Kurztest Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Super Sport: Dramatisch gut

Die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Super Sport auf einen Blick
- Auf 275 Stück limitiertes Sondermodell
- 2,9-Liter-V6-Biturbo mit 520 PS
- 600 Nm Drehmoment
- 2023 letztes Facelift mit LED-Leuchten
- Akrapovic-Abgasanlage ab Werk
- Grundpreis ab 97.500 Euro

Ein großer Name, für ein überschaubares Ausstattungspaket
Italiener mögen es gerne dramatisch. Und ein Drama kann sich bekanntlich auch in die Länge ziehen. So wie etwa bei der Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio. Auf dem Markt seit 2016, ist die südländische Grazie langsam reif fürs Altenteil. Als grandiose GTA(m) wurde sie ja eigentlich schon 2021 mit allerhöchsten Ehren in den Vorruhestand verabschiedet. Aber sie fährt halt immer noch besser als manch deutsche Neukonstruktion aus dem Jahr 2024. Und da sie erst im vergangenen Jahr, man kann dies südlich der Alpen durchaus als Meilenstein werten, endlich LED-Scheinwerfer erhalten hat, darf sie noch etwas länger tun.
Um das Käuferinteresse weiterhin am Leben zu halten, locken die Turiner derzeit mit der auf 275 Stück limitierten Quadrifoglio Super Sport. Das ist dann schon, blicken wir auf die Alfa-Historie, eine große Bezeichnung für ein ziemlich überschaubares Ausstattungspaket. Denn an den bekannten 520 PS hat sich nichts geändert. Wer genau hinschaut, erspäht vielleicht, dass das Kleeblatt auf den vorderen Kotflügeln nun auf einem schwarzen statt auf einem weißen Hintergrund ruht. Im Inneren gibt es (qualitativ sehr ansprechendes) rotfädiges Carbon und die eingestickte Zahl 275 in den Kopfstützen – that’s it.

Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Super Sport mit dramatisch guten Fahreigenschaften
Ach halt. Da war noch was. Zum neuen Modelljahr wurden auch die Assistenzsysteme nachgeschärft. Das bedeutet: Jetzt bimmelt es auch in der Giulia beständig ab einem km/h zu viel und das Ausstellen dieser Tortur gelingt nur über das weiterhin sehr behäbig reagierende Infotainment-System. Grazie mille nach Brüssel. Hat man sich dann aber erst einmal durch die Menüs gearbeitet, vielleicht sogar den Mut für den völlig losgelösten Race-Mode gefunden, dann vergisst man sie schnell – all die RS Audis, M BMWs und AMG Benzen.
Freilich fährt sich das alles nicht ganz so schlecht und da mögen Fahrzeuge dabei sein, die eine Giulia Quadrifoglio im Sprint ziemlich alt aussehen lassen. Aber irgendwann ist auch die längste Gerade zu Ende und spätestens dann schlägt die Stunde der feurigen Italienerin. Lediglich 1.735 Kilogramm (ein BMW M2 wiegt mehr) gilt es über eine der wohl besten Lenkungen überhaupt im Zaum zu halten. Präzise, leicht, ultrafein im Ansprechverhalten. Da schickt die Giulia den Bartl mit seinem Most direkt in die Wüste. Hier wird bester Barolo serviert!
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Die Giulia Quadrifoglio ist eine der letzten hinterradgetriebenen Sportlimousinen
Dass der vom Ferrari 488 V8 abgeleitete 2,9-Liter-V6-Biturbo ebenfalls ein Quell erhöhter Fahrfreude ist, bedarf wohl keiner großen Erwähnung mehr. Beim Klang hätten wir durch die serienmäßige Akrapovic-Abgasanlage zwar etwas mehr „Drama“ erwartet – aber mei, wo ein Wille, da ein Tuner. Mit Zorn und Hingabe gefahren, verlangt die Giulia aber hin und wieder nach einem verflixt schnellen Händchen. Denn wo Allrad bei den meisten deutschen Sportlimousinen mittlerweile hilft, die Leistung sicher auf die Straße zu bekommen, fallen die immerhin 600 Nm Drehmoment ab 2.500 U/min teils sehr ungnädig über die Hinterachse her. Das bereitet große Fahrfreud‘, kann aber auch für die ein oder andere Schweißperle auf der Stirn sorgen – besonders bei Nässe.
Kopfzerbrechen hat uns jedoch der Verbrauch bereitet. Der Turbo läuft und säuft bekanntlich – mehr als 20 Liter bei einer einigermaßen ambitionierten Fahrweise samt Hochgeschwindigkeitsetappen auf der Autobahn sind dann aber selbst für Sportwagenverhältnisse üppig. Wir haben uns jedoch von kundiger Besitzerhand versichern lassen, dass mit etwas mehr „Calma“ auch Verbräuche nahe der zehn Liter möglich sein sollen.

Fazit
Über sie wurde eigentlich schon alles geschrieben und dennoch ist es nie langweilig, über sie zu berichten: Die Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio wird seit acht Jahren gebaut, doch in den USA zeichnet sich mit dem neuen Dodge Charger bereits schemenhaft die Nachfolge-Generation ab. Ja, die nächste Giulia wird auf der gleichen STLA-Plattform stehen und nur die Turiner höchst selbst wissen wohl, wie sie das große Erbe, eines grandiosen Autos, in die Zukunft transferieren werden. Am Ende gilt: Ob Super Sport oder nicht, die Giulia Quadrifoglio ist es noch einmal wert, eine längere Runde gefahren zu werden. Denn egal wie: So leichtfüßig und dramatisch italienisch wird sie wohl nie wieder sein.
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