Der VW Golf GTI 8.5 auf einen Blick
- Standard-GTI jetzt mit 265 PS
- 0-100 km/h in 5,9 Sekunden
- Aufgewerteter Innenraum
- Der perfekte Alltagssportwagen
- Grundpreis (Deutschland) ab 46.250 Euro
Modellgeschichte: Ohne Piëch gäbe es weder den GTI noch den Bentley Continental
Es kam das eine zum anderen, und so ergab es sich, dass ich gleichzeitig ein Bentley Continental Cabrio (bald mehr dazu) und einen Volkswagen Golf GTI zum Testen im Hof stehen hatte. Könnte also definitiv schlechter laufen. Aber wisst ihr, welche Bürde es ist, über diese beiden Autos zu schreiben? Der eine: ein 782 PS und 1.000 Nm (!) starker Aristokrat. Der andere: schlicht und ergreifend der Sportwagen fürs Volk. Und worin werden sie geeint? In ihrer „Piëchischen“ Abstammung.
Nun werden die ersten anmerken, dass Ferdinand Piëch gar nicht an der Entwicklung des ersten Golf GTI anno 1976 beteiligt war. Richtig (denn Dank gebührt unter anderem Anton Konrad) - und dennoch teilweise falsch. Denn zu dieser Zeit war der Österreicher bereits Vorstandsvorsitzender bei der Audi NSU Auto Union AG und verantwortete damit auch die Entwicklung des Audi 80 GTE, der nebenbei - Trommelwirbel - den Motor für den ersten GTI beisteuerte. Dass der Herr Doktor Ingenieur einer der führenden Treiber für die Übernahme und das Überleben von Bentley Ende der 1990er-Jahre war, ist dagegen deutlich bekannter.
Der Volkssportler, der überall gut aussieht
Ende der kleinen Geschichtsstunde - und damit zur Klarstellung, weshalb dies für den Test des Golf GTI der achten Generation mit Facelift überhaupt von Bedeutung ist. Man könnte meinen, wenn die Wahl zwischen beiden Autos bestünde, würde die Entscheidung automatisch auf den Bentley fallen. Doch will ich damit bei den Schwiegereltern aufkreuzen, mich dem Kreuzverhör der Nachbarn stellen und beim Einkaufen stets ans Ende des Parkplatzes ausweichen, damit mir keiner reinfährt?
Es sind zum Teil sehr einfache, sehr praktische Gründe, die mich während meiner Testzeit öfter als gedacht zum Schlüssel des GTI haben greifen lassen - vielleicht fehlt mir auch schlicht das nötige Spaziergeld, um einen Bentley, wie im Frankfurter Westend oftmals gesehen, als simples Verbrauchsauto zu sehen. Mit einem Golf GTI ist man da wesentlich „sicherer“ unterwegs. Gesellschaftlich eckt er nicht an, wirkt auf dem Discounter-Parkplatz genauso passend wie auf der Kiesauffahrt vorm Casino. Und wer die mittlerweile 265 Pferdchen unter der Haube zum Galopp animiert, wird überrascht sein, wie flink der Wolfsburger voranstürmt.
Natürlich ist ein Golf auch finanziell greifbarer, wenngleich er mit über 46.000 Euro längst kein Schnäppchen mehr ist. Dafür bereitet der Fronttriebler auf der heimischen Hausstrecke mit ihren Kurven und Schikanen stellenweise sogar deutlich mehr Fahrfreude als der große Brite. Vom Continental erwartest du das volle Halodrieprogramm, den Golf hingegen schieben viele vorschnell in die Ecke des Langweilers. Doch genau das Gegenteil ist der Fall - wie auch mein Vergleich zwischen dem GTI Clubsport und dem BMW M235i xDrive Gran Coupé vor einigen Wochen gezeigt hat.
Ist der Golf GTI Clubsport überflüssig?
Bereits die ersten Kilometer im kristalleisblauen Standard-GTI zeigen, dass es den ganzen Clubsport-Zierrat und die zusätzlichen 35 PS eher weniger braucht. Reinsetzen, Gestühl einstellen, Tempogebimmel sowie Spurhalteassi deaktivieren - und Spaß haben! Und es sei gesagt: Nach oben deutende Mundwinkel stellen sich mit Sicherheit ein. Denn so ein GTI im Speziellen und ein Golf im Generellen verkauft sich ja nicht ohne Grund so gut. Ganz gleich, welches SUV-Trumm ihm bei den Verkaufszahlen zu Leibe rücken will.
