Tesla Model S Plaid (2026) im Test: Ein letztes Halleluja

Das Tesla Model S Plaid auf einen Blick
Was wir mögen
Die schiere und unerwartete Beschleunigung.
Was wir vermissen
Eine grüne Außenlackierung, Echtleder und Wurzelholzdekor.
Ideal, wenn …
… man sich nicht für die Politik der anderen interessiert.
Die Alternativen
Lucid Air Sapphire, Porsche Taycan Turbo GT und sicherlich ein paar Chinesen.
Tesla Model S Produktion wird Ende 2026 eingestellt
Das Model S ist für Tesla, der Name könnte ja auch darauf hindeuten, so etwas wie die S-Klasse für Mercedes-Benz: Technologieträger, Vorzeigelimousine und für die Amerikaner gleichzeitig ihr Erstlingswerk. Nach 14 Jahren wird es nun Ende 2026 eingestellt. Wir hatten das Model S Plaid kurz vor der offiziellen Bekanntgabe des Produktionsendes noch einmal im Test.
Während Model 3 und Model Y mittlerweile das Straßenbild dominieren, hat sich die 5,02 Meter lange Elektro-Limousine, die seit 2012 irgendwie den Spagat zwischen Komfort, Größe und Sportlichkeit schaffen will, etwas aus dem Alltag zurückgezogen.
Das mag ebenfalls ein Grund dafür sein, dass Elon Musk nun den Stecker zieht und im kalifornischen Fremont lieber Roboter bauen will. Auch das letzte Facelift im Jahr 2025 hat anscheinend nicht dazu beigetragen, die Verkäufe wieder nachhaltig zu beleben. Dazu scheint das Model S für einen Tesla mittlerweile deutlich zu teuer zu sein - ganz gleich, wie beständig man im Hintergrund darauf geachtet hat, Auftritt und Technik auf dem neuesten Stand zu halten.
Lebenslang kostenlos laden
An der Kaufzurückhaltung ändert wohl auch die Tatsache nichts, dass man sowohl beim 109.990 Euro teuren Basismodell als auch beim von uns getesteten Model S Plaid ab 119.990 Euro „lebenslang“ kostenlos an Tesla-Superchargern laden kann.
Gleichermaßen kann man sich beim Model S Plaid kaum über zu wenig optische Dramatik beschweren. Tief kauert der Fließheck-Stromer vor uns: weit heruntergezogener Spoiler, breit ausgestellte Kotflügel mit 21-Zoll-Felgen, ein stattlicher Diffusoransatz am Heck. "Ultra Red" ist als Farbe ultraschön und sollte einem die 2.600 Euro Aufpreis wert sein. Und dann wäre da noch die kleine Plakette am Heck, die zumindest jedem Kenner zeigt: Das hier ist kein normales Model S!
Das Facelift hat der Limousine auch in anderen Belangen sehr gutgetan: bessere Geräuschdämmung, eine überarbeitete Fahrwerksabstimmung, neue und wertige Materialien im Innenraum, eine gute und satte Verarbeitung und nicht zuletzt eine nochmals gesteigerte Effizienz der Antriebseinheit.
Drei Motoren, null Ausreden
Drei Elektromotoren (einer vorne, zwei hinten) treiben das Model S Plaid an. Das Antriebstrio liefert eine maximale Leistung von bis zu 750 kW / 1.020 und bis zu 1.424 Newtonmeter Drehmoment. Beschleunigung findet nicht statt. Beschleunigung passiert. Und zwar so, dass das Hirn des Fahrers, über die übrigen Insassen wollen wir gar nicht erst reden, nicht so schnell hinterherkommt.
Der Sprint auf 100 km/h dauert weniger als drei Sekunden, und das, obwohl die Amerikaner gemeinhin bei Beschleunigungstests gerne etwas optimierter vorgehen und sich der „One-Foot-Rollout“-Technik bedienen. Ganz gleich, wie viele Hundertstel jetzt mehr oder minder auf dem Zettel stehen: Die Beschleunigung aus dem Stand fühlt sich immer verdammt fix an, weil man erst später versteht, was gerade geschehen ist.
Das dürfte sämtlichen weiteren Verkehrsteilnehmern ebenso gehen. Der Tesla, den du gerade genervt in deinem knallroten Hilti-Passat mit 120 PS von der linken Spur blinken wolltest, ist einfach nicht mehr da und wird optional (durch das 18.435 Euro teure Track-Paket) erst bei Tempo 322 elektronisch eingebremst. Sonst grüßt der Limiter bereits bei 262 km/h.
Bemerkenswert ist nicht nur die rohe Gewalt, sondern die Selbstverständlichkeit, mit der hier mit Geschwindigkeit gespielt wird. Kein Getöse, kein Drama, kein Anlauf. Auch jenseits von 200 km/h schiebt das Model S Plaid unbeirrt weiter, als wäre man gerade erst gestartet.
Auch für die Langstrecke geeignet
Das Facelift zeigt sich beim Fahrwerk spürbar gereift. Unebenheiten werden sauberer gefiltert als früher, Querfugen verlieren etwas von ihrem Schrecken. Bei höheren Geschwindigkeiten bleibt das Auto ruhig und stabil, was natürlich auch dem tiefen Schwerpunkt und der breiten Spur geschuldet ist.
Sportlich bleibt die Abstimmung dennoch. Die Lenkung ist präzise, bleibt aber in der Rückmeldung begrenzt. Wer hier Porsche-Gefühl sucht, sucht am falschen Ort. Apropos Porsche: Der einzige Stuttgarter, der dem Model S Plaid in der Längsbeschleunigung das Wasser reichen kann, ist der 241.100 Euro und damit doppelt so teure Porsche Taycan Turbo GT. So viel zur preislichen Einordnung.
