Die besten Motoren der Welt: Fünf Legenden, die jeder kennen sollte

Autos bestehen aus tausenden Teilen, doch ihre Seele sitzt verborgen im Motorraum. Ein gutes Auto kann vieles sein – schön, praktisch, komfortabel. Aber erst ein großer Motor macht aus einem Fahrzeug eine Ikone.
Es gibt Motoren, die sind einfach nur Antriebe. Und es gibt Motoren, die zu Mythen werden
Der 6,3-Liter-V8 von AMG etwa – offiziell M156 – ein freisaugender Kraftprotz, der noch heute nachhallt wie ein Donnerschlag aus Affalterbach. Oder der 5,5-Liter-Kompressor-V8, ebenfalls von Mercedes-AMG, der Anfang der 2000er jede Vorstellung von Drehmoment pulverisierte. Und natürlich der Wankelmotor von Mazda, eine rotierende Ingenieursfantasie, die bis heute so faszinierend wie widerspenstig ist. Ganz zu schweigen vom scheinbar endlos langen V12 von Rolls-Royce, der nicht arbeitet, sondern in sich ruht – fast lautlos, immer souverän, nahezu unerschütterlich.
Solche Motoren sind mehr als einfache Technik. Sie sind prägende Charaktere, Hauptdarsteller und faszinierende Meisterwerke.
Man erkennt sie am Klang, an der Art, wie sie drehen, wie sie schieben, wie sie sich gegen die Physik stemmen. Sie geben einem Auto eine Persönlichkeit, die weit über ein Design oder eine Markenimage hinausgeht. Manchmal sogar so sehr, dass das Auto vordergründig durch seinen Antrieb definiert wird.
Denn wer einen Audi mit Fünfzylinder oder einen Bugatti W16 fährt, erzählt eigentlich vom Motor, und auch vom Ingenieurgeist Ferdinand Piëchs. Wer einen Skyline GT-R verehrt, meint in Wahrheit den turboaufgeladenen Reihensechser unter der Haube.
Diese Motoren haben Generationen von Petrolheads geprägt, Rennstrecken oder Rallyepisten erobert, Ingenieure inspiriert und Fans begeistert. Andere, weniger spektakuläre, aber dafür zuverlässige Aggregate haben ganze Völker mobil gemacht. Sie alle haben Technologiegeschichte geschrieben – nicht als abstrakte Entwicklungen, sondern als mechanische Meilensteine. Unverständlich also, warum Audi zum Beispiel seinen famosen Fünfzylinder mit Ende 2026 nach nunmehr 50 Jahren einstellt. Als letzten Abgesang gibt es ein RS 3 Sondermodell.
Fünf dieser Legenden stehen exemplarisch für eine Zeit, in der Motoren noch Helden sein durften. Und für eine Ära, die mit der Elektrifizierung langsam, aber stetig zu Ende geht. Denn wenn der Antrieb eines Hypercars sich nur noch durch die schiere Leistung von einem Gabelstapler unterscheided, der im Prinzip die gleiche Technik nutzt, ist es mit der Persönlichkeit nicht mehr weit her.
Audis Fünfzylinder: Walter Röhrl und der Klang der Rallye
Es gibt Motoren, die erkennt man blind. Der Audi-Fünfzylinder gehört dazu. Sein ungerader Rhythmus – dieses heisere, bellende Trompeten – wurde Anfang der 1980er Jahre zur akustischen Signatur der Audi Quattro-Rallyeautos. Viele Motoren sind stark. Nur wenige haben eine Stimme. Der Audi-Fünfzylinder ist ein Soundtrack der durch die deutsche Rallye-Legende Walter Röhrl zugleich ein Gesicht bekommen hat.
Der erste Fünfzylinder kam noch ohne Turbo 1976 im Audi 100, mit bescheidenen 136 PS. Doch bereits 1980 flanschten die Audianer einen Turbo an den Fünfender und konnten so aus 2,1 Litern Hubraum immerhin 200 PS gewinnen. Für damalige Verhältnisse war das schon sensationell. Doch der eigentliche Ruhm entstand im Motorsport: Im Group-B-Monster Audi Sport Quattro S1 entwickelte der Motor bis zu 600 PS. Die Konstruktion war ungewöhnlich: ein längs eingebauter Reihenfünfer, Turbolader, charakteristischer Zündabstand – eine Mischung aus Reihensechser-Laufruhe und Vierzylinder-Aggressivität. Audi hielt über Jahrzehnte an diesem Konzept fest und bis heute lebt die Legende weiter – zum Beispiel im RS 3 competition limited. Ein leises Abschiedsgeschenk zum nahenden Ende der Motorenikone mit 2,5 Litern Hubraum und 400 PS.
Nissan RB26DETT: Der Skyline-Mythos
Wenn Japan einen heiligen Motor hat, dann ist es dieser. Der RB26DETT erschien 1989 im Nissan Skyline GTR R32 und blieb bis 2002 Herzstück der GT-R-Generation – vom R32 über R33 bis zum Nissan Skyline GTR R34. Technisch war er ein klassischer Reihensechszylinder mit 2,6 Litern Hubraum, doch mit zwei Turboladern entwickelte er eine Aura, die weit über seine offiziellen Daten hinausging. Offiziell: 280 PS – ein Ergebnis der japanischen Gentlemen’s Agreement-Regel. In Wahrheit: deutlich mehr.
