Mercedes C-Klasse EQ im ersten Check: BMW i3-Konkurrent mit 762 km Reichweite

Mercedes greift BMW an: Die vollelektrische C-Klasse EQ bietet bis zu 762 km Reichweite, Hyperscreen und neue Assistenzsysteme. Eine erste Sitzprobe zeigt, wie stark der Herausforderer der i3-Limousine wirklich ist - inklusive Technikcheck, und Preisprognose.

Die Mercedes-Benz C-Klasse EQ auf einen Blick:


Was uns gefällt

Das gleichermaßen kernige und elegante Design.

Was wir vermissen

Den ersten Fahreindruck. Wir sind heiß darauf.

Ideal wenn …

… einem die Neue Klasse zu futuristisch ist.

Die Alternativen

BMW i3 Neue Klasse, Tesla Model 3, Polestar 2


Stärken

  • Endlich wieder Walzen am Lenkrad
  • Hyperscreen mit Top-Auflösung
  • Neue Assistenzsysteme

Schwächen

  • Begrenzte Breite im Innenraum
  • Eingeschränkter Platz im Fond
  • Hoher Einstandspreis

26C0062 003

BMW kontra Mercedes: Das Duell geht in die nächste Runde

Es war immer schon das Duell der Duelle und wird heuer ganz besonders spannend. Denn Mercedes-Benz und BMW erfinden ihre wichtigsten Modelle neu. Sowohl die C-Klasse aus Stuttgart als auch der Dreier-BMW aus München kommen als voll elektrifizierte Autos mit Reichweiten zwischen 700 und 900 Kilometern auf den Markt und buhlen beide um die gehobene Mittelklasse-Kundschaft.

Im fernen Faro konnten wir schon mal Platz nehmen in der neuen elektrischen C-Klasse EQ, die parallel zu den herkömmlichen Verbrennern ab Sommer 2026 ausgeliefert wird. Sie soll neue Käuferschichten erobern, aber auch die traditionellen Kunden überzeugen. „In einer Welt, die vom permanent Neuen getrieben ist, sorgt die C-Klasse für wohltuende Beständigkeit“, dichten die Stuttgarter dazu in ihrer Pressemitteilung.

26C0062 057

Eigener Sternenhimmel gegen Aufpreis

In der Tat erinnert die coupéhafte Silhouette tatsächlich an das über zehn Millionen Mal verkaufte Erfolgsmodell. Allerdings steht diese C-Klasse massiver auf der Straße. Zumindest wenn man sich von hinten nähert. Die Designer haben der Karosserie nämlich ein knackiges GT-Heck verpasst mit einem fein gezeichneten Spoiler, einem dunklen Lichtband und vertikalen Lichtauslässen. Die Frontpartie erinnert hingegen an den neuen GLC. Beherrscht wird sie von dem mächtigen Kühlergrill, der optional mit 1.050 illuminierbaren LEDs bestückt werden kann. Das Tagfahrlicht ist sternförmig wie bei der S-Klasse, genauso die Heckleuchten. Und wer noch mehr Stars sehen will, der bestellt sich zum serienmäßigen Panoramadach noch die Sky Control. Damit kann man das Glas nicht nur nach Segmenten dimmen, sondern bekommt sein eigenes Firmament mit 162 unterschiedlich beleuchtbaren Himmelskörpern. Premiere hatte das schon im Mercedes-Benz CLA.

Womit wir schon beim Interieur sind. Ähnlich wie die Front wird es von einem einzigen Element beherrscht. Der (optionale) 99,3 Zentimeter breite Hyperscreen erstreckt sich nahtlos über das gesamte Armaturenbrett. Damit wird aus der C-Klasse die hohe C-Klasse, weil noch nicht einmal die neue S-Klasse diesen Bildschirm bekommt. Er hat eine sehr hohe Auflösung mit über 1.000 einzelnen LEDs und wird grafisch von einer Unity-Game-Engine gepowert. Neu ist die doppelstöckige Mittelkonsole, die über ein Staufach und zwei Ladeschalen verfügt. Auch die Lautstärke-Walze fehlt hier nicht. Sie kehrt übrigens auf das Lenkrad zurück, genauso wie die Wippe zum Einstellen der Distronic. Manchmal ist der Kundenwunsch dann doch König.

