BMW M3 CS Touring im Test: Der beste M3 aller Zeiten?

BMW M3 CS Touring auf einen Blick
Was uns gefällt
Das Aussehen und die schiere Leistung.
Was wir vermissen
Etwas mehr Leichtbau.
Ideal wenn …
… man morgens um fünf die Nachbarschaft wecken will.
Alternativen
In dieser Form derzeit keine. Etwas ziviler: BMW M3 Competition Touring.
Stärken
- Pure Leistung ohne Elektrifizierung
- Sehr gutes Handling
- Weiterhin 500 Liter Kofferraum
Schwächen
- Sehr teuer in der Anschaffung
- Hoher Verbrauch
- Reduzierte Alltagstauglichkeit
Schneller als ein 911 GT3 RS
Wir haben lockere 260 km/h auf dem Tacho, die vierspurige Autobahn vor uns zeigt keinen Verkehr, und beinahe ist es erschreckend, welch souveräne Gelassenheit sich im BMW M3 CS Touring einstellt. Nicht nur, dass wir an einem normalen Wochentag eher keine Hochleistungskonkurrenz zu fürchten haben - wir hätten für den Fall der Fälle noch 40 km/h Luft bis zum elektronischen Begrenzer. Dass wir Geschwindigkeiten bis 300 km/h überhaupt erreichen können, ist schon irrwitzig genug.
Schließlich ist das hier kein Supersportwagen, sondern ein Kombi, der noch dazu 1.925 Kilogramm auf die Waage bringt. Aber am Beispiel des neuen Audi RS 5 Avant sehen wir auch, dass das Übergewicht von gestern das Fliegengewicht von morgen ist. Damit haben wir den spannendsten Widersacher auch direkt ausgemacht, nachdem uns beim Mercedes-AMG C 63 Hybrid weiterhin ein vernünftiger Sportmotor fehlt. Der M3 CS Touring ist derweil die rundkursoptimierte Variante des 530 PS starken und 1.940 Kilogramm schweren M3 Competition Touring xDrive, wobei die 20 PS mehr und 15 Kilogramm weniger teuer bezahlt werden mussten.
Der BMW M3 CS Touring war ein teures Vergnügen
Wir schreiben an dieser Stelle bewusst in der Vergangenheitsform, da es den mindestens 152.900 Euro teuren CS nicht mehr neu zu bestellen gibt. Auf der anderen Seite scheint sich das auf 1.800 Einheiten limitierte Sondermodell derzeit auch noch nicht zum Sammlerobjekt gemausert zu haben - die Gebrauchtwagenpreise zeigen eher nach unten. Ein Schnäppchen wird der M3 CS Touring dadurch aber noch lange nicht. Die eigentliche Frage ist natürlich auch, ob der CS überhaupt in der Lage ist, den bereits famosen M3 Competition Touring zu toppen.
Optisch gelingt das in jedem Fall. So bestehen Motorhaube, Frontsplitter, Spiegelkappen und Diffusor aus Carbon, die BMW-Ikonen in den Scheinwerfern sind gelb statt weiß, und der Grill ist rot eingefasst. Das macht schon was her, vor allem wenn der Wagen passend in British Racing Green lackiert ist.
Über jeden Zweifel erhaben: Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder
Unter der Carbonhaube werkelt derweil der bekannte 3,0-Liter-Reihensechszylinder-Biturbo (S58), der vor allem durch einen leicht erhöhten Ladedruck und angepasste Software auf 550 PS kommt. Am Drehmoment ändert die Leistungssteigerung nichts - es bleibt bei den bekannten 650 Nm aus dem regulären Competition-Modell. Und auch bei der Beschleunigung geht es wohl eher um etwas Papierkosmetik. Statt 3,6 Sekunden soll der CS Touring in 3,5 Sekunden von null auf 100 km/h sprinten (Testverbrauch: 13,5 l/100 km).
Deutlich wahrnehmbarer ist da schon das noch direktere Ansprechverhalten des Sechszylinders und der satte Klang aus den vier Fanfaren am Heck. Die Titan-Endschalldämpfer sind nicht nur optisch, sondern auch akustisch eine Wucht. Das gilt vor allem für den Kaltstart, der in seiner Intensität morgens um fünf wohl nicht jedem Nachbarn schmecken dürfte. Während der Fahrt allerdings wissen wir nicht so recht, ob wir einem künstlichen Klang aufsitzen. Auch das Schubblubbern wurde diesem M-Modell leider abtrainiert.
