Kia EV2 im Test: Der VW ID.Polo-Konkurrent ab 26.600 Euro

Der Kia EV2 "Earth" auf einen Blick
Was uns gefällt
Das Gesamtpaket aus guter Technik und kleinem Preis.
Was wir vermissen
Eine durchgehende Rückbank schon in der Basis.
Ideal wenn …
… man jetzt den Umstieg auf ein E-Auto plant.
Die Alternativen
Hyundai Inster, Dacia Spring und zukünftig auch Cupra Raval, VW ID.Polo und VW ID.Cross
Stärken
- Gutes Fahrwerk, präzise Lenkung
- Kleinwagen mit viel Platz
- 22-kW-Lader optional
Schwächen
- Einfaches Interieur
- Polarisierendes Design
- Keine Extras für Basismodell
Kia EV2 Testvideo
Der EV2 ist die neue Nummer 7 bei Kia
Mit dem EV6 fing alles an. EV steht bei Kia für "Electric Vehicle". Der erste Stromer der Südkoreaner kam 2022 auf den Markt. Unter dem Motto „Seid fruchtbar und mehret Euch“ sind es mittlerweile sieben E-Modelle, die beiden GT-Versionen von EV 6 und EV9 nicht mitgezählt.
Mit dem kleinen EV2 dringt Kia nun in das Einstiegssegment vor und will hier die Kundschaft abholen, die für Autokauf- oder -Leasing nur ein schmales Budget zur Verfügung hat. Und so kostet das Basismodell „Light“ mit 108 kW / 146 PS und einer 42,2 kWh großen Batterie ab 26.600 Euro. In diesem Zielgebiet will auch VW landen mit seiner neuen Stromer-Armada, die unter anderem den ID.Polo und ID.Cross umfassen wird.
Basismodell mit nur vier Sitzplätzen
Der EV2 zählt mit einer Länge von 4,02 Meter zu den klassischen Kleinwagen, ist vom Charakter her aber auch ein halbes SUV. Das Platzangebot hingegen ist – typisch für Elektrofahrzeuge – relativ groß. Vorn sitzen zwei Erwachsene recht komfortabel, ohne sich mit den Ellenbogen auf der Mittelkonsole ins Gehege zu kommen. Und auch hinten kann man es sich einigermaßen bequem machen, wenn Vorderfrau oder -mann gnädig bei der Sitzeinstellung sind.
Das Basismodell „Light“ hat nur Platz für vier Passagiere, weil hinten Einzelsitze verbaut sind. Erst bei den höheren Ausstattungslinien bietet Kia als Alternative eine durchgehende Sitzbank an, die auch für fünf Passagiere geeignet ist. Optional können dann auch verschiebbare Einzelsitze bestellt werden, bei denen die Rückenlehnen verstellbar ist. Dadurch lässt sich das Kofferraumvolumen flexibel gestalten. Aus 362 werden dann 403 Liter. Für das Ladekabel gibt es einen Mini-Frunk unter der Motorhaube, die, man höre und staune, von Gasdruckfedern gehalten wird und nicht von einer schnöden Metallstange.
Viel Kunststoff im Interieur: Augen zu und durch
Wie sieht der EV 2 aus? Typisch Kia – also kein Design von der Stange. Eher progressiv und laut. Im Blechkleid findet man überall die von den größeren Stromern inspirierten, senkrechten Akzente. Das Tagfahrlicht leuchtet im sogenannten „Star Map“-Design, angelehnt an ein Sternenbild. Unterstrichen wird der robuste Charakter durch Planken an den Stoßfängern und Fahrzeugseiten.
Das Cockpit zeigt sich klassisch. Die Kia-Bildschirmlandschaft liegt in einem gebogenen Rahmen, zwei 12,3-Zoll-Bildschirme dienen als Digital-Tacho und Infotainment-Anzeige. Dazwischen ein kleines, 5,3 Zoll großes Display für die Klimaanlage. Das Ganze gibt es auch als Lite-Version, hier kann man das fehlende Navi durch entsprechende Smartphone-Anwendungen ersetzen.
Beim Material darf man in dieser (Preis-)Klasse nicht viel erwarten: Plastik-Türtafeln, Plastik-Ablagen – nur das Armaturenbrett macht mit seiner grauen Stoffauflage einen etwas wohnlicheren Eindruck. Da hilft auch die freundliche Aufforderung „Have a nice day“ nichts, die auf einem gelblichen Kunststoff hinter den Türöffnern eingeprägt ist. Plastik bleibt eben Plastik. Aber es ist robust und abwaschbar.
