Test Suzuki Swift Sport: Viel Spaß, wenig Sport

Seit einigen Jahren spielen die Japaner mit dem Suzuki Swift Sport in der "Hot Hatch"-Liga mit. Seit 2020 wird er als sogenannter "Hybrid" vermarktet. Wie viel Sport steckt wirklich im Swift mit 129 PS? Wir fanden es im zweiwöchigen Test heraus.

Der Suzuki Swift Sport auf einen Blick

  • Günstiger japanischer Spaß-Kleinwagen
  • 48-Volt Bordnetz für geringeren Verbrauch
  • 0-100 km/h in 9,2 s, Vmax 210 km/h
  • Umfangreiche Serienausstattung
  • Startpreis ab 25.550 Euro

 Seit 2017 ist die sechste Generation des Swift auf dem Markt. 2020 gab es ein leichtes Facelift. Seitdem wird der Swift Sport als Hybrid verkauft. Seit 2017 ist die sechste Generation des Swift auf dem Markt. 2020 gab es ein leichtes Facelift. Seitdem wird der Swift Sport als Hybrid verkauft.

Ein Hybrid? Wirklich?

Als ich völlig unbedarft den in selbstbewusstem "Champion Yellow" lackierten Suzuki Swift Sport (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 4,7 l/100 km; CO2-Emissionen kombiniert: 106 g/km)² in Empfang nahm, war ich erstmal überrascht. Da prangte doch das "Hybrid"-Logo unübersehbar auf der Heckklappe. Um ehrlich zu sein: Dass die Japaner ihren "Hot Hatch" bereits Ende 2020 elektrifiziert hatten, war völlig an mir vorbeigegangen. Falls es euch auch so geht: Das ist nicht schlimm.

Elektrifiziert heißt nämlich in diesem Falle: Der 1,4-Liter-Turbobenziner wurde um ein 48-Volt-Bordnetz erweitert, das vor allem das "Segeln" bei niedrigen Geschwindigkeiten ermöglicht. Das Resultat sollen gewisse Verbrauchseinsparungen sein. Das Hybrid-Emblem ist also nicht viel mehr als eine kleine Mogelpackung (man kennt dies von Fiat), die mittlerweile sehr viele Hersteller verkaufen. Rein elektrisch fahren, wenn auch nur ein paar Hundert Meter, kann der Swift Sport daher nicht.

 Mit 129 PS leistet der 1,4-Liter Vierzylinder 11 PS weniger als bei seiner Markteinführung, hängt aber weiter überzeugend am Gas. Mit 129 PS leistet der 1,4-Liter Vierzylinder 11 PS weniger als bei seiner Markteinführung, hängt aber weiter überzeugend am Gas.

129 PS: Golf II GTI-Erinnerungen werden wach

Vielmehr wird weiterhin auf den bekannten 1,4-Liter-Turbo-Vierzylinder vertraut, der ganze 129 PS und 235 Newtonmeter über ein knackiges Sechsgang-Schaltgetriebe an die Vorderachse schickt. Das weckt im Groben Gedanken an einen VW Golf II GTI - wenngleich der Swift heute deutlich mehr Drehmoment liefert. Ohne Hybrid-"Unterstützung" waren zu dessen Markteinführung derweil 140 PS drin, auch das ähnelt dem GTI, dessen 16V-Variante ohne Kat auch noch entfesselter werkeln durfte. Der Swift brachte ohne Hybridisierung übrigens 50 Kilogramm weniger auf die Waage. Ist er jetzt deshalb viel schlechter?

Nein, so viel kann ich schon verraten. Das Mehr an Drehmoment und den verfügbaren Elektro-Boost bei niedrigen Drehzahlen merkt man mehr als die nominell 11 PS weniger. Kräftig tritt der Swift Sport an, hängt überzeugend am Gas und dreht freudig in Richtung Drehzahlbegrenzer. Man fühlt sich deutlich schneller als in 9,1 Sekunden von null auf 100 km/h. Vielleicht ist es auch das Wissen, im Sportmodell zu sitzen.

 Rote Ziernähte, Applikationen und Schriftzüge bei einem gelben Auto verzeiht man einem japanischen Auto gerne. Rote Ziernähte, Applikationen und Schriftzüge bei einem gelben Auto verzeiht man einem japanischen Auto gerne.

