Vergleichstest: Honda Accord Tourer vs. Mazda 6 Kombi vs. Toyota Avensis Combi – Japanpacker

Deutsche kaufen deutsche Autos, Franzosen französische und Japaner japanische.

Wir haben drei Japan-Kombis in Deutschland antreten lassen – natürlich mit den hier beliebten Diesel-Motoren, um zu prüfen, ob Honda Accord Tourer, Mazda 6 Kombi und Toyota Avensis Combi Alternativen zu VW Passat und Ford Mondeo sind. Kombi ist deutsch, Dieselmotor ist deutsch und die Farben Silber und Weiß sind (mittlerweile) auch deutsch. Somit haben die drei Japaner, die zum AutoScout24-Vergleich angetreten sind, per se gute Karten, bei „den“ Deutschen gut anzukommen.

Gerade erfolgtes Facelift

Am gefälligsten wirkt der gerade aufgefrischte Mazda 6. Seine fließenden Formen versprühen neben einer gehörigen Portion Dynamik auch noch Eleganz. Davon können der eher plump gezeichnete Honda und der spießig wirkende Toyota nur träumen. Dabei hatten alle Designer ähnlich viel Platz, etwas Schönes zu entwerfen. Zwischen 4,75 und 4,80 Meter Länge und gut 1,80 Meter Breite messen die drei Japaner. Beim Radstand trennen sie lediglich 2,5 Zentimeter. So sind die Platzunterschiede im Innenraum sowohl hinten als auch vorne marginal. Lediglich beim Mazda stört der flache Verlauf der Windschutzscheibe, die dadurch sehr dicht am Fahrerkopf vorbeiwischt und ein Gefühl der Enge aufkommen lässt.

Keine Enge herrscht im Gepäckabteil des Mazda. Mit 519 Liter markiert er zwar nur den zweiten Platz hinter dem Avensis (543 Liter), beide bieten aber deutlich mehr als der Mini-Kofferraum des Accord. 406 Liter bei Normalstellung sind nicht einmal Kompakt-Klasse-Niveau. Auch nach dem Umklappen stehen lediglich 1.252 Liter zur Verfügung. Der Mazda schafft 1.751 Liter und liegt damit vor dem Avensis Combi (1.609 Liter). Das Umklappen der Rücksitze gelingt übrigens in allen Fällen ähnlich einfach, das Entnehmen der stets zweiteiligen Gepäckraumabdeckung ist wiederum überall etwas fummelig.

Verbesserungspotenzial

Die Innenraumverarbeitung ist bei Accord, Avensis und 6 gut. Zwar passen vor allem beim Honda nicht alle Spaltmaße und beim Mazda bewegt sich die gesamte Türverkleidung beim Senken der Seitenscheiben, wirklich Grund zur Klage gibt es aber nicht. Geklagt wird eher bei der Materialwahl. Das Leder auf den Mazda Sitz(-Wangen) und die bequemen, belederten Honda-Sessel riechen und fühlen sich nicht so an, wie man es sich wünscht. Im Mazda verwenden die Japaner außerdem billig wirkendes Plastik vor dem Schaltknauf und rund um die Klimaregelung, die silberfarbene Lackierung am unteren Bereich des Armaturenbretts könnte sowohl im Honda als auch im Toyota besser sein. Alles in allem trifft es wohl aber den Geschmack der asiatischen und US-amerikanischen Kundschaft.

Ähnlich sieht das bei der Bedienung aus. Warum sonst sind so viele Schalter beschriftet, so viele Tasten verstreut und scheinen viele Bedienelemente mehr dem Spieltrieb als der reinen Funktion dienlich. Zwar stellt einen die Bedienung der Fahrzeuge vor keine allzu großen Probleme (bis auf das aufpreispflichtige Honda-Navi), wie es aber übersichtlicher geht, zeigt – allen Deutschautohassern zum Trotz – der Passat.