Mit dem letztjährigen Facelift zum Golf 8.5 wurde er auch endlich von vielen seiner Kinderkrankheiten befreit, das Interieur aufgewertet und die Bedienung um einiges sinnvoller, flotter und ansehnlicher. Aber all den neumodischen Krimskrams lassen wir an dieser Stelle einmal außen vor. Apple CarPlay funktioniert, die digitalen Instrumente sind leicht ablesbar – mehr braucht es selten. Dafür überzeugt die Sitzposition in den seitenhaltstarken Sesseln vorn genauso wie die Straßenlage.
Fahreindruck: Besser wird's nicht
Freilich ist hier kein hinterradgetriebenes „Freude-am-Fahren-AMG-gib-mir-mehr“-Modell am Start, aber der Standard-GTI liefert eine rasante und zugleich vorhersehbare Vorstellung ab. Mit leichtem Schub über die Vorderräder geht es in die nächste Kehre, bis die 19-Zöller wieder Halt gefunden haben und der 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder den Bock aus dem Scheitel katapultiert. In nur 5,9 Sekunden eilt der Hot Hatch auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird souverän bei Tempo 250 erreicht. Herz, was willst du mehr?
Selbst tönen kann der neueste GTI ganz anständig, wenngleich natürlich über einen Soundaktuator nachgeholfen wird. Aufgefallen ist mir indes, dass die Lenkung etwas arg straff abgestimmt ist und auch das definitiv empfehlenswerte DCC-Adaptivfahrwerk in der Comfort-Stellung eine Spur weicher dämpfen könnte. Geschmackssache - genauso wie die Arbeitsweise des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes. Es arbeitet normalerweise nahezu unmerklich und ist einem (nicht mehr erhältlichen) Handschalter wohl dahingehend auch überlegen. Hin und wieder bleiben ungewollte Schaltruckler und längere Zugkraftunterbrechungen dennoch nicht aus.
Verbrauch & Preis: Spaß kostet
Ach so: Richtig der Punk geht jenseits der 4.000 Touren ab, da baut sich der Zweiliter unter der weiterhin nicht mit Dämpfern ausgerüsteten Motorhaube schon mächtig auf. Spritverbrauch? Gut und gerne neun Liter während des Testzeitraums - mehr zügig denn bummelnd erfahren. Eben so, wie ein GTI gerne gefahren werden will.
Wie bereits im Text angerissen, ist der aktuelle VW Golf GTI allerdings kein Schnäppchen. Nach der jüngsten Preiserhöhung kostet der Volkssportler stolze 46.250 Euro - der Testwagen kommt gar an die 57.000 Euro heran. Auf der anderen Seite: Ein nackter BMW 318i mit überschaubaren 150 PS soll dieser Tage auch schon 46.600 Euro kosten. Aber auch dazu bald mehr.
Fazit
Reinsetzen, Sitz einstellen, eine gute Zeit haben! Der Golf GTI liefert auch knapp 50 Jahre nach seinem Debüt im Jahr 1976 immer noch alle wichtigen Zutaten für eine schnelle Zeit auf der Hausstrecke und darüber hinaus. Zudem ist kaum ein moderner Sportwagen derart alltagstauglich und seriös im Auftritt. Der größte Kritikpunkt: sein Preis. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber)
Technische Daten
Modell | VW Golf GTI (Facelift 2025) |
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Leistung | 265 PS (195 kW) |
Drehmoment | 370 Nm |
Motor | 2,0-Liter-Turbo-Vierzylinder (EA888 evo4) |
Antrieb | Vorderradantrieb |
Getriebe | 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 7,1 l/100 km |
CO2-Emissionen kombiniert | 162 g/km (WLTP) |
CO2-Klasse | F |
Beschleunigung (0–100 km/h) | 5,9 s |
Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h (elektronisch begrenzt) |
Abmessungen (L/B/H) | 4.289 mm / 2.073 mm / 1.466 mm |
Radstand | 2.631 mm |
Kofferraumvolumen | 374–1.230 l |
Tankinhalt | 50 l |
Leergewicht | 1.444 kg |
Zuladung | ca. 511 kg |
Grundpreis | ab 46.250 Euro |