Cupra Raval (2026): Viel Krawall für 25.950 Euro

Der neue Cupra Raval auf einen Blick
Was uns gefällt
Die Hainasen-Front mit Krokodil-Augen.
Was wir vermissen
Eine Ausfahrt mit dem Basis-Modell.
Ideal wenn …
… wenn man auf progressives Design steht.
Die Alternativen
ID.Polo, Kia EV2, Hyundai Inster, Renault 5 E-Tech
Stärken
- Fairer Basispreis
- Ansprechendes Design
- Viel Platz, großer Kofferraum
Schwächen
- Touch-Bedienung überwiegt
- Viel einfaches Plastik
- Nerviger "Auspuffklang"
Neuer VW-Baukasten: Ein E-Auto für alle
Ein Auto, drei Länder, drei unterschiedliche Charaktere: Mit ID.Polo, ID.Cross, Cupra Raval und Skoda Epiq steigt der Volkswagen-Konzern in die Welt der bezahlbaren Elektromobilität ein. Einer für alle – die einzelnen Modelle stehen auf der neuen MEB+-Plattform und wurden allesamt im katalanischen Martorell bei der Seat-Tochter Cupra entwickelt. Nur die Marke VW hat mit ID.Polo und ID.Cross sowohl den Kleinwagen als auch das SUV-Derivat im Angebot. Cupra beschränkt sich mit dem Raval auf den Stadtflitzer, die tschechische Tochter Škoda wiederum setzt auf die SUV-Karte mit dem Epiq.
Jetzt lesen: Erste Testfahrt im Cupra Raval
Das gleiche Auto, aber drei verschiedene Marken: Damit sich die Modelle beim Verkauf nicht gegenseitig kannibalisieren, sehen sie nicht nur ganz anders aus, die Entwickler haben ihnen auch einen eigenen Charakter verpasst. Der Raval erfüllt dabei alle Klischees, die man den Iberern zuschreibt: laut, feurig und emotional. „Anders sein, das junge Publikum ansprechen“, so sieht Vertriebsvorstand Sven Schuwirt die Marke Cupra. Und steckt die Ziele für das sechste Familienmitglied der Seat-Tochter gleich ganz hoch: „Der Raval soll neue Kunden erobern. Er wird der neue Bestseller bei uns!“
So will der Raval die Jugend erobern
Um die junge Zielgruppe zu erreichen, muss hauptsächlich das Design passen. Nach unserer ersten Fahrt im noch getarnten Raval, hat Cupra bei einem weiteren Vorab-Termin die Hüllen fallen lassen. Hier im stillgelegten Kraftwerk „Tres Xemeneies“ in der Nähe von Barcelona machen wir die gleich erste Sitzprobe. Aber zunächst einmal lassen wir die Karosserie auf uns wirken. Sie liegt um 15 Millimeter tiefer als die des ID-Polo, die Spur ist um 10 Millimeter breiter.
Hai-Nase, zwei Powerdomes auf der Motorhaube – das ist ein kerniger Kumpan. Und dann erst die Scheinwerfer. „Augen wie ein Krokodil“ hatte uns Design-Chef Jorge Díez versprochen. In der Tat: Die dreieckigen Tagfahrlichter wirken wie die halb geöffneten und wachsamen Augen eines Reptils. Starke Schultern, ein Lichtband mit knallrotem Cupra-Logo und ein kantiger Diffusor prägen das Heck. Dagegen sieht der ID.Polo eher brav aus, aber auch der Škoda Epiq wirkt daneben, zumindest was man bislang gesehen hat, eher nüchtern.
Auch im Interieur wird es nicht bescheidener. Cupra arbeitet hier primär mit Lichteffekten, viele davon kupferfarben, wie es sich für die Marke gehört. So unterstreicht etwa eine blitzende Leiste aus lauter kleinen Dreiecken die verschiedenen Fahrmodi. Sie verläuft quer über das ganze Armaturenbrett. Eine absolute Besonderheit sind die pulsierenden Lichtprojektionen auf den Innentafeln der Türen. Sieht verwirrend gut aus, so als ob man im Inneren eines Kaleidoskops sitzen würden. Fast hätten wir darüber den üppig verwendeten Kunststoff übersehen – der ist im Raval aber entweder strukturiert oder von besserer Qualität. Unangenehm aufgefallen ist er nicht.