Tolle Diesel

Anders sieht das bei den Motoren aus. Waren die Japaner noch vor Jahren notorische Dieselverweigerer, gehören die in diesem Vergleich alle 2,2 Liter großen Vier-Zylinder zu den besten Aggregaten im Segment. Besonders hervor tut sich der sanft schnurrende Accord-Diesel und der kaum ruppiger laufende Selbstzünder im Avensis. Beide Motoren leisten 150 PS und damit 13 weniger als Mazda seinem 2.2 MZR-CD gönnt. Der Mazda-Motor läuft dumpfer und etwas rauer und besitzt ein ausgeprägtes Turboloch.

Auf dem Papier hat er mit 360 Newtonmeter das höchste Drehmoment, das gefühlt jedoch erst ab 2.500 Touren zur Sache geht. Deutlich harmonischer erledigt das der Avensis, der gleichmäßig von unten anzieht. Der Toyota ist es dann auch, der die beste Sprintzeit in das Messgerät schreibt. 9,6 Sekunden messen wir für die 0-100-Übung, gefolgt von Accord und 6 mit jeweils zehn Sekunden. Erledigt wird diese Disziplin bei allen Testkandidaten mittels 6-Gang-Schaltegtriebe. Im Honda und im Mazda klappt das sehr knackig, im Toyota etwas wabbelig. Dafür greift die Mazda-Kupplung undefiniert und rupfig zu.

Sparsam und flink

Bei der Höchstgeschwindigkeit herrscht nahezu Einigkeit, rund 210 km/h laufen alle. Theoretisch hat der Mazda mit 5,4 Litern die Nase in Sachen Spritkonsum vorn. Praktisch ist jedoch der Avensis mit 7,4 Litern Sieger, vor dem Accord mit 7,7 Litern und dem Mazda 6 mit 8,1 Litern – obwohl er das geringste Gewicht mitbringt.

Wenige Kilos sind meist ein Vorteil beim Thema Fahrdynamik und Komfort. In der Tat wirkt der Mazda am dynamischsten, was vor allem durch die nach dem Facelift deutlich weichere (aber immer noch straffe) Abstimmung der Federung zu Stande kommt. An die Geschmeidigkeit des Toyota-Fahrwerks kommt der 6 aber nicht heran. Der Accord ist dem Komfortgedanken auch nicht abgeneigt und reiht sich direkt hinter den Avensis ein – ein perfekter Kilometerfresser. Der Mazda kann mit seiner Hoppeligkeit nerven. Zudem schwenkt sein Heck bei Lastwechseln schnell aus, so dass das ESP (abschaltbar) bei forcierter Gangart oft Arbeit bekommt. Accord und Avensis bleiben von solchen Reaktionen verschont. Beim Thema Bremsen schießen Mazda und Honda deutlich am Toyota vorbei. Zwar rauchen ab der vierten Messung auch seine Bremsen, sie überzeugen aber auch dann noch mit 35 Metern Bremsweg – 2,5 respektive 3,5 Meter früher als die anderen.

Ein Pro-Argument der Japaner greift beim Thema Geld. So sind die Listenpreise für geräumige Familien-Reise-Geschäftskombis attraktiv. Der Avensis 2.2 D-4D, wie die 150-PS-Version offiziell heißt, rollte in der fast Basisversion Sol ab 29.000 Euro nach Hause. Mit dabei: sieben Airbags, Klimaautomatik, Tempomat, CD-Radio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung, 17-Zoll-Leichtmetallrädern und weiteren Kleinigkeiten. Wer Leder will, zahlt 4.350 Euro extra, da es das nur in der Version Executive gibt. Der Mazda kostet in der getesteten Sports-Line-Ausstattung 32.390 Euro. Die Basisversion Center-Line beginnt bereits bei 28.090 Euro, besitzt dann aber beispielsweise weder Tempomat noch Nebelscheinwerfer und auch der Licht- und Regensensor fehlt im Vergleich zum Toyota. Der Honda Accord Tourer 2.2 i-DTEC kann da nicht mithalten. Er startet erst bei 30.750 Euro in der in der Version Elegance. Diese beinhaltet jedoch keine gravierende Mehrausstattung als Avensis Sol und Mazda 6 Center-Line bieten. Die gefahrene Executive-Variante kostet 35.690 Euro.

