Test: Mercedes CLK 500 Cabrio – Ausgereift

Schick sieht er aus, unser offener, cubanitsilberner CLK 500, bedacht mit einem grauen Stoffverdeck. Wie es sich eben für ein Cabrio gehört. Ein Blechdach würde dem Stuttgarter Viersitzer auch gar nicht stehen - der Nachfolger soll ebenfalls wieder eine Stoffhaube bekommen.

Bevor es aber soweit ist, haben wir den Klassiker noch mal getestet.
Ebenso schick wie außen geht es auch im Innenraum zu, wenngleich merklich antiquierter: Der CLK basiert noch auf der alten C-Klasse-Generation. Die Fensteröffner sind ungünstig im Türfach platziert, eine riesige Plastik-Kontrolleinheit dient zur Spiegelverstellung.

Doch die Nostalgie mindert das Wohlfühlambiente nicht im Geringsten. Zumindest auf den vorderen Sitzen: zwei bequeme Sessel laden zum Entspannen ein, auch bei weiter Fahrt lassen sie keine Beschwerden zu. Derjenige, der das CLK Cabrio allerdings als „viersitzig“  homologisiert hat, war ein Verfechter der Zwei-Klassen-Gesellschaft. Im Fond geht es wie üblich äußerst eng zu - in allen Richtungen.

Starker Antrieb

Mehr als üppig dimensioniert ist dafür der V8-Motor. In den fast fünfeinhalb Liter Brennraum werden bis zu 388 PS erzeugt. Und die haben selbst mit einem Schwergewicht wie dem CLK Cabrio - der offene Benz wiegt 1,8 Tonnen - leichtes Spiel.

In nur 5,3 Sekunden katapultieren die vielen Pferde den Stuttgarter auf Tempo 100. Für bilderbuchmäßigen Durchzug sorgt ein maximales Drehmoment von 530 Newtonmetern. Und das im weiten Drehzahlbereich von 2.800 bis 4.800 Touren. Ohne Turbolader wohl gemerkt! Hubraum ist eben durch nichts zu ersetzen - außer Hubraum.

Komfort oder Sport

Die serienmäßig verbaute Sieben-Gang-Automatik könnte ihr Werk kaum besser verrichten. Die sanften Gangwechsel überzeugen, im Comfortmodus schaltet sie früh hoch, spät runter und macht den CLK zum optimalen Cruiser. Wechselt man in das Sportprogramm, dreht der Benz die Gänge weiter aus, reagiert spontaner auf Gasbefehle.

Einher geht das ganze mit einem Klang, den nur ein Achtzylinder bietet. Leise brabbelt das Aggregat im Schubbetrieb, um dann unter Volllast fröhlich vor sich hin zu röhren. Kaum vorstellbar, dass dieses Konzert aus nur einem, zugegebenermaßen großzügigen Endrohr kommt.

Für Sonnenanbeter

Gut zwanzig Sekunden braucht der CLK, um sich seines Verdecks zu entledigen. Leider zwingt er seinen Fahrer zu einer Pause, die Kinematik funktioniert nur bei komplettem Stillstand. Auf jeden Fall empfehlenswert ist das 388 Euro teure Windschott: Selbst bei geöffneten Seitenscheiben hält sich der Luftzug dann in Grenzen. Perfekt für nicht ganz so sonnige Tage.

Wie erwartet, hat Mercedes beim ewigen Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit ersterem den Vortritt gelassen. Doch ist der CLK bei weitem kein langweiliger Rentnerhobel - auch wenn ambitionierte Fahrer eine direktere Lenkung sowie straffer abgestimmte Federn und Dämpfer vermissen.

Ausreichend sportlich

Ohne Frage lässt sich das Cabrio flott über enge, kurvige Landstraßen manövrieren, meistert steile Bergpässe bravourös und macht dabei richtig Spaß. Vorteil der weicheren Auslegung: Das CLK Cabrio empfiehlt sich auch als Reiseauto auf der Autobahn.

Bei geschlossenem Verdeck ist das Geräuschniveau auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr niedrig. Das Kofferraumvolumen von 276 bis 390 Litern reicht für ein verlängertes Wochenende zu zweit allemal aus. Und wer mit bis zu 1,70 Meter langen Skiern in die Berge will, kann diese auf der Rückbank verstauen.

Angemessener Verbrauch

Den Normverbrauch gibt Mercedes mit 11,6 Litern Super pro 100 Kilometer an, bei unseren Testfahrten genehmigte sich der CLK durchschnittlich 12,3 Liter, entsprechend einem CO2-Ausstoß von etwas unter 300 Gramm pro Kilometer. Kein Vorbild in Sachen Umweltschutz, für solch ein potentes Fahrzeug aber allemal annehmbar.

Drastischer dürfte sich der Anschaffungspreis auf eine etwaige Kaufentscheidung auswirken. Mercedes bittet um mindestens 67.592 Euro für ein CLK 500 Cabrio Avantgarde. Auch wenn Schnickschnack wie Regensensor und das vollautomatische Verdeck zur Serie gehören, ist die Aufpreisliste lang und verteuert das Cabrio gewaltig.

Fazit

Urahn des in zweiter Generation gebauten CLK war das legendäre 124er-Cabrio, und diesem Erbe wird das aktuelle Modell durchaus gerecht. Ausgereift und ohne Tücken erweist sich das CLK Cabrio als perfektes Alltagsauto. Ausreichend Platz auf den Vordersitzen, großzügiger Stauraum (inklusive der Rückbank) und der starke, kultivierte Achtzylinder machen den CLK 500 zu Recht zu einem Traumwagen. Technische Finessen wie die  elektrischen Gurtreicher runden den offenen Benz ab.

Artikel teilen

Aktuelle Angebote

Alle Artikel

Alle ansehen
Mercedes VLE (2026)

Mercedes VLE (2026): Wenn Raum zur neuen Luxusform wird

Vans standen lange für Vernunft statt Emotion. Der neue Mercedes VLE dreht das um: mehr Fokus auf Raum, Komfort und Digitalisierung macht ihn zur Alternative zur Luxuslimousine. Unsere Kollegen in Österreich haben ihn bereits näher unter die Lupe genommen.

Mehr lesen
Mercedes VLE (2026): Wenn Raum zur neuen Luxusform wird
MG11644

Mercedes C-Klasse EQ im ersten Check: BMW i3-Konkurrent mit 762 km Reichweite

Mercedes greift BMW an: Die vollelektrische C-Klasse EQ bietet bis zu 762 km Reichweite, Hyperscreen und neue Assistenzsysteme. Eine erste Sitzprobe zeigt, wie stark der Herausforderer der i3-Limousine wirklich ist - inklusive Technikcheck, und Preisprognose.

Mehr lesen
Mercedes C-Klasse EQ im ersten Check: BMW i3-Konkurrent mit 762 km Reichweite
mercedes-cla-250-eq-2026-titelbild

Mercedes CLA 250+ EQ im Test: Ist er wirklich epochal?

Der Mercedes CLA 250+ EQ mit 800-Volt-Technologie verspricht bis zu 792 km Reichweite, starke Ladeleistung und souveräne Fahrdynamik. Im Test überzeugt die Elektro-Limousine mit Effizienz und Komfort - leistet sich aber bei Platzangebot und Software deutliche Schwächen.

Mehr lesen
Mercedes CLA 250+ EQ im Test: Ist er wirklich epochal?