Test VW Golf 8 R Black Edition: Traum-Golf zum Fantasiepreis

Der VW Golf R Black Edition auf einen Blick
- Golf R Facelift seit 06/24
- 333 PS und 420 Nm Drehmoment
- 0-100 km/h in 4,6 s; Vmax 270 km/h
- Agiles Fahrverhalten
- Verbessertes Infotainment-System
- Grundpreis (Deutschland): ab 59.590 Euro
Golf 8.5 Facelift | Design & Preise | Fahreindruck | Infotainment & Innenraum | Fazit
Golf 8.5 2024: Das Facelift, auf das wir lange warten mussten
Was wurde über den Volkswagen Golf VIII seit seiner Markteinführung Ende 2019 gemeckert und gelästert. Er sei die erste Golf-Generation in der damals 45-jährigen Geschichte des Kompaktwagens, die keine echte Innovation zu bieten hatte. Aus Spargründen nutzt sie bis heute die gleichen Scheiben wie der Golf VII. Und dann der Innenraum: Alles ein bisschen weniger wertig als bisher, bedientechnisch auf das Wesentliche reduziert und mit einem instabilen Infotainment-System sowie unbeleuchteten Touch-Slidern ausgerüstet.
Die Liste der Kritikpunkte ließe sich noch erweitern, aber hier geht es ja um das im Februar für den normalen Golf und im Juni 2024 für das R-Modell vorgestellte Facelift. Der Golf 8.5 will vieles besser machen, und wir schieben gleich an dieser Stelle voraus: Ja, die Änderungen waren wichtig und sind gleichermaßen gut umgesetzt worden.
Design & Preis: Die Black Edition ist serienmäßig weiß lackiert
Äußerlich wurden Details angepasst: Besonders beim Golf R wirkt die Frontpartie nun etwas aggressiver, was maßgeblich an der zerklüfteten Stoßstange liegen mag. Die modellabhängig optionalen Matrix-LED-Scheinwerfer tragen neue „Lidschatten“, und erstmals ist das VW-Logo beim Golf beleuchtet. Die optischen Besonderheiten der allseits schwarzen und hier gefahrenen Black Edition? Schwarze 19-Zoll-Felgen, schwarze Bremssättel, schwarze R- und VW-Logos, schwarze "Black"-Logos an den B-Säulen, eine schwarze Abgasanlage, getönte Scheiben sowie die riesige „Frittentheke“ des Performance-Pakets. Und nein, den dunklen Außenlack haben wir an dieser Stelle nicht vergessen, denn Grenadillschwarz kostet bei der Black Edition stolze 810 Euro Aufpreis – das muss man sich erst einmal ausdenken.

Wer übrigens an der Optik Gefallen gefunden hat, sich aber über den Grundpreis von durchaus selbstbewussten 59.590 Euro des VW Golf R Black Edition echauffiert: Der normale Golf R ist mit optionalen 19-Zöllern, Performance-Paket und den Matrix-Leuchten gerade einmal 535 Euro günstiger. Die Black Edition ist somit rein rational gesehen der bessere Deal. Wobei: Was ist bei einem Testwagen, der am Ende für 67.170 Euro vor uns steht, schon rational? Lassen wir die uneingeschränkte Alltagstauglichkeit des Golf R an dieser Stelle kurz außer Acht, so gibt es für so viel Geld halt auch eine feudal zu fahrende Toyota Supra mit Reihensechszylinder-Handschalter oder das fünfzylindrige Plattform-Geschwisterchen Audi RS 3 zu kaufen.
Fahreindruck: Feiner abgestimmt als ein Audi S3
Nicht erst seit gestern kratzt der Golf R am Rande des preislich Zumutbaren, aber am Ende wird es die richtige Leasingrate schon richten. Da haben wir schon ein paar gute gesehen, auch für das 333-PS-Facelift. Und wahrlich, es ist schade, dass der Power-Golf für viele unerschwinglich scheint, denn er ist (zusammen mit den neuen GTI-Modellen) mit Abstand das freudvollste Fahrzeug im derzeitigen VW-Fuhrpark. Für ihn würden wir gar den neuen Audi S3 stehen lassen, der durch sein eigenes Facelift 2024 zu einem bombastischen Auto wurde, sich jedoch in der Feinabstimmung geschlagen geben muss.

