Umweltbonus 2023 und Verbrenner-Aus – wie geht es weiter?

Bundesfinanzminister Christian Lindner hat gesprochen, doch zum Thema E-Auto und Förderung hat er am 1. Juli 2022 nichts verlautbaren lassen. An diesem Tag hat Lindner den Haushaltsentwurf 2023 vom Kabinett absegnen lassen, Details zum Umweltbonus blieb er allerdings schuldig. Klar ist, dass im kommenden Jahr die sogenannte Schuldenbremse wieder greifen soll, welche die Neuverschuldung des Bundes auf ein Minimum reduziert. Ob hier noch Raum für kostspielige E-Auto-Förderprogramme ist, darf deutlich angezweifelt werden.
Stellen wir uns also lieber auf ein Ende des Umweltbonus, wie wir ihn kennen, zum 1. Januar 2023 ein. Und dann? Ein für Neuzulassungen anwendbares Bonus-Malus-System für die Kfz-Steuer ist innerhalb der Ampel-Koalition im Gespräch und soll laut „Handelsblatt“ eine Art Deal zwischen Grünen und FDP sein. Hintergrund ist das Ende Juni beschlossene Verbrenner-Aus auf EU-Ebene für 2035, das federführend durch die Liberalen, aber gegen den Willen der Grünen, mit einer Hintertür für synthetische Kraftstoffe (sogenannte E-Fuels) aufgeweicht wurde.
E-Fuel-Unterstützer positionieren sich Mehrgleisig
Damit ist der Verbrennungsmotor – theoretisch – auch nach 2035 in der EU noch zulassungsfähig, solange er mit CO2-neutralem Kraftstoff betrieben wird. Ob bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts ausreichend bezahlbarer synthetischer Kraftstoff, effizient produziert aus nachhaltigen Energiequellen, zur Verfügung steht, ist heute allerdings noch nicht absehbar. Auch E-Fuel-Unterstützer wie Porsche tragen der unsicheren Ausgangslage Rechnung und positionieren sich, trotz des FDP-Achtungserfolgs, mehrgleisig.
Ein Porsche-Unternehmenssprecher teilte AutoScout24 mit:
„Das Europäische Parlament spricht sich dafür aus, ab 2035 keine Neufahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen und forciert damit in Europa die Transformation hin zur Elektromobilität. Wir leisten mit der konsequenten Elektrifizierung unserer Modellpalette unseren Beitrag. Unsere Mission ist klar: Wir wollen elektrisch in die Zukunft fahren und eine technologische Vorreiterrolle übernehmen. Porsche setzt sich dafür ambitionierte Ziele: In 2030 soll der Anteil aller Neufahrzeuge mit einem vollelektrischen Antrieb bei mehr als 80 Prozent liegen. Zugleich soll Porsche in 2030 bilanziell CO2-neutral sein.
Ungeachtet dieser Entscheidung des Europäischen Parlaments sind eFuels für uns nach wie vor eine sinnvolle Ergänzung zur Elektromobilität: Die mit regenerativen Energien aus Wasser und Kohlendioxid hergestellten eFuels erlauben einen potenziell nahezu CO2-neutralen Betrieb von Ottomotoren. Angesichts des hohen Bestandes an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren – weltweit über 1,3 Milliarden – erfolgt der Hochlauf der Elektromobilität nicht schnell genug, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Zudem entwickeln sich die Regionen auf der Welt unterschiedlich schnell in Richtung Elektromobilität, so dass auch in Jahrzehnten noch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren unterwegs sein werden. Mit eFuels kann der Fahrzeugbestand einen Beitrag zur schnellen CO2-Reduktion leisten. Die synthetischen Kraftstoffe sind Verkehrssektor übergreifend interessant: Für die Automobilindustrie ebenso wie für die Luftfahrt- und Schifffahrtsindustrie.“
Kommt das Bonus-Malus-System für die Kfz-Steuer?
Ein Bonus-Malus-System, angeregt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz unter Führung von Robert Habeck (Grüne), würde indes vorsehen, dass Benziner und Diesel mit hohen Verbräuchen und folglich höherem CO2-Ausstoß steuerlich noch stärker belastet werden. Sparsame Verbrenner hingegen werden wie heute schon weniger stark zur Kasse gebeten, reine Stromer können mit einer Gutschrift beziehungsweise einem Bonus rechnen. Ob das dann eine Einmalzahlung oder als jährliche Dreingabe zu verstehen ist, ist bislang nicht klar.
Fest steht nur: Die aktuell geltende Innovationsprämie mit verdoppeltem staatlichen Umweltbonus wird auf neue Elektroautos und Plug-in-Hybride noch bis zum 31.12.2022 gewährt. Für reine Stromer gibt es von Staat und Industrie bis zu 9.000 Euro Netto-Förderung, für Plug-in-Hybride bis zu 6.750 Euro. Währenddessen haben Autobauer wie Mazda (unter bestimmten Voraussetzungen) angekündigt auch 2023 die volle Förderung für einzelne (Teilzeit-)Stromer zu übernehmen, falls das 2022 bestellte Fahrzeug aufgrund von Lieferschwierigkeiten nicht mehr pünktlich zugelassen werden kann. (Text: tv)
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