VW Golf GTI Edition 50 im Test (2026): So fährt das Jubiläums-Tracktool!

Wie mittlerweile üblich, beschenkt man sich in Wolfsburg in regelmäßigen Abständen selbst. Genauer alle zehn Jahre, wenn es wieder heißt: Alles Gute, VW Golf GTI! Im Frühjahr kommt der Golf GTI Edition 50 in den Handel - und fährt sich genau so, wie wir das gern haben! Erster Test.

Der VW Golf GTI Edition 50 auf einen Blick


Was wir mögen

Die sehr direkte und Porsche-GT-artige Lenkung.

Was wir vermissen

Schalensitze wie im Golf 7 Clubsport S.

Ideal, wenn …

… man ein alltagstaugliches Tracktool sucht und Sportwagen ärgern will.

Die Alternativen

Auf Augenhöhe und nur noch gebraucht erhältlich: der Honda Civic Type R.


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325 PS und 270 km/h: Stärker und schneller war noch kein Serien-GTI

Mittlerweile schaut der Fan von frontgetriebenen Kompaktsportlern zusehends in die Röhre. Der Honda Civic Type R wurde für Europa ausgemustert, einen Ford Focus ST gibt es ebenfalls nicht mehr, und bei Hyundai wird sich erst noch zeigen, ob der i30 N wirklich als Hybrid ein Comeback feiert. So übernimmt dieses sterbende Segment also vorerst alleinig der VW-Konzern, der es prominent mit dem Cupra Leon VZ, aber natürlich auch mit dem Golf GTI besetzt.

Während beim normalen GTI bislang bei 265 PS Schluss war und der Clubsport ebenso wie der Cupra Leon VZ auf 300 PS kommt, will man sich nun wieder spürbarer vom internen Marktbegleiter absetzen. Zumindest vorübergehend. „Zeitlich begrenzt“ wird der 325 PS starke VW Golf GTI Edition 50 angeboten, der nur noch bei der reinen Papierleistung einen Respektsabstand zum 333 PS starken Golf R wahrt. Beim Drehmoment herrscht mit 420 Nm bereits Gleichstand, ebenso bei der Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h. Der Edition 50 ist damit nicht nur der stärkste, sondern gleichzeitig der schnellste Serien-GTI, der je gebaut wurde.

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Das Performance-Paket ändert alles

Um die Leistung auch sicher auf die Straße zu bringen, gibt es neben der elektronischen Vorderachsdifferenzialsperre und dem serienmäßigen DCC-Fahrwerk ein 4.200 Euro teures Performance-Paket. Es beinhaltet, und hier wird es nerdig, sehr viele Detailverbesserungen und ändert die Fahrdynamik des Edition 50 grundlegend.

So liegt das Geburtstagskind im Vergleich zum GTI Clubsport weitere fünf Millimeter tiefer und bekommt eine steifere Aufbaufederung. Auch die Federbeinlager und die Lenklager im Querlenker wurden versteift. Modifizierte Radträger sorgen für eine Sturzerhöhung an der Vorderachse, während die Anbindung zwischen Radträger und Spurstangen an der Hinterachse geändert wurde. Außerdem gibt es hinten steifere Dämpferlager.

Digital eingerahmt wird das eigenständige Fahrwerk durch spezifische Datensätze für die adaptive Fahrwerksregelung, den Fahrdynamikmanager, die Progressivlenkung sowie das ESC, das sich auf Wunsch komplett deaktivieren lässt.

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Wenn der GTI mit der R-Felge vorfährt

Keine Bestzeit auf der Rundstrecke ohne die passenden Reifen: Volkswagen setzt beim Golf GTI Edition 50 auf eine Kooperation mit Bridgestone, die das Gewicht der angebotenen Semislicks im Format 235/35 R19 um jeweils 1,2 Kilogramm reduzieren konnten. Optional bietet der VW-Konfigurator zudem die Möglichkeit, die Schmiedefelge „Warmenau“ zu ordern, wodurch die ungefederten Massen nochmals um drei Kilogramm pro Rad sinken sollen.

Kleiner Sidekick: Während den Edition 50 zahlreiche GTI-Logos zieren, prangt auf den Warmenau-Rädern das R-Logo. Sieht komisch aus, ist aber so.

Und weil wir gerade bei gewissen Eigenheiten sind: Zwar wurden den serienmäßigen Sportsitzen neu designte Bezüge spendiert und es gibt optional ein griffiges ArtVelours-Lenkrad - auf fest zupackende Schalensitze wie vor zehn Jahren beim Golf 7 GTI Clubsport S müssen Sportfahrer jedoch verzichten.

Ansonsten gilt, dass eine sonderliche Reduktion von Gewicht oder Ausstattung nicht im Lastenheft stand. Dass der Golf 8 GTI ohnehin kaum etwas mit seinem Urahn von 1976 gemein hat, dürfte klar sein. Weniger offenkundig: Vor gut 20 Jahren brauchte es noch einen 911 Carrera, um in etwa die Fahrleistungen des GTI Edition 50 zu erreichen. Zumindest in dieser Relation wirken die aufgerufenen 54.540 Euro (zzgl. dem empfehlenswerten Performance-Paket) beinahe schon wieder fair.

