revolution

Zum Erfolg verdammt: Die neue S-Klasse von Mercedes-Benz will die Kunden zurückerobern. Mit einem neuen Motorenprogramm und allerhand Schnickschnack wie etwa einem leuchtenden Kühlergrill und beheizbaren Sicherheitsgurten. Ein neuer Star oder nur ein Sternchen? Wir waren bei der Premiere.

Die neue Mercedes S-Klasse auf einen Blick


Was uns gefällt

Die Motorenpalette mit dem starken V8.

Was wir vermissen

Dass der Stern auch in Europa leuchten darf.

Ideal wenn …

… man kein Preis-Limit hat bei der Dienstwagenbestellung.

Die Alternativen

7er BMW, Audi A8, Lexus LS, Maextro S800 (China).


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Stars und Sternchen bei der Premiere

„Weißt Du, wieviel Sternlein stehen?“ Diese Liedzeile reichen wir gerne an Mercedes-Benz weiter, weil wir mit dem Zählen gar nicht mehr nachgekommen sind bei der neuen S-Klasse. Vorne die vier sternenförmigen Scheinwerfer, der Kühlergrill übersät mit Sternen, und am Heck glänzen nochmal sechs rote Sterne als Rück- und Bremsleuchten. Das ist auf jeder Seite einer mehr als bei der aktuellen E-Klasse. Abstand muss sein. Auch im Innenraum funkelt der ein oder Himmelskörper. Und dann wäre da ja noch der Stern auf der Motorhaube, der jetzt erstmalig auch leuchtet. Sieht cool aus. Allerdings nur in den USA oder China. Denn hierzulande ist so etwas wieder einmal verboten.

Viele Stars und Sternchen versammelten sich auch bei der Premiere der neuen S-Klasse im Stuttgarter Mercedes-Museum. Daimler-Altstars wie Ex-Boss Dieter Zetsche oder der ehemalige Technikchef Thomas Weber waren bei der Taufe des neuen Babys dabei, genauso wie der Tennis-Cracks Roger Federer und der britische Superstar Sam Smith. Sein James-Bond-Hit „Writings on the Wall“ (Spectre) war der Schlusspunkt einer glamourösen Show, die Vorstandschef Ola Kälenius moderierte und gleich die Messlatte hochlegte: „Nur wenige Fahrzeuge haben die Automobilindustrie so nachhaltig geprägt wie die Mercedes-Benz S-Klasse. Sie setzt die Maßstäbe für Sicherheit, Komfort und Ingenieurskunst und steht wie kaum ein anderes Modell für Fortschritt und Innovation.“

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Größtes Facelift aller Zeiten: Jedes zweite Teil neu

Wie viele von diesen Superlativen stecken davon wirklich in der neuen S-Klasse? Wir konnten das Stuttgarter Flaggschiff bereits bei einem Vorab-Termin begutachten. Mehr als die Hälfte der rund 5.000 Komponenten wurden neu gemacht oder aktualisiert. So viel wie noch nie bei einem Facelift. Mercedes will zurück auf die Erfolgsspur. Mit aller Macht, viel Technologie, Technik und Luxus. Noch am wenigsten getan hat sich beim Exterieur – mal abgesehen von dem um 20 Prozent größeren, jetzt auch beleuchteten Kühlergrill, und den markanten Lichtsignaturen.

Das Cockpit hingegen ist völlig neu. Die S-Klasse bekommt erstmalig den Superscreen, der sich über die ganze Breite des Armaturenbretts streckt und aus drei einzelnen Bildschirmen besteht. Der noch spektakulärere rahmenlose Hyperscreen, den man im neuen elektrischen GLC bestaunen kann, hat es nicht ins Flaggschiff geschafft. Schade. Dafür gibt es erstmalig beheizbare Sicherheitsgurte. Mit bis zu 40 Grad wärmen sie den Oberkörper. Ein echter "SicherHeizgurt", hat so mancher auf der Premiere gekalauert. Wie sich das anfühlt, haben wir bei einer exklusiven Mitfahrt im eisigen Schwaben-Ländle selbst getestet. Irgendwie komisch, so wie mit Wärmflasche, wenn man krank im Bett liegt. Aber vermutlich gewöhnt man sich daran und möchte den Heizgurt nicht mehr missen. So wie die Lenkradheizung.

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Reisen wie ein Chef: Fernbedienung, Kühlfach und Massagen

Wie bei einer S-Klasse üblich sind die Materialien im Interieur fein und fühlen sich gut an. Yachtholz, Leder, Chrom, Alu – das ganze Programm. Aber das genügt nur der Hälfte der Kunden. Denn jeder Zweite veredelt seine S-Klasse noch. In der Spezial-Manufaktur von Mercedes gibt es dazu jede Menge Accessoires und Möglichkeiten, vor allem beim Leder. Ob Farben, Nähte oder persönliche Prägungen – über 400 verschiedene Individualisierungs-Optionen werden geboten. Und wer viel Geld auf den Tisch legt, kann sogar eigene Design-Sessions mit den Spezialisten buchen.

