Der neue Tiguan: VW-Dauerbrenner noch mal als Verbrenner

Der neue VW Tiguan auf einen Blick
- Kompakt-SUV steht auf der Passat-Plattform
- Verkauf beginnt im ersten Quartal 2024
- Als Benziner, Diesel und Plug-in Hybrid verfügbar
- Plug-In-Hybrid mit 100 Kilometern Reichweite
- Neues und besseres Bedienkonzept
Der neue VW Tiguan – Langeweile war gestern
Zumindest von der Wortbildung her ist der Tiguan so etwas wie das legendäre bayerische Fabelwesen, der Wolpertinger. Nur, dass beim SUV von Volkswagen lediglich zwei Tiere Pate gestanden haben. Der Tiger und der Leguan. Zum ersten Mal taucht diese tierische Kreuzung auf vier Rädern anno 2007 auf. Nach dem Touareg war der Tiguan seinerzeit erst das zweite SUV aus Wolfsburg. Da war das Segment der weiterhin stark an Bedeutung zulegenden Kompakt-SUV schon gesäumt von Mitbewerbern. Aber, typisch VW! Die Wolfsburger waren nicht immer die Schnellsten, dafür aber dann oft die Erfolgreichsten (mit Ausnahme der E-Mobiliät). Und so setzt sich der Tiguan sofort an die Spitze der Zulassungen und gibt diesen Titel lange Jahre nicht mehr ab. 7,5 Millionen wurden bis heute produziert. Und jetzt kommt der Dauerbrenner als Verbrenner zum letzten Mal ganz neu. Markstart ist im ersten Quartal 2024.
Allerdings müssen Freunde des Tiguan stark sein. Denn nach 17 Jahren relativer Langeweile, was das Design angeht, pirscht sich das Kompakt-SUV an den namensgebenden Tiger heran. Gefräßig reißt der Tiguan sein Maul auf – denn der klassische Kühlergrill rutscht nach unten und bildet mit den Lufteinlässen eine gigantische schwarze Öffnung. Man könnte auch sagen: Endlich schaut das SUV nach SUV aus. Dass die Querspange zwischen den Scheinwerfern beleuchtet werden kann, ist schon fast selbstverständlich. Ebenso wie das durchgehende Lichtband am Heck, das auch aus kleinen Kröten einen veritablen Breitmaulfrosch macht. Was für eine Viecherei! Fehlt nur noch der namensgebende Leguan – dessen Geländeeigenschaften finden wir aber erst beim Antriebsprogramm in Gestalt des VW-Allradantriebs 4motion, der aber nur den größeren Motorisierungen und damit den Verbrennern vorbehalten ist.
Der Kofferraum schluckt bis 1.650 Liter Gepäck
Aber zurück zum Aussehen des Tiguan: So großmäulig er auf der Straße steht, so zurückhaltend haben sich die Fahrzeug-Dimensionen entwickelt: In der Länge notieren wir ein Plus von drei Zentimetern – Höhe, Breite und Radstand sind nahezu gleich. Dennoch hat sich die Kopffreiheit vorne und hinten leicht verbessert. Am meisten profitieren die Mild-Hybrid- und Voll-Verbrenner-Modelle vom neuen Raumkonzept: Der Kofferraum schluckt 37 Liter mehr weg als der Vorgänger. Damit kommt der neue Tiguan auf 652 bis 1.650 Liter. Ist ziemlich ordentlich – und eigentlich auch kaum verwunderlich. Das Kompakt-SUV wird ja auf der neuen Plattform MQB evo gebaut: Genau wie der neue Passat, der mit knapp fünf Metern Länge alle bisherigen Vorgängermodelle deutlich überragt.
Im Innenraum gibt es "Touch-Slider", aber immerhin jetzt mit Beleuchtung
Fast revolutionär präsentiert sich der Tiguan beim Interieur. Klar, die haben den Journalisten bei der Erstpräsentation des neuen Modells natürlich nur die Spitzenausstattung hingestellt. Aber das wirkt schon alles ziemlich edel. Billig-Plastik haben sie so gut versteckt, dass man fast das Gefühl hat in der Oberklasse zu sitzen. Apropos Oberklasse und Sitzen: Entsprechendes Kleingeld vorausgesetzt, kann man seinen Tiguan sogar mit Massagefunktion (10-Kammer-System) und programmierbarer Sitzheizung oder -Kühlung bestellen. Das alles ist jetzt noch nicht revolutionär: Aber wenn man den Begriff in seiner ureigenen Wortbedeutung interpretiert, nämlich als radikale Veränderung der herrschenden Bedingungen, dann trifft das auf das Bedienkonzept des Tiguan zu. Hier hatte sich VW ja ziemlich vergaloppiert. Slider ohne Licht, umständliche Klimabedienung, fehlender Lautstärke-Knopf, um ein paar Stichworte zu nennen.
