Informationen zu Fiat
Die Fiat-Gruppe ist ein international tätiges Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in der Stadt Turin. Bekannt ist Fiat in erster Linie als Automobilhersteller, der italienische Industriegigant ist aber auch in der Produktion von Schienenfahrzeugen, Flugzeug- und Schiffsmotoren sowie in der Kraftwerktechnik tätig. Daneben verfügt Fiat über ein umfangreiches Engagement im Finanzsektor und ist sowohl in der Bank- als auch in der Versicherungsbranche aktiv.
Gegründet wurde Fiat am 1.Juli 1899 in der norditalienischen Industriestadt Turin. Zu den acht Gründungsmitgliedern gehörte auch Giovanni Agnelli, der Gründer der Agnelli-Dynastie, die das Schicksal Fiats bis in die Gegenwart bestimmt. Als Startkapital stellten 30 Aktionäre insgesamt 800.000 Lire zur Verfügung. Der Firmenname Fiat ist eine Abkürzung für Fabbrica Italiana Automobili Torino – Italienische Autofabrik von Turin. Gleichzeitig hat der Firmennamen Fiat – ähnlich wie der Name Audi – auch eine lateinische Bedeutung: Fiat bedeutet „es werde”.
Ein Jahr nach der Gründung, im Jahr 1900, läuft dann auch der erste Fiat – das Modell 3 1/2 HP – vom Band. Mit 150 Arbeitnehmen werden im ersten Produktionsjahr überschaubare 30 Fahrzeuge gefertigt. Eine kleine Kuriosität des 3 1/2 HP: das erste Automobil von Fiat hatte noch keinen Rückwärtsgang. Kurz nach der Gründung konnte Fiat erste Rennerfolge für sich verbuchen: Mit dem 24 HP Corsa, der 1902 präsentiert wurde, gewann Vincenzo Lancia das Rennen Sassi-Superga, bei der zweiten Italienrundfahrt stellt Giovanni Agnelli höchstpersönlich mit dem Fiat 8 HP einen Rekord auf.
Die Zahl der Beschäftigten ist bis 1906 auf 2500 angewachsen, zwei Drittel der Produktion sind schon für den Export bestimmt. Fiat ist auf Wachstumskurs und feiert vor allem beim Export in die Vereinigten Staaten frühe Erfolge. Auch in Sachen Rennwagen setzt Fiat weiter Maßstäbe: Der im Jahr 1911 präsentierte Fiat 300 HP Record wurde speziell für das Ziel gebaut, einen neuen Geschwindigkeitsweltrekord aufzustellen. Mit dem 290 PS starke Gefährt wurde dann auch sogleich die 200-km/h-Marke durchbrochen.
Nach dem Vorbild von Ford, Vorreiter in Sachen Fließbandproduktion, erneuert Giovanni Agnelli, inzwischen Präsident von Fiat, in den 20er Jahren die Automobilproduktion von Grund auf. Mit den Modellen Torpedo und Spider erzielt Fiat in den 30er Jahren Absatzrekorde. Die größten Erfolge konnte Fiat allerdings in den 60er Jahren verbuchen. Mit dem Modell Fiat 124 sowie mit den Fiat 127 und Fiat 128, die 1969 und 1971 den Titel Europas Automobile des Jahres holten, wurden große Verkaufserfolge erzielt.
In den 60er Jahren übernahm Fiat auch verschiedene renommierte Autobauer: 1966 erwarb Fiat eine Beteiligung bei Ferrari, 1969 wurde die in Geldnöten geratene Marke Lancia übernommen. Die Beteiligung an Ferrari zeigte sich auch bald an neuen Fiat-Modellen, beim Fiat Dino Coupé und dem neuen Spider. Modelle von Fiat bevölkerten nicht nur die Straßen Italiens, sondern waren in ganz Europa, aber auch in Nord- wie in Südamerika im Straßenbild präsent. Die Produktion erfolgte ebenfalls im weltweiten Maßstab. Fiat-Modelle wurden in Lizenz in der Türkei, in Polen, der damaligen Sowjetunion und in Spanien gefertigt, Produktionsstandorte vor allem in Südamerika ausgebaut.
Doch ab Mitte der 70er Jahre beginnt für das Unternehmen eine Krise, die ab Mitte der 80er Jahre zunehmend bedrohliche Ausmaße annimmt und bis heute noch nicht vollständig überwunden ist. Beispielsweise musste sich Fiat 1984, durch die japanische Konkurrenz in Bedrängnis gebracht, vom amerikanischen Markt, auf dem die Italiener ehemals große Erfolge feierten, zurückziehen. Zwar kann Fiat noch eine Reihe erfolgreicher Modelle auf dem Markt platzieren, darunter etwa der Punto und der Panda, der umfassende Erfolg früherer Tag blieb jedoch weitgehend aus.
Insbesondere zu schaffen machte Fiat die zum Teil mangelhafte Qualität der produzierten Automobile. Fahrzeuge aus dem Hause Fiat galten als fehleranfällig und wenig zuverlässig. In den 50er und 60er Jahren konnte Fiat mit der Produktion preisgünstiger Automobile für jedermann große Erfolge feiern, in Zeiten steigender Qualitätsanforderungen von Seiten der Konsumenten und enormer Innovationen bei der Konkurrenz geriet Fiat aber mit seiner bisherigen Produktions- und Modellpolitik in ernsthafte Schwierigkeiten.
Um die Krise zu überwinden, leitete Umberto Agnelli im Jahr 2003 – kurz vor seinem Tod in 2004 – eine umfassende Umstrukturierungspolitik ein. Fiat verfolgt seitdem auch eine aggressive Expansionspolitik, um sich auf dem globalen Markt neue Absatzmärkte zu erschließen und verloren gegangene zurück zu gewinnen. Die Sanierung des Konzerns ist noch nicht abgeschlossen, die gegenwärtige Entwicklung wird aber von den meisten Beobachtern positiv beurteilt. Die Rettungsmaßnahmen für den angeschlagenen Fiat-Konzern wurden von der Familie Agnelli mit einer Finanzspritze von 750 Mio. Euro unterstützt. Viel versprechende neue oder überarbeitete Modelle brachten frischen Schwung und sollten anspruchsvollen Qualitätsansprüchen genügen. Der neue Fiat Panda erhielt 2004 die Auszeichnung als Europas Auto des Jahres.






