Viel Sportoptik macht noch keinen Sportler

Der Swift Sport macht auch sonst keinen Hehl aus seiner Bezeichnung. Sportsitze mit roten Ziernähten lassen wir in einem gelben japanischen Kleinwagen noch durchgehen, für normalgewachsene Europäer sind sie allerdings ziemlich knapp geschnitten. 17-Zoll große Bicolorfelgen samt Continental SportContact geben schon im Stand einen kleinen Vorgeschmack auf die sportlichen Ambitionen von Suzuki. Auch die Kunststoffapplikationen in Carbonoptik an Front- und Heckschürze sollen von massiver Sportlichkeit zeugen. Der rot hinterlegte Drehzahlmesser gehört ebenfalls zum dynamischen Auftreten. Doch wie viel Sport steckt wirklich im Swift?

Wer einen Autobahnrenner erwartet, hat den Swift Sport nicht verstanden. Hier gehen dem Vierzylinder ab 150 km/h schnell die Pferde aus. Für die Landstraße hingegen ist er perfekt motorisiert. Auch die knackige Schaltung bereitet mit kurzen, präzisen Schaltwegen sehr viel Freude. Doch Fahrwerk und Vorderachse können bei zügiger Kurvenfahrt nicht mithalten. Früh neigt der Swift zum Untersteuern. Die Wankneigung ist vergleichsweise hoch. Unebenheiten und Schlaglöcher werden ungefiltert an die Passagiere weitergereicht, ohne dass die Dynamik hiervon profitieren würde. Gleichzeitig macht es trotzdem einen Heidenspaß, den Swift Sport über enge Landstraßen zu prügeln. Dank des niedrigen Gewichts hat man das Gefühl, in jeder Kurve mit dem Swift spielen und völlig unbedarft Vollgas geben zu können. In welchem Auto kann man das heutzutage noch? Auf Schnelligkeit kommt es dabei gar nicht an.

 Der Suzuki Swift Sport ist perfekt für viel Fahrspaß auf der Landstraße. Der Suzuki Swift Sport ist perfekt für viel Fahrspaß auf der Landstraße.

Testverbrauch um 7,5 l/100 km

Der Verbrauch hält sich dabei im Rahmen, auch wenn man von den Vorteilen der Hybridisierung nicht viel mitbekommt. Unser Testverbrauch lag bei rund 7,5 Liter pro 100 Kilometer. Das mag auch daran liegen, dass ich die Start-Stopp-Automatik meistens deaktiviere - der Swift startet damit dermaßen zögerlich, dass man an einer grün werdenden Ampel schon angehupt wird. Deaktivieren sollte man vor jedem Fahrtantritt - und sei die Fahrt noch so kurz - in jedem Fall den Frontkollisionswarner. Ich habe selten in einem Neuwagen so häufige Fehlfunktionen samt eingeleiteter Vollbremsungen erlebt. Das geht definitiv besser.

Fazit

Wer einen witzigen, fahrspaßorientierten Kleinwagen für einen überschaubaren Preis als Alltagsauto sucht, findet im Suzuki Swift Sport ein ideales Angebot. Für die Langstrecke oder den Wochenendsportler mit Ansprüchen an die wahrhaft schnelle Kurvenhatz ist der Japaner allerdings nichts. (Text und Bild: Maximilian Planker)

Technische Daten Suzuki Swift Sport*


Modell Suzuki Swift Sport
Motor 1,4-Liter-Turbobenziner
Leistung 95 kW/129 PS
Drehmoment 235 Nm
Antrieb Vorderradantrieb, 6-Gang-Schaltgetriebe
Kraftstoffverbrauch kombiniert 4,7 l/100 km²
CO2-Emissionen kombiniert 106 g/km²
Beschleunigung (0–100 km/h) 9,1 s
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Abmessungen (L/B/H) 3,89 m/1,74 m/1,48 m
Kofferraumvolumen ca. 265 Liter
Gewicht ca. 1.100 kg
Grundpreis Suzuki Swift Sport ab 25.550 Euro

*Herstellerangaben

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Maximilian Fisseler

Maximilian Fisseler arbeitet als freier Redakteur für das AutoScout24 Magazin. Als italophiler Allesfahrer pflegt er eine romantisch-verklärte Sicht auf das Automobil. Benzin und Motoröl sind ihm deutlich näher als die Suche nach der nächsten Ladesäule. Sein Traumwagen trägt, ganz unitalienisch, ein Porsche-Wappen: der 911 Turbo der Baureihe 964. Im Alltag bewegt er eine E-Klasse der Baureihe 212.

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