Das Fahrwerk fordert Kompromissbereitschaft
Was sind wir dagegen froh, dass BMW keine DKG-Getriebe mehr verbaut. Der Achtgang-Wandler von ZF passt perfekt zum M3 und hier auch besonders zur CS-Variante. Wer morgens zur Arbeit pendelt, wird sich über sanfte, kaum wahrnehmbare Fahrstufenwechsel freuen. Auf Knopfdruck kann es allerdings auch das schlagfertige Sportgetriebe mimen. Beim Fahrwerk ist derweil Kompromissbereitschaft gefragt - besonders von den Mitreisenden. Gegenüber dem normalen M3 Touring setzt die CS-Variante auf geänderte Federraten. Vorne steigen sie um sieben, hinten um elf Prozent. Dass auch die Dämpfer und die Hilfsfedern überarbeitet wurden, merkt man besonders bei schlechtem Straßenbelag.
Ebenfalls neu abgestimmt wurden der xDrive-Allrad, das M-Differenzial sowie die Lenkung. Letztere macht besonders in der leichtgängigen Comfort-Stellung eine gute Figur. Die Sport-Einstellung wirkt auf normalen Straßen etwas zu schwergängig. Um die Verwindungssteifigkeit der Karosserie zu erhöhen, gibt es im Motorraum außerdem Aluminiumstreben, und auch die Motorlager wurden nochmals verstärkt. Man könnte also fast meinen, da bekommt man richtig was für sein Geld.
Der M3 CS Touring tanzt galant auf Messers Schneide
Während der BMW M3 CS Touring in seiner Machart vielleicht nicht unbedingt der perfekte Familienkombi ist, zeigt er bei unseren Testfahrten sehr wohl, wo seine Stärken liegen. Es ist erstaunlich, wie präzise der BMW selbst bei winterlichen Fahrbahnbedingungen den Lenkbefehlen folgt. Stabilität stand anscheinend groß im Lastenheft, und so muss man es selbst im 2WD-Modus schon sehr wild treiben, um die Haftung an der Hinterachse zu verlieren. Auch über wellige Straßenbeläge, etwa auf so mancher Autobahn, neigt der M3 CS Touring nicht zu bockigem Verhalten, hält die Spur und vermittelt große Souveränität.
Bei den Bremsen hatte der Testwagen die optionale Carbon-Keramik-Anlage an Bord - ein Garant für hammerharte Verzögerungen. Ein bisschen Gefühl sollte man im Fuß allerdings schon mitbringen. Und wie bei vielen Hochleistungsbremsen aus München beziehungsweise Garching, neigt auch diese beim Langsamfahren zu unschönen Quietschgeräuschen.
Im Alltag hat der normale M3 Touring die Nase vorn
Nachdem weder die Jahreszeit noch das Wetter mitgespielt haben, sparen wir uns auch den Einsatz auf einer Rennstrecke. Die meisten BMW M3 CS Touring werden wohl ohnehin kaum auf einem Rundkurs bewegt, und so kehren wir zurück zur Anfangsfrage, ob der CS den normalen M3 Competition überhaupt toppen kann. Im Alltag würden wir sagen: nein. Da gibt es gar den ein oder anderen entscheidenden Nachteil. Freilich ist der Competition Sport optisch ein Brett, doch besonders die M-Carbon-Schalensitze sind beim Ein- und Aussteigen für große und breite Staturen auf Dauer keine Freude.
Dass es außerdem statt einer Mittelarmlehne eine sehr ansprechend designte Carbon-Mittelkonsole gibt, ist zwar irgendwo cool, aber auf längeren Strecken mittlerweile ungewohnt. Wohin mit der rechten Hand? Legt man diese auf dem Wählhebel ab, kann es schon mal passieren, dass man in die manuelle Gasse rutscht. Versteht uns nicht falsch: Wir hatten große Freude im Übersportkombi. Gleichzeitig ist er weder Fisch noch Fleisch. Der Familienmensch mit sportlichen Ansprüchen kann genauso gut zum normalen M3 Touring greifen, der Asket, der gerne einen leergeräumten Sportkombi gehabt hätte, schaut in die Röhre.
Beheizbares und elektrisches Sportgestühl, überhaupt eine Rücksitzbank, das Dach nicht aus Carbon - es hätte sicherlich noch viele Stellschrauben gegeben, um den M3 CS Touring wirklich zu einem Hardcore-Kombi zu machen.
Fazit 8.2/10
Der BMW M3 CS Touring zählt mit Sicherheit zu den sportlichsten Kombis auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Aggressiver, kurvengieriger, optisch ansprechender und mittlerweile auch leichter ist kein Mitbewerber. Durch die zusätzliche Schärfe hat allerdings die Alltagstauglichkeit entschieden gelitten, die viele Kunden bei einem Sportkombi schätzen. So würden wir den CS nur empfehlen, wenn man wirklich ein Jahresticket für seine Hausrennstrecke besitzt. Für alle anderen ist der reguläre BMW M3 Competition Touring mit xDrive die bessere Wahl. (Text und Bild: Thomas)
AutoScout24 Scores
Diese Bewertung wird von unserem Expertenteam nach umfangreichen Tests des Fahrzeugs vergeben.
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