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So fährt sich der Golf GTI Edition 50 auf der Rennstrecke

Ob sich das viele Geld lohnt, konnten wir derweil auf dem katalonischen Rundkurs Parcmotor de Castellolí selbst herausfahren. Eine durchaus anspruchsvolle Strecke mit vielen engen Kurven sowie ausgeprägten Berg- und Talfahrten. Testen konnten wir dort bereits vor einigen Jahren mit einem Porsche Cayenne Turbo E-Hybrid - sicherlich nicht das bevorzugte Sportgerät für diese Piste.

Ganz anders sieht es mit dem VW Golf GTI Edition 50 aus. Er ist wie gemacht für die Twists and Turns, und bereits auf der Aufwärmrunde wird klar: Hier ist etwas entscheidend anders. Porsche ist dabei ein gutes Stichwort, denn selten haben wir eine derart direkte, präzise und angenehm gewichtete Lenkung in einem Fronttriebler erlebt wie im Edition 50. Das ist schon schwer Porsche-GT-verdächtig, wie der Kompaktsportler selbst auf kleinste Lenkimpulse reagiert.

Mit der zweiten Runde zieht das Führungsfahrzeug das Tempo spürbar an, wir konzentrieren uns auf das Performance-Fahrwerk, das den Jubilar keineswegs bockhart abstimmt, sondern weiterhin eine bemerkenswerte Ausgewogenheit vermittelt. Der Alltagsgedanke steht klar im Vordergrund. Hier wird nicht trocken gefedert, sondern sauber gedämpft. So muss das sein!

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Das DSG-Getriebe bleibt die Schwachstelle

Während man sich bei früheren GTI-Modellen gerne über fehlende Leistung beklagte, lässt sich dieser Vorwurf beim Edition 50 nicht mehr äußern. Der vorausfahrende Golf R Variant hatte auf der Geraden durchaus Mühe, den Abstand zu wahren. Gefühlt liefert die letzte nicht elektrifizierte Ausbaustufe des 2,0-Liter-Vierzylinder EA888 evo4 im GTI jederzeit ausreichend Druck. Einzig das Siebengang-DSG nervt weiterhin mit unausgegorenen Schaltvorgängen - ganz gleich, ob im manuellen oder automatischen Modus. Hin und wieder verhaspelt sich der Doppelkuppler, der auf die gleiche Getriebeabstimmung wie im R setzt.

Die sonst typische Untersteuerungsneigung wird durch die Vorderachsdifferenzialsperre nahezu vollständig eliminiert. Hohen mechanischen Grip liefern zudem die Semislicks, sodass ein Scharren der Vorderräder höchstens auf leicht feuchten Streckenabschnitten wahrnehmbar ist. Zusätzliche Fahrfreude entsteht durch die beim Anbremsen spürbar leicht werdende Hinterachse, die willig mit eindreht. Da sagt noch jemand, man könne mit einem Fronttriebler keinen Spaß haben!

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Erstes Fazit

Am Ende unterscheidet sich der Jubiläums-Golf deutlich von seinen regulären GTI-Geschwistern: Wird der Edition 50 mit dem optionalen Performance-Paket bestellt, erhält man ein ernst zu nehmendes Tracktool, das nicht nur äußerst performant ist, sondern gleichzeitig voll alltagstauglich bleibt. Diesen Spagat schaffen heute nicht mehr viele Autos. So gesehen erscheint auch der aufgerufene Preis nicht einmal übertrieben. (Text: Thomas Vogelhuber | Bilder: Hersteller)

Technische Daten


Modell VW Golf GTI Edition 50
Motor 2,0-Liter-4-Zylinder-Turbo-Benziner
Leistung Verbrennungsmotor 325 PS (239 kW)
Maximales Drehmoment 420 Nm
Antriebsart Frontantrieb
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG)
Verbrauch kombiniert (WLTP) 7,6–7,9 l/100 km
CO₂-Emissionen kombiniert (WLTP) 173–179 g/km
CO₂-Klasse F
Beschleunigung 0–100 km/h 5,3 s
Höchstgeschwindigkeit 270 km/h
Abmessungen (L/B/H) 4.292 mm / 1.789 mm / 1.463 mm
Radstand 2.629 mm
Leergewicht 1.470 kg
Kofferraumvolumen 380 l
Tankinhalt 50 l
Grundpreis ab 54.540 Euro

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Thomas Vogelhuber

Thomas Vogelhuber ist seit März 2019 leitender Redakteur des AutoScout24 Magazins. Der gebürtige Oberbayer verbindet seine Leidenschaft für klassische Youngtimer mit einem feinen Gespür für aktuelle Automobiltrends. Am liebsten unterwegs auf kurvigen Alpenstraßen, testet er heute ebenso souverän moderne Elektromodelle. Der Traum vom Audi RS 6 Avant C5 in Goodwoodgrün lebt weiter!

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