Aber jetzt kehrt man zurück. Zu Sinn, Zweck und Verstand. Natürlich bleibt alles voll digital. Die Displays sind zehn Zoll groß (Tacho), 13 (Serie) oder 15 Zoll (gegen Aufpreis) groß, wenn es um das Infotainment geht. Oben gibt es eine Leiste mit Funktionen, die man selbst wählen kann. Unten eine ebenfalls feststehende Leiste für die Bedienung der Klimaanlage. Das sieht doch richtig gut aus. Wir klicken uns durch die Kachel-Optik uns sind fürs erste zufrieden. In der Mittelkonsole finden wir zudem noch einen Drehregler. Hurra, die Rückkehr zum Lautstärke-Knopf. Aber er ist mehr als das: Nämlich ein „Fahrerlebnisschalter“, mit dem man nicht nur die Fahrprofile und Antriebsmodi steuern kann. Nein der beleuchtete Drehregler kann sogar diverse Lichtstimmungen passend zum Sound erzeugen: Von „Energetic“ bis hin zu „Lounge“.
38.400 Mulitpixel-LEDs machen die Nacht zum Tag
Das alles muss natürlich noch er-fahren werden. So wie etwa das neue Matrix-Licht, mit dem man den Tiguan optional ausstatten kann. Die HD-Scheinwerfer bestehen aus jeweils 19.200 Multipixel-LEDs und leuchten die Fahrbahn immer perfekt aus – egal, ob Gegenverkehr kommt, oder ob man in die Kurven fährt. Das IQ-Light kann sogar einen Licht-Teppich auf die Straße zaubern, der exakt der Fahrbahn folgt. Eine Art digitaler Leuchtturm für die Nacht. Das Fahrwerk des Tiguan hat ebenfalls einen Generationssprung gemacht. Zum einen setzt VW neue Dämpfer ein mit separater Zug- und Druckstufe, was die Reaktionsschnelligkeit steigert. Und dann feiert man im Tiguan noch ein Wiedersehen mit einer Technik, die zuerst im Golf GTI eingesetzt wurde. Der so genannte Fahrdynamik-Manager koordiniert die elektronische Differenzialsperre mit den Dämpfereinstellungen und sorgt darüber hinaus durch individuelle Bremseingriffe für ein agileres Handling.
VW Tiguan: Allrad nicht für Hybrid-Modelle
Bleibt der letzte Punkt, die Motorisierungen des Tiguan (Der neue VW Tiguan ist noch nicht bestellbar, Homologation ausstehend)². Sowohl die reinen Turbo-Benzin-Triebwerke als auch der große Diesel kommen mit Allrad-Antrieb daher. Hier gibt es Leistung satt von 204 bis 265 PS (Benziner) und 193 PS (Selbstzünder). Die Hybrid-Modelle splitten sich wie folgt auf: Zwei Mal Mild-Hybrid mit wahlweise 130 oder 150 PS und zwei Plug-In-Hybride (PHEV) mit 204 oder 272 PS. Hier bietet VW nur Frontantrieb an. Wie schon beim Passat fliegt der Handschalter aus dem Angebot – der Gangwahlhebel der Automatik wandert ans Lenkrad. Alle bis auf die PHEV´s fahren mit 7-Gang-Automatik. Die Plug-Ins schalten nur sechs Mal, dafür sollen sie mit ihrer 18,5-kWh-Batterie elektrische Reichweiten von 100 Kilometern schaffen und damit mehr als der normale Alltag verlangt. Aufgeladen wird mit 11 (AC) oder 50 (DC) kW. Auch das eine kleinere, serienmäßige, Revolution bei VW.
Erstes Fazit
Nach dem ersten Kennenlernen, das durchaus positiv war, stellen wir fest: Der Wolpertinger aus Wolfsburg will mehr als seine Vorgänger, sanft klopft er an der Oberklasse an. Spannend wird die Frage, was der Tiguan für den Einstiegspreis von knapp 37.000 Euro in der Basis bieten wird. Mehr ein Tiger oder doch nur ein Leguan? (Text: Rudolf Bögel | Bilder: Hersteller)
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