Erstkontakt Kia Sportage: grün, groß, gediegen

Die Koreaner beherrschen die Salami-Taktik mittlerweile mindestens so gut wie die großen europäischen Hersteller. Nach Teasern folgen erste vage Informationen, dann ein paar weitere Details und schließlich kommt es zum Erstkontakt im Studio. Auch wenn diese Termine keine Aussagekraft über das Fahrverhalten bringen, so lässt sich gerade in Sachen Gestaltungseindruck, Praktikabilität und Haptik ein intensiver erster Eindruck bilden.
Vor allem beim Thema Design verlässt der neue Kia Sportage (Fahrzeug steht noch nicht zum Verkauf, Homologation ausstehend²) die Pfade seiner vorangegangenen vier Generationen. Er ist neben dem EV6 das zweite Modell seit der Neuerfindung und Neuausrichtung der Marke aus Seoul. Entsprechend dem neuen Motto soll er inspirieren, selbstbewusst auftreten und sogar Trends setzen. Das gelingt der Neuauflage. Denn der Sportage ist ein Charakterkopf. Seine ganz eigene Interpretation des klassischen Markengesichts darf als selbstbewusst bezeichnet werden. Kia nennt es „Digital Tiger Face“, bestehend aus mächtigem Kühlergrill in hochglanzschwarz mit edel eingearbeiteten Chrom-Elementen, sowie LED-Leuchten, die in verschiedenen Ebenen angelegt sind.
Jetzt lesen: Sitzprobe Kia EV6
Eine selbstbewusst-angriffslustige Front mit Matrix-LED-Hauptscheinwerfern
Die Hauptscheinwerfer funkeln dabei im Matrix-Layout, können also vollaktiv aufblenden und Vorausfahrende wie Entgegenkommende ausblenden. Nicht nur hier zeigt der Kia Sportage die Hingabe zu neuesten Technologien. Auch das elektronisch gesteuerte Fahrwerk mit adaptiver Dämpfung ist in der Klasse der kompakten SUV keine Selbstverständlichkeit. Vollendes auf der Höhe der Zeit ist der Antriebsstrang, denn fast ausnahmslos sind alle Triebwerke der Sportage elektrifiziert.
Nur der Einstiegs-Diesel mit 85 kW/115 PS muss ohne Stromunterstützung auskommen. Der große Diesel, allerdings ebenfalls nur ein 1,6-Liter-Vierzylinder, mit 100 kW/136 PS sowie die beiden Benziner mit 110 kW/150 und 132 kW/180 PS kommen als 48V-Mildhybrid. Wie schon beim Sorento gibt es zudem einen Vollhybriden, der eine Systemleistung von 169 kW/230 PS mitbringt. Sein ottomotorischer Partner ist ein 1,6-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 132 kW/180 PS. Als Topmodell fungiert der Plug-in Hybrid. Mit einer Systemleistung von 195 kW/265 PS ist er nicht nur dem Sparspaß, sondern sicher auch für eine ordentliche Portion Fahrspaß gut. Rein elektrisch dürfte die 13,8 kWh-Batterie für knapp 60 Kilometer Reichweite sorgen.
Der Kia Sportage soll überall zuhause sein – besonders als PHEV in der Stadt
Je langsamer dabei gefahren wird, desto besser für den 66,9 kW starken Elektromotor. Vor allem in der Stadt findet er sein ideales Betätigungsfeld. Hier dürfte sich sowieso der natürliche Lebensraum des Kia Sportage befinden. Denn mit seiner Länge von 4,51 Meter ist er gerade noch gut zu parken, bietet aber dennoch Platz für die ganze Familie inklusive Gepäck.
Vorläufig sind es 591 Liter, die das kompakte SUV wegpackt, je nach Neigung der Rücksitzbanklehne. Diese ist, wie auch schon bei den Vorgängern, weiterhin variabel verstellbar. So findet auch der Nachwuchs im Fond selbst auf den längsten Urlaubsfahrten immer eine bequeme Sitzposition. Unterhalten wird dieser sowieso bestens, denn an den Sitzlehnen der vorderen Reihe finden sich USB-C-Steckdosen, so dass dem Entertainment nie der Saft ausgeht.
Infotainment auf dem aktuellsten Stand der Technik und guter Bedienbarkeit
Im Kommandostand des Kia sowieso nicht, denn hier spielt sich die digitale Welt der Information auf einem breit gestreckten Glasdisplay ab. Zwei vollintegrierte 12,3-Zoll-Displays, das Arrangement wurde aus dem Elektroauto EV6 übernommen, lösen nicht nur fein auf, sondern bieten auch eine angenehm übersichtliche Menüstruktur. Over-the-air-Updates gehören ebenso zum guten Ton wie Cloud-basierte Navigation mit Echtzeit-Routenempfehlungen.
Im Ersteindruck macht der Kia Sportage vieles richtig. Er überzeugt mit einem guten Angebot an moderner Technologie, dazu stimmt trotzdem die Bedienbarkeit. Auch die Verarbeitung ist wertig, besonders die Display-Einheit und das Nahtbild der Sitze zeigt sogar besonders viel Fleiß. Kia hat aus den gut 750.000 Einheiten der Vergangenheit gelernt und die richtigen Weichen für die Zukunft gestellt.
Bleibt der Preis – doch den wollten die Koreaner im Studio noch nicht verlauten lassen. Aber wir haben es eingangs bereits angesprochen: Salami-Taktik. Der noch aktuelle Kia Sportage startet derweil ab knapp unter 23.000 Euro. (Text: Fabian Mechtel | Bilder: Hersteller
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