Normalerweise ist die S-Klasse hinten mit einer Rücksitzbank ausgerüstet. Aber es gibt auch die Chef-Option mit einem First-Class Fond. Zwei komfortable Sessel, die aus dem Mercedes eine Lounge machen. Entweder zum Arbeiten oder zum Relaxen. Dann gibt es in der Mitte der beiden Sitze eine durchgehende Konsole mit Ablagen, Ladeschalen und sogar einem Kühlfach für Getränke. Jeder der Fond-Passagiere hat einen eigenen 33,3 Zoll großen Bildschirm mit Fernbedienung. Die Sessel lassen sich bis zu 37 Grad neigen. Wer relaxen will, legt die Beine auf die ausfahrbare Fußstütze und lässt sich massieren.

Dazu vielleicht ein wenig Musik mit dem Sound-System Atmos von Dolby. Mit bis zu 1.750 Watt bläst die Burmester-Anlage aus 31 Lautsprechern, dazu kommen Körperschallwandler für alle Sitze – die vierte Klangdimension. „Die neue S-Klasse ist Konzertsaal, Wohnzimmer und Konferenzraum in einem“, sagte Vertriebsvorstand Mathias Geisen. Deshalb sind alle Plätze mit HD-Kameras und Mikrofonen ausgerüstet für Live-Konferenzen aller Art via Teams, Zoom oder Webex.

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Felgenschutzassistent macht das Parken billiger

Gesteuert wird das alles von einem Supercomputer mit Nvidia-Hochleistungs-Chips. Der wassergekühlte Rechner ist mit dem neuen Mercedes-Betriebssystem MB.OS ausgestattet und kombiniert gleich mehrere KI-Assistenten wie ChatGPT, Google Gemini und Microsoft Bing. Die Leistung liegt bei bis zu 254 Billionen Rechenoperationen in der Sekunde. Das ist auch bitter nötig, denn der Computer steuert auch die vielen Assistenten. Serienmäßig ist der MB.Drive Assist an Bord, also Hilfe bei Abstand, Geschwindigkeit, Lenkung und Spurwechsel. An Stopp-Schildern und roten Ampeln bremst die S-Klasse selbstständig. Und noch eine Funktion wird demnächst dazukommen. Der Felgenschutzassistent, der zusammen mit der der 360-Grad-Kamera das Schlimmste beim Einparken verhindern soll.

Ziemlich viel Arbeit hat der Computer auch mit dem Fahrwerk. Denn die Airmatic kann man optional mit der E-Active Body Control ausstatten. Das intelligente Dämpfersystem verwertet dabei die Erkenntnisse von Kamera- oder Radarsensoren, die die Fahrbahnbeschaffenheit scannen, und stellt sich schon im Voraus darauf ein. Erstmalig werden auch Daten über Schlaglöcher oder Bodenunebenheiten verwendet, die von anderen Fahrzeugen an die Cloud gemeldet wurden. Eine Art schwebender Teppich, der in die Zukunft schauen kann. Das Fahrwerk ist serienmäßig mit einer Hinterachslenkung und einem Einschlagswinkel von 4,5 Grad ausgestattet. Auf Wunsch kann er auch auf 10 Grad erweitert werden.

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Neuer V8-Benziner ersetzt den Zwölfzylinder - leider

Noch ein Wort zu den Motoren. Alle Aggregate wurden überarbeitet und elektrifiziert. Der Star ist der neue V8-Benziner mit 395 kW / 537 PS und 750 Nm Drehmoment. Er ersetzt auch gleichzeitig den Zwölfzylinder. Zumindest in Europa. In den USA oder China wird er weiterlaufen, vor allem im Maybach. Ein kleiner Trost für echte Fan, die über einen großen Geldbeutel verfügen: Wer sich einen gepanzerten S 680 Guard holt, der darf auch hierzulande weiterhin die unbändige Kraft des 450 kW / 612 PS starken V12-Biturbos genießen. Neben dem V8 bietet Mercedes für die S-Klasse sowohl Benziner als auch Diesel mit sechs Zylindern an. Die Leistung reicht von 313 bis 449 PS. Der vorläufige Kraftprotz ist jedoch der S580 e, ein Plug-in-Hybrid mit 430 kW / 585 PS. Ihm zur Seite wird man demnächst auch wieder eine elektrifizierte AMG-Version stellen.

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Erstes Fazit

Auch die neue S-Klasse bleibt sich treu als prestigeträchtiger Luxusliner für die Vorstandetage. Revolutionär neue Technik haben wir (bis auf den Heizgurt) jedoch nicht entdeckt. Treu geblieben sind sich die Daimlers auch beim Preis. Die S-Klasse startet sechsstellig mit einem Preis von 121.356 Euro für den S 350 d 4Matic. Die Erwartungen an das Facelift jedenfalls sind hoch. Um Herausforderungen wie die hohen US-Zölle oder die technologische Aufholjagd der Chinesen zu bewältigen, da braucht Mercedes jetzt tatsächlich einen echten Star. Sonst steht die Zukunft in den Sternen. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)

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Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

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