Technische Daten
Marke und Modell Honda Accord Tourer 2.2 i-DTEC Mazda 6 2.2 l MZR-CD Toyota Avensis D-4D
Executive Sports-Line Sol
Abmessung und Gewicht
Länge/Breite/Höhe (mm) 4.750 / 1.840 / 1.470 4.785 / 1.795 / 1.490 4.765 / 1.810 / 1.480
Radstand (mm) 2.705 2.725 2.700
Wendekreis (m) 11,8 11,8 10,8
Leergewicht (kg) ab 1.703 ab 1.575 ab 1.635
Kofferraum (Liter) 406 519 543
Bereifung Testwagen 225/50 R17 Yokohama db decibel E70 225/45 R18 Dunlop SP Sport 2050 215/55 R17 Bridgestone Turanza
Motor
Hubraum (ccm) / Bauart 2.199 / 4, Reihe 2.184 / 4, Reihe 2.231 / 4, Reihe
Leistung (kW / PS) 110 / 150 120 / 163 110 / 150
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen 350 / 2.000 - 2.500 360 / 1.800 - 3.000 340 / 2.000 - 2.800
Antriebsart Frontantrieb Frontantrieb Frontantrieb
Getriebeart 6-Gang-Handschalter 6-Gang-Handschalter 6-Gang-Handschalter
Verbrauch
Krafstoffart Diesel Diesel Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km) 5,8 5,4 5,6
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm 154 / Euro 5 143 / Euro 5 150 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km) 7,7 8,1 7,4
Fahrleistungen
Werksangabe 0-100km/h (s) 9,8 9,2 9,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s) 10 10 9,6
AS24-Bremstest 100-0km/h (m) 38,5 37,5 35
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 207 211 210
Preise
ab (Euro) 35.690,00 32.390,00 28.950,00
Empfohlene Extras Keine Keine Für den gleichen Preis die Ausstattungsvariante Edition wählen
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Eine Alternative zu den deutschen Mittelklasse-Kombis sind die drei Japaner in jedem Fall, denn man spart im Vergleich zum schwächeren Passat Variant 2.0 TDI rund 3.000 Euro. Wer daher ausschließlich nach Preisleistung geht, kommt am Toyota Avensis 2.2 D-4D Sol nicht vorbei. Er bietet das komfortabelste Fahrwerk, das zugleich sehr sicher auf der Straße liegt, die besten Fahrleistungen, die besten Bremsen und den niedrigsten Verbrauch bei größtem Kofferraum (Rücksitz-Normalstellung).

Der Honda Accord überzeugt mit einem leise laufenden Vier-Zylinder-Diesel, patzt jedoch bei der Disziplin, die für viele Kombi-Käufer das A und O ist: Platz bietet er im Kofferraum nämlich wenig. Er eignet sich daher besonders für entspannte Langstrecken ohne Gepäckraumansprüche.

Mehr Platz im Heck bietet der Mazda 6 Combi 2.2 l MZR-CD. Nach seiner Überarbeitung wurde er noch etwas hübscher und weniger unkomfortabel. Komfort ist aber dennoch nicht seine Paradedisziplin. Zudem könnte die dicht vor der Stirn befindliche Windschutzscheibe stören. Der Dieselmotor hat ein ausgeprägtes Turboloch, das man nach kurzer Eingewöhnung zu meiden versucht. Ab zweieinhalbtausend Touren geht’s heftig los. Vielleicht ist er auch deswegen der Durstigste im Bunde.

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