MG11822

Mehr Radstand, mehr Platz vorne

Zurück zur Mittelkonsole: Sie ist durch ein beidseitig geschwungenes Zier-Teil mit der Instrumententafel verbunden. Fahrer und Beifahrer fühlen sich dadurch ein wenig eingebaut, obwohl eigentlich ausreichend Raum vorhanden ist. Denn im Gegensatz zur Verbrenner-C-Klasse hat die Elektrovariante einen zehn Zentimeter längeren Radstand, die Karosserie dürfte sich damit auf knapp 4,90 Meter strecken. Vorn sitzt man gut – mit mehr Bein- und Kopffreiheit als beim Vorgänger. Hinten geht es nicht ganz so üppig zu, eigentlich erstaunlich für ein fast fünf Meter langes Auto. Und die Beine muss man auch leicht anwinkeln, weil der Fahrzeugboden wegen der im Boden verbauten Batterie höher ist.

Der Kofferraum bietet mit 470 Litern ordentlich Platz. Im Frunk kommen noch mal 101 Liter dazu. Ausreichend für einen Handgepäcks-Trolley. Bei den verwendeten Materialien her lässt sich die C-Klasse gegen entsprechenden Aufpreis fast wie eine S-Klasse ausrüsten. Nappa-Leder mit Rauten-Perforation und Kontrast-Nähen ist im Angebot, genauso wie Holzdekore und Chrom-Applikationen, die wie bei den rechteckigen Lüftungsdüsen auf dem Armaturenbrett aber schon mal in Kunststoff ausgeführt sind.

26C0062 054

Rückfahrassistent manövriert autonom aus der Sackgasse

Bei den Assistenzsystemen fährt Mercedes-Benz so ziemlich alles auf, was der technologische Baukasten so zu bieten hat. Ganz neu ist die Rückfahrfunktion, wenn sich der Fahrer beispielsweise in einer Sackgasse ohne Wendemöglichkeit verfranzt hat. Dann kann die elektrische C-Klasse selbstständig rückwärts herausmanövrieren. Das funktioniert deshalb, weil sich das Auto den Weg merkt. Rund 100 Meter zeichnen die 27 Kameras und Sensoren auf und stellen diese Daten dann bei Bedarf zur Verfügung.

Wir konnten diese Funktion auf einer präparierten Teststrecke mit Strohballen und Pylonen ausprobieren. Schon beeindruckend, wie sich das Fahrzeug rückwärts den Parcours zurückgeschlängelt hat. Dieses Feature kann allerdings erst im Verlauf des Jahres over-the-air nachgerüstet werden. Schon jetzt zur Verfügung steht hingegen der Kauf von Autobahn-E-Vignetten via Bord-App. Man bestellt sie unkompliziert über den Mercedes-Store. Ein PIN für die Bezahlung ist dabei nicht erforderlich, das erledigt das System mit Gesichtserkennung per Bordkamera.

26C0062 001

4,1 Sekunden von 0 auf 100 – schon der C 400 ist sportlich

Kommen wir zur Hardware der Mittelklasse-Limousine. Zunächst kommt sie als C 400 4matic auf den Markt – mit 340 kW / 426 PS und Allrad. Das Antriebslayout kennt man schon von CLA und GLC. Das heißt, auf jeder Achse sitzt eine E-Maschine. Hinten wird die Kraft mit einem Zwei-Gang-Getriebe übertragen. Das zahlt auf die Effizienz ein. Mercedes will auf der Langstrecke damit einen Wirkungsgrad von 93 Prozent von der Batterie bis zum Rad erreichen. Gleichzeitig soll diese C-Klasse zur sportlichsten C-Klasse werden.

Schon der 400er rennt in 4,1 Sekunden von 0 auf 100. Ganz zu schweigen von den noch folgenden AMG-Varianten. Am unteren Leistungsende stehen C 200 und C 250, die etwas später kommen werden und mit einem reinen Heckantrieb ausgestattet sind. Bei den Fahrwerken kann man zwischen Stahl- oder Luftfeder wählen. Letztere verwendet auch Schwarmdaten von anderen Fahrzeugen, um rechtzeitig Straßenschäden wie Schlaglöcher oder lange Bodenwellen zu erkennen. Und wer den Fahrkomfort noch steigern will, bestellt sich die Hinterachslenkung dazu, die bis zu 4,5 Grad einschlägt und den Wendekreis damit auf 11,2 Meter drückt.

