Eicher: die blauen Traktoren aus Bayern

1941 gründeten die Brüder Josef und Albert Eicher in Forstern bei München die Gebr. Eicher Traktorenbau oHG. Zuvor stellten sie Prototypen im elterlichen Betrieb her, die sie 1938 auf der DLG-Ausstellung präsentierten. Nach dem zweiten Weltkrieg expandierte das Unternehmen stark und ersetzte ab den 1950er Jahren die vorher verbauten Deutz Motoren durch Eigenentwicklungen. In diesem Jahrzehnt stieg die Firma zusätzlich in den Bau von landwirtschaftlichen Bearbeitungsgeräten ein, um Landwirten eine komplette Produktpalette aus eigener Hand anbieten zu können. Nachdem 1970 der Hauptlieferant ZF-Friedrichshafen wegbrach, begann der Niedergang des Unternehmens. Der Hersteller Massey Ferguson übernahm schließlich manche Teile des Eicher Traktorenbaus. Bis 1973 hatte Ferguson das Unternehmen nahezu vollständig in seinen Konzern eingegliedert, was dazu führte, dass immer mehr Bauteile mit Ferguson Modellen geteilt wurden. 1992 meldete Eicher aufgrund des niedrigen Absatzes Insolvenz an und die Produktion wurde in Deutschland eingestellt. Von 2001 bis 2006 produzierte jedoch der französische Hersteller Dromson seine eigenen Traktoren unter der Marke Eicher weiter. Auch der indische Ableger Eicher Goodearth Ltd., ein ehemaliger Lizenznehmer, produziert 2014 weiterhin eigene Traktoren unter diesem Markennamen, die allerdings kaum Ähnlichkeiten mit den ursprünglichen Modellen von Eicher haben. Die ursprünglichen Eicher Traktoren sind heute daher nur noch als Gebrauchtfahrzeuge erhältlich.



Technischer Fortschritt als Antrieb des Unternehmens

Während die Traktoren in den 1940er Jahren mit Deutz Motoren ausgestattet wurden, begannen die Brüder Eicher nach dem zweiten Weltkrieg mit der Entwicklung eigener Triebwerke, die durch ihre Luftkühlung sehr innovativ waren. Diese kamen erstmals in den Traktoren der ED-Serie in den 1950er Jahren zum Einsatz. Das Getriebe wurde von ZF-Friedrichshafen zugekauft. Die Anzahl der Zylinder stieg gleichzeitig von zwei auf vier Zylinder an und wurde in dieser Form beispielsweise im Modell EA 600 Mammut II verbaut. Die Dreizylinder kamen jedoch trotz dieser Entwicklung mit leichten Verbesserungen weiter zum Einsatz, bis Massey Ferguson die Eicher Motoren in den 1970er Jahren komplett gegen Perkins Triebwerke austauschte. In der Gesamtkonstruktion der Traktoren setzte Eicher bereits vor dem zweiten Weltkrieg innovative Maßstäbe bei den Prototypen. Das Unternehmen baute als erstes seine Traktoren in Blockbauweise, was den Zukauf von Teilen und deren leichten Zusammenbau ermöglichte. Nach dem Krieg entwickelten die Brüder zudem Geräteträger, die sie aber erst ab 1955 serienreif auf den Markt brachten. Um den Komfort des Fahrers zu erhöhen, wurde Ende der 1950er Jahre ein Starrahmen entwickelt, der den Fahrersitz zusätzlich federn sollte. Weiterhin setzte Eicher als erstes Unternehmen einzelaufgehängte Vorderräder ein. Mit der Entwicklung und dem Einbau von leistungsstarken 6-Zylinder-Motoren reagierte Eicher in den 60er Jahren auf die Bedürfnisse der Kunden, die mehr Leistung benötigten. Im gleichen Zug entwickelte der Konzern zusammen mit ZF ein stufenloses Getriebe, welches die Arbeit auf dem Feld zusätzlich erleichtern sollte.

