Erster Test: Fiat Strada – Altes Blech zu teuren Preisen

Während andere Autos in der Regel alle sieben Jahre durch eine neue Generation ersetzt werden, rollt die Palio-Familie seit nunmehr 16 Jahren vom Band. Auch der "neue Fiat Strada", wie die Italiener den Pick-up erwartungsschürend nennen, ist also ein altes Auto. Dass er schon über anderthalb Jahrzehnte auf dem Buckel hat, merkt man dem Strada äußerlich nur beim genauen Hinsehen an. Wie bei einer bunt bemalten alten Lady, haben mehrere Facelifts der Außenhaut des je nach Aufbau zwischen 4,34 und 4,46 Meter langen Italieners mit Ladefläche die Altersfalten geglättet; aktuelle Zeichen der Zeit wie LED-Technik oder Xenonlicht sucht man allerdings vergebens. Stattdessen gibt es klare Linien, robuste Plasteteile und Trittstufen am Heck.
Der Geist der Neunziger
Anders im Innenraum, hier lebt der Geist der Neunziger Jahre weiter und der schlecht verarbeitete Kunststoff verströmt den Geruch des zu Ende gegangenen Jahrtausends. Die drei auf die Mittelkonsole geklebten Zusatzinstrumente, die den Neigungswinkel anzeigen, sehen nach unterstem Baumarktregal aus und lassen das Cockpit ebensowenig moderner wirken, wie die weiß hinterlegten Rundinstrumente. Immerhin: Der Innenraum wirkt robust und der Dreck von Gummistiefeln oder nassen Hunden stört hier nicht; im Gegenteil, er gehört zum guten Ton.
Je nach Wunsch kommt der Strada mit zwei oder vier Sitzen. Aber egal wie viele Plätze der Fiat hat, geräumig wird es auf dem weichen Gestühl, das auch bei einem Neuwagen wirkt, als wäre es seit den Neunzigern durchgesessen, nie. Muss es aber auch nicht, denn wer einen Strada kauft, tut dies nicht, um kommod in den Urlaub zu fahren, sondern um auf der bis zu 1,65 Meter langen Ladefläche mit Heckklappe sein Surfbrett, das Fahrrad, Werkzeug oder Gartenabfälle zu transportieren; damit nichts wegkommt, bietet Fiat eine mehrfach verzurrte Abdeckung an. Um auf der Fahrt zum See, in die Berge oder zur Arbeit nicht ganz zu vergessen, welches Jahr wir schreiben, bietet Fiat immerhin eine manuelle Klimaanlage, eine Radiovorbereitung und elektrische Fensterheber an.
Moderner Motor
Mehr oder weniger auf der Höhe Zeit ist dagegen der einzige angebotene Motor, der auch in anderen Fiat-Modellen seinen Dienst verrichtet. Der 1,3 Liter große Vierzylinder-Diesel entwickelt 95 PS und schafft es mit seinen 200 Netwonmeter Drehmoment den nur 1,2 Tonnen schweren Strada in 12,8 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen; packt man die erlaubten 700 Kilogramm auf die Ladefläche, dürfte sich der Pick-up für den Sprint etwas mehr Zeit nehmen. Vielleicht gleicht die hintere Starrachse mit Einblattfeder dann aber Unebenheiten besser aus.
Traktionsprobleme kennt der Fiat dagegen auch ohne Last nicht, denn die gesamte Kraft geht an die Vorderräder, wo sie – austattungsabhängig – bei Bedarf von der elektronischen Differenzialsperre an das Rad mit dem besseren Grip geleitet wird. Ein Stabilitätsprogramm gibt es in keiner Version, die Sicherheitsausstattung umfasst lediglich ASB und zwei Airbags. Immerhin arbeitet die unpräzise Lenkung mit Servounterstützung.
Zu teuer
Den Spritverbrauch für den bis zu 160 km/h schnellen Strada gibt Fiat mit knapp über fünf Litern an, das ist günstig. Für die Anschaffung muss man dagegen tiefer in die Tasche greifen, mindestens 17.000 Euro verlangen die Italiener für den Zweisitzer. Das ist eindeutig zu viel: Einen vergleichbaren Dacia Logan Pick-up, bei dem die Kunden sogar noch die Wahl zwischen einem Benziner und zwei Dieseln haben, gibt es schon ab gut 8.000 Euro. Auch wenn Fiat lautmalerisch vom neuen Strada spricht, geht man mit dem Pick-up auf eine Zeitreise in die Neunziger. Dass der Italiener nur wenig Komfort bietet, die Verarbeitung mangelhaft ist und die Sicherheitsausstattung Lücken aufweist, mag man verschwerzen: Ein Pick-up dient schließlich vornehmlich als Transporter, und diese Aufgabe erfüllt der Strada sehr gut. Auch der 95-PS-Diesel ist für das Leichtgewicht ausreichend.
Das Fiat allerdings über 17.000 Euro für den Strada aufruft, ist ein k.o.-Kriterium. Bei Dacia gibt es einen vergleichbaren Pick-up – zwar leider auch ohne ESP – für weniger als die Hälfte des Gelds. Und der Dacia hat fast zehn Jahre weniger auf dem Buckel.
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