Größere Akku, geringere Leistung
Ausgeliefert wird der EV2 in zwei Akku-Varianten. Einmal mit der Standard-Batterie von 42,2 kWh und einer Reichweite von 317 Kilometern. Er braucht 8,7 Sekunden von null auf Tempo 100. Und dann noch als Langstreckenversion mit 61,0 kWh und 453 Kilometern Reichweite. Diese Variante hat elf PS weniger (135 PS) und benötigt für den Sprint deshalb schon 9,5 Sekunden.
Aufgeladen wird an AC-Säulen mit 11 oder optional sogar mit 22 kW. Laut Kia geht es dann von zehn auf 100 Prozent in zwei Stunden und 35 Minuten. An DC-Säulen fließen bis zu 118 kW durch die Leitungen. In 30 Minuten soll die Batterie dann wieder von 10 auf 80 Prozent erstarken. Wärmepumpe ist mit an Bord, Plug-and-Charge ebenso, und mit Vehicle-to-Load (V2L) lassen sich sogar externe Geräte damit aufladen. Das kann im Moment nicht einmal der neue Porsche Cayenne Electric - und der kostet mindestens das Vierfache!
Respekt: Nur 14,2 kWh Verbrauch auf 100 Kilometern
Wir sind das Modell mit der Standard-Batterie gefahren – und waren angenehm überrascht. An Lenkung und Fahrwerk gibt es nichts auszusetzen. Der EV2 flitzt sauber um die Kurven, bügelt stabil über den Asphalt. Spurrillen, Bodenwellen, kleinere Schlaglöcher – da wird alles abgefedert und gedämpft, bevor es in den Steiß fahren kann. Das Lenkrad liegt satt in der Hand und gibt präzise den Kurs vor. Kam uns die Leistung von 146 PS zunächst ein wenig mickrig vor, müssen wir Abbitte leisten. Im Stadtverkehr reicht das ohnehin. Bei der Einfahrt auf die Autobahn genügt ein Druck auf die Sport-Taste, schon entfesselt die Elektronik die letzten Kraftreserven.
Nur bei Steigungen geht dem Motor die Luft aus. Das ist kein Wunder – schließlich wiegt der EV2 ja auch gute 1,6 Tonnen. Weil wir gerade beim Gewicht sind: Der Elektro-Floh ist für Anhänger zugelassen. Immerhin darf er bis zu 750 Kilogramm (gebremst) ziehen. Verblüfft waren wir auch beim Verbrauch: 14,2 kWh standen nach 122 dynamisch gefahrenen Kilometern auf dem Tacho, das ist weniger als angegeben (15,1 bis 15,5 kWh). Gestartet waren wir mit einer Reichweite von 301 Kilometern, übrig waren davon noch 166. Das heißt, die Angaben sind realistisch und vertrauenswürdig.
Die größere Batterie kostet 4.500 Euro Aufpreis
Zu den Preisen: Wer sich nicht mit der 26.600 Euro teuren viersitzigen Basis begnügen will, der muss etwas tiefer in die Tasche greifen. Die etwas bessere Ausstattungsvariante „Air“ kommt auf 28.990 Euro und hat dann auch schon Platz für fünf Passagiere. Für den größeren 61-kWh-Akku muss man noch mal 4.500 Euro drauflegen und für das Top-Modell GT-Line darf man dann schon 36.890 Euro überweisen.
Die Basis des EV2 ist zwar schon recht ordentlich ausgestattet und verfügt über Rückfahrkamera, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und eine verschiebbare Mittelarmlehne mit Staufach - daneben können beim Light-Modell, bis auf zwei weitere Farben, aber keine weiteren Optionen bestellt werden.
Erstes Fazit
Der EV2 ist ein echtes Li-La-Laune-Auto, das beim Fahren viel Spaß macht. Für 26.600 Euro Einstiegspreis liefert Kia ein gutes Paket ab: Anständige Platzverhältnisse, gute Bedienbarkeit und, wenn man darauf steht, ein flottes Design. Auch beim Verbrauch zaubert der EV2 ein Lächeln auf das Gesicht. Da kann man glatt das viele Plastik im Interieur vergessen. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)
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