Auf der Autobahn überzeugt das Model S Plaid währenddessen mit hohem Langstreckenkomfort. Bis 130 km/h ist es flüsterleise, darüber nehmen Windgeräusche leicht zu, bleiben aber auf Oberklasse-Niveau. Der Verbrauch liegt im gemischten Betrieb bei rund 26 bis 27 kWh, bei sehr zügiger Fahrt entsprechend darüber. Reichweiten um 460 Kilometer sind zumindest bei winterlichen Randbedingungen mit der netto etwa 95 kWh großen Batterie realistisch.
Der Innenraum des Model S Plaid überrascht
In jeder Hinsicht überrascht hat uns der Innenraum. Die Mischung aus Fahrerdisplay und zentralem Touchscreen gefällt, weil sie mehr nach „Auto“ aussieht und den Fahrer stärker ins Geschehen einbindet. Überzeugt hat uns vor allem die Wertigkeit der verwendeten Materialien und die Verarbeitungsqualität. Diese Begriffe in einem Satz in einem Tesla-Fahrbericht zu lesen, mag den ein oder anderen verwundern. Fakt ist: Mercedes, Audi, BMW und Porsche - schaut hin und kommt runter von eurem hohen Ross! Was Tesla im Model S macht, ist das, was Fahrer von Oberklasseautos weiterhin erwarten.
Alles, was man anfasst ist mit weichem Material bezogen und unterschäumt. Stoffbezüge, Alcantara, Carbon, Metall und "veganes" Kunstleder wechseln sich gekonnt ab. Die Kofferraum-Ladekante ist aus Metall und fühlt sich auch so an. Das zentrale Display ist elektrisch verstellbar und rastet mechanisch ein. Da knarzt nichts, da klappert nichts. Es war uns ein Fest.
Wer eine Spur Extravaganz mag, bestellt für 1.000 Euro das optionale Yoke-Lenkrad - und wer sein Model S Plaid damit häufig in der Stadt bewegt, wird sich vor allem über dessen Nachteile aufregen. Umgreifen, insbesondere beim Einparken oder Abbiegen, wird zur Herausforderung. Machbar, aber nervig. Andererseits: Warum nicht mal machen? Dass die Blinker über Tasten, an egal welchem Lenkrad, bedient werden, ist eine Schwäche, die nicht jedem gefallen wird. Luft für Verbesserungen gibt es auch bei den Assistenten. Der kamerabasierte Autopilot funktioniert bei gutem Wetter nur bis 140 km/h, der Spurhalteassistent nur bis 150 km/h. Häufige Fehlentscheidungen der Systeme während des Tests lassen uns zudem am Selbstfahren festhalten.
Sportlimousine mit gutem Nutzwert
So reiht sich das Model S Plaid zu unserer aller Überraschung in die Reihe jener Autobahnautos ein, die wie gemacht dafür sind, Kilometer zu fressen. Faszinierend schnell, tolle Qualität, perfekte Reiseeigenschaften. Der Platz reicht locker für die Reise zu zweit oder zu dritt. Der Kofferraum bietet mit rund 750 Litern (auch hier wird bei Tesla gerne etwas Zahlenkosmetik betrieben) viel Platz. Erwachsene finden vorne viel und hinten ausreichend Raum. In der zweiten Reihe wünscht man sich für die Beine eine etwas höhere Sitzposition und auch das tief verbaute Display ist auf Dauer nicht ideal platziert.
Lange Strecken sind dank der üblichen Vorteile des Supercharger-Netzwerks entspannt zu bewältigen. Bei uns lud der Plaid mit kurzen Spitzen bis 250 kW. Im Vergleich zu anderen Mitbewerbern nicht mehr ultraschnell, aber solide.
Fazit
Das Model S Plaid ist das erste neue Auto seit Langem, das beim Autor dieser Zeilen einen echten „Haben-wollen-Effekt“ ausgelöst hat. Und ausgerechnet jetzt stellt Tesla die Produktion nach gut 14 Jahren ersatzlos ein. Im Vergleich zu vielen anderen Elektroautos dieser Klasse überzeugen die zeitlose Optik, die mittlerweile sehr gute Material- und Verarbeitungsqualität sowie ein Preis, der das Model S Plaid angesichts seiner Leistung fast zum Sonderangebot macht. Wer all das haben möchte, kommt um das noch bis Ende 2026 erhältliche Model S Plaid kaum herum. Danach werden die Fertigungslinien im kalifornischen Fremont für die Produktion humanoider Roboter des Typs „Optimus“ umgebaut. (Text und Bild: Maximilian Fisseler)
Technische Daten
| Modell | Tesla Model S Plaid |
|---|---|
| Antrieb | 3 E-Motoren (1 vorn, 2 hinten), Allrad |
| Leistung | 1.020 PS / 750 kW |
| Drehmoment | 1.424 Nm |
| 0–100 km/h | ca. 2,1 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 262 / 322 km/h (mit Track-Paket) |
| Batterie | ca. 100 kWh (netto ca. 95 kWh) |
| Reichweite (WLTP) | bis zu 611 km |
| Verbrauch (WLTP) | 18,0 kWh/100 km |
| CO₂-Emissionen (WLTP) | 0 g/km |
| CO₂-Klasse | A |
| Laden AC | 11 kW |
| Laden DC | bis 250 kW |
| Länge/Breite/Höhe | 5,02 / 1,96 / 1,44 m |
| Radstand | 2,96 m |
| Leergewicht | ca. 2.160 kg |
| Anhängelast | 1.600 kg |
| Kofferraum | ca. 750 l |
| Grundpreis (Deutschland) | ab 119.990 Euro |
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