Der RB26 war unglaublich robust. Serienmotoren vertrugen problemlos 500 PS, getunte Exemplare weit über 800 PS. Massive Lager, ein stabiler Graugussblock und ein Hochdrehzahl-Ventiltrieb machten ihn zu einem perfekten Fundament für Leistungssteigerungen.
Doch sein Ruhm stammt nicht nur aus der Tuning-Szene. Im Motorsport dominierte der Skyline Anfang der 1990er Jahre die Group-A-Tourenwagenrennen so brutal, dass er in Australien den Spitznamen „Godzilla“ bekam. Der RB26 ist ein Motor, der eine ganze Kultur geprägt hat – von Rennstrecken bis zu Drift-Events und Videospielen.
Viele kennen den Skyline. Autofans kennen den RB26.
Bugatti W16: Warum? Weil sie es können!
Der Motor von Bugatti Veyron und Chiron ist weniger ein Aggregat als ein Manifest. Denn als der Volkswagen-Konzern Anfang der 2000er Jahre unter der Leitung von Ferdinand Piëch beschloss, ein Serienauto für über 400 km/h zu bauen, musste ein Motor entstehen, der eigentlich unmöglich war: der 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern.
Technisch besteht er aus zwei extrem schmalen VR8-Motoren, die zu einem 16-Zylinder-Block verschmelzen. Ergebnis: 1001 PS im Veyron, später 1500 PS im Bugatti Chiron.
Doch die üblichen Zahlen erzählen nur die Hälfte der Geschichte. Spannender sind ein paar Eckdaten, über die bei normalen Motoren keiner spricht: Der W16 saugt pro Minute mehr Luft an als ein Mensch an einem Tag. Er verbrennt bei Vollgas über einen Liter Benzin pro Minute. Und er erzeugt so viel Hitze, dass mehrere Kühlsysteme nötig sind.
Technisch war der W16 ein Grenzexperiment: vier Turbolader, zehn Kühler, ein Motorblock so groß wie ein Koffer. Vernünftig? Nein! Aber genau darin liegt seine Faszination. Der W16 ist die vielleicht spektakulärste Demonstration dessen, was Ingenieure bauen können, wenn ihnen niemand die Grenzen aufzeigt.
Chevrolet Small Block V8: Der Herzschlag einer Nation
Der Chevrolet Small Block ist wahrscheinlich der berühmteste V8 der Welt. 1955 erschien die erste Version mit 4,3 Litern Hubraum im Chevrolet Corvette (C1). Von da an wurde der Motor über Jahrzehnte ständig weiterentwickelt – mit 5,0, 5,7, 6,2 Litern und zahllosen Varianten.
Das Konzept war und ist genial einfach: kompakt, leicht, robust und relativ günstig zu produzieren. Genau deshalb landete der Small Block überall – in Sportwagen, Coupés, Pickups, Limousinen und Hot Rods. Er war der Motor der amerikanischen Performance-Kultur.
In der Chevrolet Corvette entwickelte er sich über Generationen weiter bis zu heutigen Versionen mit über 500 PS. Doch selbst die frühen Varianten waren beeindruckend: viel Hubraum, viel Drehmoment, wenig Komplexität. Der Small Block wurde millionenfach gebaut und ist bis heute Grundlage unzähliger Renn- und Tuningprojekte.
Es gibt sicherlich stärkere Motoren. Exotischere. Technisch raffiniertere. Aber kaum ein Motor hat die PS-Kultur im Mutterland der Petrolheads so sehr geprägt.
VW 1.9 TDI: Der Diesel, der Europa bewegte
Er ist weder laut noch glamourös. Doch kaum ein Motor hat zumindest in Europa den Alltag so verändert wie der VW 1.9 TDI. 1991 erschien der erste Turbodiesel mit Direkteinspritzung im Audi 80. Kurz darauf verbreitete er sich im gesamten Volkswagen-Konzern – vom Volkswagen Golf über den Volkswagen Passat bis zu Skoda und Seat.
Die Idee war revolutionär: Diesel sparsam wie immer – aber plötzlich auch schnell. Mit Leistungen zwischen 90 und 150 PS und enormem Drehmoment veränderte der TDI das Bild des Selbstzünders. Autobahnfahrer liebten ihn: schnell, sparsam und praktisch unzerstörbar.
Seine Technik – Turbolader, Direkteinspritzung, später Pumpe-Düse – wurde zum Standard moderner Diesel. Der 1.9 TDI war grundsätzlich kein emotionaler Motor. Er sang keine Oper. Aber er brachte Millionen Menschen über Millionen Kilometer – effizient, zuverlässig und mit erstaunlicher Kraft. Manchmal geht es eben auch ohne Drama.
Weitere Motoren die sich eingeprägt haben
Und was ist mit BMW? Keine Motorenstory kommt ohne die Münchner aus, deswegen sollte der legendäre S54 wenigstens im Nachwort erwähnt werden. Dieser hochdrehende Reihensechszylinder aus dem E46 M3 gilt als einer der besten Saugmotoren überhaupt. Mit bis zu 8.000 U/min, individueller Drosselklappensteuerung und einem unverwechselbaren Klang verkörpert er klassische BMW-M-Technik auf höchstem Niveau. Aber auch die Honda B16/B18 VTEC-Serie, der VW VR6 oder der Ferrari F136 V8 gelten als Sahnestücke moderner Motorenbaukunst. (Text: tv, bb/sp-x | Bilder: Hersteller)
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