Mit dem 94,5 kWh (netto) großen Akku will der C 400 immerhin rund 760 Kilometer (Hecktriebler bis zu 800 km) schaffen. Mercedes geht dabei von einem Energieverbrauch von 14,2 bis 18,6 kWh aus. An der elektrischen Zapfsäule soll es dank 800-Volt-Technik im Idealfall ziemlich schnell gehen. Die C-Klasse tankt mit einer Spitzenleistung mit bis zu 330 kW auf, das wären 320 Kilometer in zehn Minuten. Zum Vergleich: BMW will mit dem vergleichbaren i3 50 xDrive bis zu 900 Kilometer Reichweite bieten. Der Akku fasst netto 108,7 kWh und die Ladeleistung liegt in der Spitze bei 400 kW.

MG11652

Erstes Fazit

Bei Mercedes stehen die Zeichen auf Angriff. Mit der neuen vollelektrischen C-Klasse EQ treten die Stuttgarter nicht nur gegen den Hauptkonkurrenten BMW an, der mit der i3 Limousine schon gut vorgelegt hat. Sondern man will auch die immer besser werdende Konkurrenz aus Südkorea und China in Schach halten. Die neue C-Klasse jedenfalls hat das Zeug dazu. Sie sieht kernig und elegant gleichermaßen aus, sie bietet Technik auf neuestem und höchstem Niveau. Und wenn man genügend Kleingeld mitbringt, kann man aus der elektrischen C-Klasse einen Luxusliner machen, die sogar dem hausinternen Flaggschiff, der S-Klasse, Konkurrenz macht. Jetzt kommt es ganz auf den Grundpreis an, ob sich dieser elektrische Mercedes auch in der Breite durchsetzen kann. Der C 400 dürfte bei knapp unter 70.000 Euro landen, beim Einstiegsmodell gehen Schätzungen von rund 55.000 Euro aus. (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller).

Artikel teilen

boegel-avatar.jpg

Rudolf Bögel

Rudolf Bögel ist seit 2022 freier Redakteur bei AutoScout24. Er schwärmt für elegante Limousinen und drehfreudige Saugmotoren, fährt privat jedoch überwiegend elektrisch: im Honda e, gespeist von der eigenen PV-Anlage. Seine heimliche Leidenschaft gilt Oldtimern – vom Mercedes-Benz 190 „Heckflosse“ über den Triumph Spitfire Mk II bis hin zum Ford Granada Coupé 2.6 Ghia. Über Geschmack lässt sich streiten, über gute Autos nicht.

Finde jetzt Mercedes C-Klasse auf AutoScout24

Alle Artikel

Alle ansehen
mercedes-glc-rdf-titel

Mercedes GLC 400 im Test: Technologie-Offensive gegen BMW

Über 700 Kilometer Reichweite, beleuchteter Grill, ein Meter großer Bildschirm - Mercedes-Benz fährt beim neuen Mittelklasse SUV GLC groß auf. Kein Wunder: Das Elektroauto tritt gegen den iX3 von BMW an. Erster Fahrtest mit dem GLC 400 4MATIC, der in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 spurtet.

Mehr lesen
Mercedes GLC 400 im Test: Technologie-Offensive gegen BMW
Mercedes Benz CLA 200 4Matic Hybrid 2026_seitlich

Mercedes-Benz CLA 200 4Matic (2026) im Test: Hybrid mit Eigenheiten

Mit dem Mercedes-Benz CLA 200 4Matic haben die Stuttgarter neben dem rein elektrisch angetriebenen viertürigen Coupé jetzt auch eine Hybrid-Variante im Programm. Wie sich der Kurzzeitstromer fährt und was er im Alltag sonst noch zu bieten hat, zeigt der Test unserer österreichischen Kollegen.

Mehr lesen
Mercedes-Benz CLA 200 4Matic (2026) im Test: Hybrid mit Eigenheiten
20251204-DSC09081

Mercedes S-Klasse Facelift (2026): Viele Sterne, wenig Revolution

Zum Erfolg verdammt: Die neue S-Klasse von Mercedes-Benz will die Kunden zurückerobern. Mit einem neuen Motorenprogramm und allerhand Schnickschnack wie etwa einem leuchtenden Kühlergrill und beheizbaren Sicherheitsgurten. Ein neuer Star oder nur ein Sternchen? Wir waren bei der Premiere.

Mehr lesen
Mercedes S-Klasse Facelift (2026): Viele Sterne, wenig Revolution