Grenzbereich: Nissan Pathfinder – Vom Pfadfinder zum Pionier

„Auf vielen Straßen dieser Welt....", beginnt die erste Strophe eines beliebten Pfadfinder-Liedes. Straßen? Richtig lustig wird es für Pfadfinder doch erst abseits der bekannten Wege, auf unerforschten Wegen, im Unterholz, im Grunde überall da, wo man auch schmutzig werden kann.

Darum haben wir den Nissan Pathfinder ins Gelände geschickt Dass sich der neueste Nissan-Geländewagen dank Einzelradaufhängung (Vorder- und Hinterachse) auf der Straße überaus manierlich benimmt, ergab bereits ein erster Test vor wenigen Wochen. Doch will der Pathfinder mehr sein als seine SUV-Brüder X-Trail und Murano, also auch im härteren Gelände vorankommen. Und da der Pfadfinder mit 4,74 Metern Länge schon ein großer ist, durfte er sich auf einem Pionierübungsgelände beweisen.

Das Areal zeigt sich geeignet: Buckelige Böschungen, ausgefahrene Wege, Wasserdurchfahrten - und jede Menge Schlamm. Denn das Wetter meinte es ebenfalls gut mit uns: Hochsommer in Deutschland, es schüttet es aus Kübeln.

Theorie...

Die technischen Voraussetzungen des Pathfinder sind gut: Traditionelles Leiterrahmenchassis, druckvoller Turbodiesel, eine Bodenfreiheit von 25 Zentimeter und Allradantrieb mit Untersetzungsgetriebe. Angesichts des aufgeweichten Bodens und der zahlreichen lehmigen Passagen verzichten wir darauf, die ersten drei Antriebsstufen „2WD“ (Hinterradantrieb), „Auto“ (dynamische Verteilung der Antriebskraft auf Vorder- und Hinterachse) und „4HI“ auszuprobieren. Der Drehschalter bleibt auf ganz rechts: „4LO“. So ist zudem die Lamellenkupplung zwischen den Achsen in jedem Fall gesperrt.

...und Praxis

Langsam kriecht der Pathfinder die erste knifflige Steigung hoch, bis an der Kuppe nur noch zwei Räder vollen Bodenkontakt haben: Vorne rechts und hinten links. Weiter sachte Gas, und kurzzeitig steht der Kraxler, denn die beinahe freischwebenden Räder suchen scharrend nach Halt. Nun kommt die Traktionskontrolle per Bremseingriff zu Hilfe - der Pathfinder schiebt weiter hangaufwärts und über die Kuppe. Geschafft.

Bei sehr steilen Auffahrten und ähnlich fieser Gripverteilung ist allerdings Schluss mit Vortrieb. Denn hier wirken sich die Bremseingriffe kontraproduktiv aus. Nur mit echtem Sperrdifferenzial wäre noch mehr möglich. Schleimig-rutschige Wasserdurchfahrten meistert der Pfadfinder dagegen mit Bravour. Stoisch kämpft er sich vorwärts und das mit herkömmlicher Goodyear All-Weather-Bereifung (255/65 R 17).

Mit diesen Szenen im Hinterkopf, beeindruckt die Rückfahrt auf der Autobahn bei Tacho 180 umso mehr. Auf den Lippen, leicht abgeändert, das Lied „Abseits vieler Straßen dieser Welt...“ Und in der Gewissheit, keinen Pfadfinder, sondern einen gestandenen Pionier als Begleiter zu haben.

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