Gebrauchtwagen-Kaufberater: Renault Kangoo – Kasten mit Schwachstellen

Seit 2008 läuft bei Renault die zweite Generation des kastigen Kangoo vom Band. Der praktische Hochdachkombi kann im Alltag mit vielen Kindern, Haustieren oder Handwerker-Utensilien sehr praktisch sein, beim Gebrauchtwagenkauf tun sich aber diverse Fallen auf, die es zu beachten gilt.

Der zweite Kangoo ist mit 4,21 Meter exakt 18 Zentimeter größer als sein Vorgänger und bietet als „Grand Kangoo“ (ab 2012) erstmals auch sieben Sitzplätze. Der Gegenentwurf dazu ist der „Kangoo Bebop“: Ein dreitüriger Viersitzer, der von 2009 bis 2013 vom Band lief. Wer viel Gepäck im Kangoo unterbringen möchte, greift allerdings besser zur fünftürigen Variante, hier passen maximal 2.700 Liter hinein. Dabei helfen auch die einhändig umlegbaren Rücksitze. Alle Varianten, auch die „Rapid“-Nutzfahrzeug-Versionen ohne hintere Seitenfenster, basieren auf der gleichen Architektur wie die deutlich normaleren Schwestermodelle Mégane oder Scenic. 2013 gab es ein Facelift, bei dem die Frontpartie, die Heckleuchten und das Interieur etwas aufgefrischt wurden.

Typisch französisch

Der auf dem Gebrauchtwagenmarkt am häufigsten vertretene Motor ist der 1,5 Liter große Selbstzünder mit 80 kW/109 PS. Das relativ robuste Triebwerk ist kein emotionaler Freudenquell, treibt den Kangoo aber zuverlässig und mit ordentlicher Kraft an. Das Leistungsspektrum reicht von dünnen 50 kW/68 PS bis zu ausreichenden 84 kW/114 PS. Neben den konventionellen Benzin- und Diesel-Motoren gibt es außerdem eine „Z.E.“-Version mit reinelektrischem Antrieb (ab 2011) sowie den „Z.E. H2“ mit Brennstoffzelle. Letzterer schlug allerdings mit einem Basispreis von 53.000 Euro zu Buche und ist daher wohl nur etwas für glühende Anhänger dieses Antriebskonzeptes und dürfte kaum zu finden sein. Wer ein Modell mit Handschaltung kauft, muss sich mit einer etwas unpräzisen Umsetzung anfreunden.

Typisch französisch hat Renault den Kangoo eher kommod abgestimmt, damit Kind und Kegel auch auf schlechten Straßen nicht leiden müssen. Durch den hohen Aufbau neigt der Kangoo etwas zum Schwanken und auch die weiche Federung hilft hier nicht. Allerdings ist der Hochdachkombi kein konzipierter Kurvenräuber sondern ein klassischer Familienbegleiter für jeden Tag. Das macht der Kangoo dann auch mit gutem Komfort.

2008 erreichte der Kangoo im Euro-NCAP-Crashtest ordentliche vier Sterne. ESP gab es erst ab dem Baujahr 2011 in Serie. Wer einen gebrauchten Kangoo sucht, muss nicht nur zwischen den bereits erwähnten verschiedenen Karosserie-Varianten unterscheiden, auch bei den Ausstattungsversionen gibt es viel Auswahl. Neben der Basis „Access“ (ab 2010) gibt es die Modelle „Authentique“, „Expression“, „Privilège“ (bis 2010), „Luxe“ (seit 2010) und das Sondermodell „Happy Family“.  

Genau hinschauen

Karosserie und Innenraum machen einen soliden Eindruck. Weder die Verarbeitung noch die Langlebigkeit des Interieurs können wirklich kritisiert werden. Anders sieht das allerdings bei der technischen Seite des Franzosen aus. Diverse Rückrufe schweben als Damoklesschwert über dem Kangoo: 2008 wegen defekter Gurtaufroller und knackenden Lenksäulen, 2009 wegen der Servolenkung, 2013 wegen der Handbremse, 2014 wegen der Dieselpumpe und 2015 wegen den Bremsleitungen. Außerdem bemängelt der TÜV , die Antriebswellen seien anfällig, Federn und Dämpfer schwach. Besonders beim Licht und beim Verschleiß der Bremsscheiben gibt es viele Mängel. Auch die Abgasuntersuchung stelle laut der Prüforganisation des Öfteren ein Problem dar. Das gleiche Bild ergibt sich bei der Hauptuntersuchung: Bei der zweiten HU hat jeder sechste Kangoo erhebliche Mängel, bei der fünften HU fällt jeder dritte durch. Beim Kauf sollte also mehr auf den einwandfreien technischen Zustand als auf die Ausstattung oder die Optik geachtet werden.

Wer einen robusten Vieltransporter mit geräumigem Innenraum und robusten Motoren sucht, ist beim Renault Kangoo der zweiten Generation an der richtigen Stelle. Allerdings sollte beim Gebrauchtkauf genau auf das Scheckheft und die letzten TÜV-Berichte geschaut werden. Andernfalls kann sich der Franzose als Geldgrab offenbaren. Dafür sind die Einstiegspreise recht niedrig: Ordentliche Exemplare mit vertretbaren Kilometerständen gibt es auf den bekannten Onlineportalen bereits ab 5.000 Euro. (sp-x/mf/jms)

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