Der hoffentlich letzte Auftritt der Slider
Die Instrumententafel besteht aus einem 10,25 Zoll großen Digital-Tacho mit einer nüchternen, aber trotzdem eleganten Grafik und einem 12,9 Zoll großen Touchscreen. Als Betriebssystem setzt Cupra zum ersten Mal Android Auto ein, inklusive App-Store und Anwendungen wie Spotify oder Youtube. So weit, so modern. Entsetzt sind wir jedoch über das, was wir auf der Unterseite des Bildschirms entdecken müssen. Die bei der VW-Kundschaft (und auch bei uns) so ungeliebten Slider für Lautstärke und Temperatur. Sie sind immer noch da, zumindest beim Raval. Und vermutlich aus Kostengründen.Hoffentlich wird das beim neuen ID.Polo anders!
Neu ist hingegen das Lenkrad. Hier gibt es in der Tat wieder echte Walzen und Tasten für „Laut“ und „Leise“, für den Senderwechsel oder etwa die Lenkradheizung. Gott sei Dank. Wer ordentlich was auf die Ohren braucht, der kann sich von einem Sennheiser-Soundsystem mit 475 Watt verwöhnen lassen. Klingt gut und ist allemal besser als der künstliche Auspuffklang, den man beim Fahren zuschalten kann.
Kleiner Wagen, großer Kofferraum
Zumindest vorn sitzt man im 4,05 Meter langen Cupra Raval einwandfrei. Auch für allerlei Krimskrams und Getränke ist in der zweistöckigen Mittelkonsole Platz genug. Der Radstand von 2,60 Metern verspricht Komfort auch im Fond. Beim Test hatten wir den Fahrersitz auf eine Körpergröße von 1,75 Metern eingestellt, und nahmen dahinter Platz. Das Ergebnis: Zwischen Knie und Rücksitz blieb eine Handbreit Luft, genauso wie zwischen Kopf und Decke.
Bei größeren Menschen schmilzt der Raum schnell dahin, aber schließlich darf man nicht vergessen, dass der Raval ein echter Kleinwagen ist. Das trifft zumindest nicht auf den Kofferraum zu, der mit 441 bis maximal 1.344 Liter aufwartet und unter dem doppelten Boden sogar Platz für Getränkekisten bietet. Das ist mehr als im viel größeren Cupra Born, aber auch logisch, weil die E-Maschine hier noch im Heck sitzt.
6,8 Sekunden von 0 auf 100 – das kostet
Bei Raval, ID.Polo und Co hat man den Elektromotor jetzt jedoch auf der Vorderachse platziert. Der APP 290 ist eine Neuentwicklung aus dem Hause VW und wird in vier Leistungsstufen angeboten. Los geht es mit 85 und 99 kW (116 oder 135 PS) – dann in Kombination mit einer 37-kWh-Batterie (netto) und rund 300 Kilometern Reichweite. Die Top-Modelle Endurance und VZ powern mit 155 respektive 166 kW (211 oder 226 PS) und verfügen über einen 52-kWh-Akku. Damit sind Reichweiten bis zu 444 Kilometern drin.
Aufgeladen wird mit bis zu 90 oder 105 kW (DC) oder 11 kW (AC). Bei einem früheren Termin konnten wir den noch getarnten VZ fahren. Mit großem Vergnügen: Das adaptive DCC Fahrwerk war ganz nach unserem Geschmack: hart, herzlich und kompromisslos. Mit der Progressivlenkung carvten wir chirurgisch-präzise durch die Kurven und auch der Abzug ließ mit 290 Nm Drehmoment und 6,8 Sekunden von 0 auf 100 nichts zu wünschen übrig. Die schönsten Vergnügen sind meistens die teuersten. So auch hier. Der Raval VZ Extreme startet bei 46.525 Euro, die nur 211 PS starken Dynamic und Dynamic Plus liegen bei 37.250 oder 41.605 Euro. Erst ab September wird die Einstiegsvariante mit einem Preis von 25.950 Euro verfügbar sein.
Erstes Fazit
Ohne Zweifel: Der neue Cupra Raval sieht beeindruckend aus, überzeugt im Interieur mit innovativer Lichttechnik und auch das Fahren macht einen Heidenspaß. Jetzt kommt aber ein dickes Aber: Um das Auto abschließend beurteilen zu können, müssen wir auf das Einstiegsmodell warten und sehen, was es für knapp 26.000 Euro an Ausstattung, Fahrdynamik und Reichweite zu bieten hat. Denn hier ganz unten findet die Entscheidungsschlacht statt, ob dem VW-Konzern mit diesen neuen Produkten der Einstieg in die bezahlbare Mobilität tatsächlich gelingt. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)