Freilich ist dies vor allem ein subjektiver Eindruck, doch der Golf 8.5 R wirkt in der Gesamtabstimmung noch geschliffener, stets noch etwas williger. Der 2,0-Liter-Turbobenziner EA888evo4 schiebt mit seinen 333 PS mehr als beherzt an, der 4Motion-Allrad mit Torque-Splitter an der Hinterachse sorgt stets für ausreichend Traktion und belebt durch gezielte Bremseingriffe das Heck. Unbarmherziges Untersteuern? Nicht im Power-Golf anno 2024. Da erzählen wir nun gewiss nichts Neues, da auch schon das Vorfacelift ziemlich schön zu fahren war – aber es wurde eben nochmals kundige Hand angelegt. Ein großes Lob geht an dieser Stelle an das Fahrwerksteam. Das serienmäßige DCC-Fahrwerk des Golf R gehört mit zum Besten, was man im Kompaktsegment kaufen kann. Auf Wunsch komfortabel, per Slider-Wisch auch bretthart. Multo bene!
Infotainment & Innenraum: Endlich wird vieles gut
Ob das 7-Gang-DSG manuelle Schalteingriffe ein My verzögert umsetzt – geschenkt. Dafür wird im Begrenzer nicht automatisch weitergeschaltet, und, man hat es bei VW ja nicht mehr für möglich gehalten, das ESC lässt sich weiterhin deaktivieren. Zum Beispiel, um mit dem im Drift-Mode sehr heckbetonten 4Motion-Allrad auf abgesperrter Strecke Pirouetten zu drehen. Kreise drehen wir vor Freude auch über das stark überarbeitete Infotainment-System. Bekannt aus ID.7 und Passat, lässt es sich im Golf über ein ergonomisch gut angerichtetes und hoch aufgelöstes 12,9-Zoll-Display bedienen, das flott reagiert. Allerdings: Im Testwagen knarzte die ganze Einheit bedächtig, wenn man sie mal wieder von den zahlreichen und schnell sichtbaren Fingerabdrücken reinigen wollte.

Es war zugleich der einzig wirkliche Ausreißer bei der Qualität im Facelift-Golf, den wir dokumentieren konnten. Weiche Kunststoffe (zumindest in der ersten Reihe), Alcantara-ähnliche Einleger in den Türen sowie weiterhin mit Filz ausgelegte Türtaschen sorgen zusammen mit dem neuen Carbon-Paket (950 Euro) für modernes Wohlfühlambiente. Die serienmäßigen, mit ArtVelours bezogenen Sportsitze sind auch für Menschen jenseits der 1,90 Meter bequem. Ausziehbare Beinauflagen wären dennoch wünschenswert. Optional gibt es auch weiterhin ein Nappa-Lederpaket, dann sogar mit einem „guten“ Sitz, der sich elektrisch verstellen lässt. Der Beifahrer muss sich indes auch bei maximaler Eskalation im Konfigurator weiterhin durchs Copilot-Leben hebeln. Übrigens: Wer auf die R-Performance-Abgasanlage von Akrapovic abfährt, muss zusätzlich 4.330 Euro einplanen. Ganz gleich, ob beim Serien-R oder der Black Edition. Fahrzeugpreise weit jenseits der 70.000 Euro sind dann nicht ausgeschlossen.
Fazit
Am Ende ist für uns klar: Mehr Golf VIII konnte man bisher nicht bestellen. Fahrdynamisch ist der neue R ein Lehrstück an performanceorientierter Harmonie – unter allen Straßenbedingungen. Er ist mit einem Testverbrauch zwischen acht und elf Litern auf 100 Kilometer ein uneingeschränkter Daily, der sowohl vor dem mondänen Casino als auch beim Arbeitsbesuch oder den Schwiegereltern eine gute Figur macht. Das Infotainment-System ist endlich brauchbar; Abstürze haben wir keine verzeichnet. Es bleibt zum Ende der einzig wirkliche Haken: der Preis. Mit etwas Ausstattung immer mehr als 60.000 Euro – das ist für einen Golf schlicht zu viel Geld. (Text und Bild: Thomas Vogelhuber | Weitere Bilder: Stephan Müller)
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