Audi R8 Spyder V10 performance RWD Test: Feierwerk mit 10 Zylindern

Der Audi R8 Spyder V10 performance RWD im Überblick
Stärken
- - Feudaler Zehnzylinder
- - Sehr gute Fahreigenschaften
- - Emotionaler Klang
- - Hochwertiger Innenraum
Schwächen
- - Sehr teure Anschaffung
- - Wenig Platz für große Fahrer
- - Teils umständliche Bedienung
- - Unzeitgemäßer Verbrauch
Der 10-Zylinder-Sauger geht in die letzte Verlängerung
Der Verbrenner und besonders der hubraumstarke Vielzylinder sind tot. Oder doch nicht? Seit drei Jahren schon schreiben wir Abgesänge auf den Audi R8 und was machen sie in Ingolstadt beziehungsweise bei der Audi Sport GmbH in Neckarsulm – sie bauen ihn einfach weiter und legen überdies noch eine auf 333 Stück limitierte Sonderedition auf. Um das neue Audi R8 Coupé GT RWD (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 15,0-14,9 l/100km; CO2-Emissionen kombiniert: 341-339 g/km)² soll es hier allerdings nicht gehen, sondern um den nicht minder aufregenden R8 Spyder V10 performance RWD (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 13,0 l/100km; CO2-Emissionen kombiniert: 298-297 g/km)².
Der monumentale 10-Zylinder-Saugmotor (der im Teillastbereich übrigens auf nur fünf Zylindern läuft) erhielt in seiner Ende 2021 aufgelegten hinterradgetriebenen performance-Variante nochmals 30 PS mehr und leistet anstatt 540 jetzt 570 PS. Nicht, dass dieser Unterschied in alltäglichen Fahrsituationen spürbar wäre, doch Leistung ist schließlich durch nichts zu ersetzen. Ob der 5,2-Liter-V10 allerdings 540 oder 550 Newtonmeter bereitstellt, ist herzlich egal, was sich auch in einem gleichbleibenden Beschleunigungswert von null auf Tempo 100 bemerkbar macht. 3,8 Sekunden sind weiterhin nicht von schlechten Eltern und die Höchstgeschwindigkeit wird mit imposanten 327 km/h angegeben.
Der R8 Spyder empfiehlt sich als optisch betörender Cruiser
Dabei ist es insbesondere die Spyder-Variante des R8, die sich als Cruiser par excellence empfiehlt. Sprich, man fährt den offenen Sportler lieber gediegen, denn rabiat, wird dadurch länger gesehen und verbraucht dann auch nur rund 14 Liter Super Plus auf 100 Kilometer. Optisch ist es die Heckansicht, die aus allen Blickwinkeln betört und die den Neckarsulmer gedanklich nahe an Autos aus Modena oder Sant’Agata Bolognese heranrücken lässt. Im Stand künden die faustdicken Endrohre von erhöhter Potenz und wer den schlafenden Mittelmotor zum Leben erweckt, bekommt auch in Zeiten von Ottopartikelfiltern noch gewaltig was auf die Ohren.
Es ist eine wahre Freude, sofern es die Straßenverhältnisse zulassen, eine Fahrstufe der blitzschnell agierenden 7-Gang S tronic von Anfang bis Ende auszudrehen (8.500 Touren maximal!) und dabei dem sich stets wechselnden Klangbild zu lauschen. Von leise grummelnd bis zum heißeren Gebrüll ist alles dabei, auf jeden Fall ist das zehnzylindrige Feierwerk im Heck stets als solches identifizierbar. Schön, laut und verdammt schnell zu sein ist in der Welt der Supersportwagen das eine. Erhöhte Handlingqualitäten das andere. Ähnlich leichtfüßig wie auf der Geraden lässt sich der hinterradgetriebene R8 performance auch in die nächste Kehre platzieren.
Stolze Preise, kein Verstellfahrwerk
Die optionale Dynamiklenkung hat leichtes (oftmals zu leichtes) Spiel mit der nunmehr antriebslosen Vorderachse, der Unterschied zum R8 quattro ist anhand eines deutlich willigeren Einlenkverhaltens jederzeit spürbar. Der fehlende Allradantrieb macht sich aber nicht nur fahrdynamisch bemerkbar. Stolze 63.000 Euro (!) beträgt mittlerweile der Unterschied zwischen der offenen RWD- und der quattro-Variante, was in Basispreisen ausgedrückt 162.000 zu 225.000 Euro bedeutet. In Sachen Fahrwerk vertrauen die RWD-Varianten des R8 derweil auf reguläre Stahlfedern, Audis magnetic ride ist genauso wenig verfügbar wie der zusätzlich wählbare CfK-Stabilisator bei den Coupe-Modellen.
Trotz der fehlenden Verstellmöglichkeiten liefert der R8 V10 performance RWD einen guten Kompromiss zwischen Alltagstauglichkeit und Rundstreckenfähigkeit ab. Das letzte Quäntchen Radikalität sucht man hingegen vergebens und ist bei diesem Fahrzeug wohl auch nicht gewünscht. Aber nicht falsch verstehen: Auch ein Feingeist wie der R8 Spyder kann dank eines altgedienten mechanischen Hinterachsdifferenzials zielgenau quergetrieben werden. Sofern beides, Talent und Asphalt, in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.
Im Interieur keine Überraschungen mehr
Viel eher betrachtet man aber das technisch aufwändige Schauspiel, wenn der Zweisitzer sein Stoffmützchen grazil in den Heckdeckel einfädelt. Spätestens jetzt ist auch für Außenstehende der Blick frei auf den hochwertig verarbeiteten Innenraum des R8. Qualität im Interieur können sie bei Audi, nur an den Platzverhältnissen für jene Fahrer über 1,90 Meter Körpergröße hapert es. Die Bedienung einzig über das virtual cockpit bleibt indes eine eigenwillige Angelegenheit und kann schon bei der kurzweiligen Sendersuche Nerven rauben.
Fazit
Der Audi R8 und damit der letzte Saugmotor der Ingolstädter steht endgültig vor dem Aus. Wirklich jetzt. Ende 2023 sollen die letzten V10-Sportler aus den Werkshallen in Neckarsulm rollen, danach wird es wohl ein Elektro-Bolide richten. 5,2-Liter-Hubraum, Hinterradantrieb, keine bevormundenden Assistenzsysteme, noch dazu als offener Spyder und mit einem betörenden Klang versehen: Wenn man ihn sich in Anschaffung und Unterhalt leisten kann, spricht sehr wenig gegen den Audi R8 Spyder V10 performance RWD. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
Technische Daten*
- Modell: Audi R8 Spyder V10 performance RWD
- Motor: Zehnzylinder-Benziner, 5.204 ccm
- Leistung: 570 PS (419 kW) bei 8.000 U/min
- Drehmoment: 550 Nm bei 6.400 U/min
- Antrieb: Hinterrad, 7-Gang-S-tronic
- Verbrauch kombiniert: 13,0 l/100 km²
- CO2-Emissionen kombiniert: 298-297 g/km²
- Beschleunigung (0–100 km/h): 3,8 s
- Höchstgeschwindigkeit: 327 km/h
- Abmessungen (L/B/H): 4,43 m/1,94 m/1,24 m
- Gewicht: ca. 1.570 kg
- Grundpreis: ab 162.000 Euro
*Herstellerangaben
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