Neben den Traktoren baute Eicher ab den 1950er Jahren auch Anhänger und stieg durch Zukäufe unter anderem in die Produktion von Drillmaschinen ein. So konnten Landwirte zusammen mit den Traktoren auch sofort Ackerbearbeitungsgeräte erwerben, die beispielsweise auf den Geräteträgern des Herstellers montiert werden konnten. Deren Produktion wurde allerdings mit dem Erwerb durch Massey Ferguson nach und nach eingestellt.



Die ersten Eicher Traktoren: die E-Serie

Ab 1941 baute Eicher mit dem E20 den ersten Serientraktor, der von einem Deutz Motor mit 20 PS und einem ZF-Getriebe mit vier Gängen angetrieben wurde. Dieser wurde bis zum E30 weiterentwickelt, in welchem ein Deutz Zweizylinder mit 30 PS zum Einsatz kam. Die Getriebe kamen bei diesen Modellen von Renz, ZF und Prometheus. Im E25/III verbaute das Unternehmen dann erstmals ein Getriebe mit zwei zusätzlichen Kriechgängen, die vor allem bei der Ackerarbeit von Vorteil waren. Gerade diese ersten Modelle sind als Gebrauchtfahrzeuge unter Sammlern begehrt aber in einem guten Zustand meist nur schwer zu finden.



Die ED-Serie: Traktoren mit Eicher Motoren

1953 brachte Eicher mit der ED-Serie Traktoren mit den ersten eigenen Motoren heraus. Das kleinste Modell dieser Serie war der ED 13, der aus einem 2-Zylinder-Dieselmotor 13 PS leistete. Die Spitze der Baureihe bildete der ED 500 Mammut von 1962. Er hatte einen 3-Zylinder-Dieselmotor mit 4,2 Litern Hubraum, aus denen 45 PS Leistung gezogen werden konnten. Verbaut wurde hier ein ZF-Getriebe mit acht Vorwärtsgängen, wobei zudem ein Kriechgang vorgesehen war. Zusätzlich gab es auch einen Schnellgang, der eine Fahrtgeschwindigkeit von bis zu 28 km/h zuließ.



Die 3000er und 4000er Baureihe

In den 60er Jahren begegnete Eicher dem zunehmenden Bedarf an großen Traktoren mit der 3000er und ab 1968 auch mit der 4000er Baureihe. In dieser Serie kamen Motoren mit bis zu 75 PS Leistung zum Einsatz, die bis zu sechs Zylinder und einen Hubraum von über 4 Litern hatten. Aufgrund der Größe hatten sie meist Zusatzbezeichnungen wie Mammut oder Götternamen wie Wotan. Allradversionen hatten außerdem die Bezeichnung A hinter dem Namen. Nach der Übernahme durch Massey Ferguson wurden die Traktoren dieser Baureihe mit Motoren von Perkins ausgestattet. Als Schaltungen kamen bis Anfang der 70er Jahre ZF-Getriebe zum Einsatz und später Getriebe von Massey Ferguson. Gebraucht sind diese Modelle deutlich häufiger als die E- und ED-Modelle auf dem Markt der Gebrauchtfahrzeuge zu finden.



Marktführung bei Schmalspurtraktoren

Speziell für den Einsatz im Obst- und Weinbau baute Eicher von 1960 bis 1991 Schmalspurtraktoren mit und ohne Allradantrieb. In diesen Modellen kamen zuerst Motoren von Eicher mit zwei und drei Zylindern zum Einsatz, die später durch Perkins Motoren ausgetauscht wurden. Sie hatten eine Leistung von bis zu 35 PS. In den 1960er Jahren hatten diese Fahrzeuge die Bezeichnung ES und Puma. Ab den 1970er Jahren änderten sich die Bezeichnungen zu 300, 3700 und 600. Es kamen 3- und 4-Zylinder-Motoren zum Einsatz, die in den letzten Ausbaustufen Ende der 1980er Jahre bis zu 80 PS leisteten. Durch die 16 Vorwärtsgänge waren die Traktoren gerade im Weinbau hervorragend geeignet und konnten auch an Steilhängen eingesetzt werden. Gebrauchte Eicher Schmalspurtraktoren sind oftmals sehr beliebt, da sie als robust und langlebig gelten. Dies macht Eicher Gebrauchtfahrzeuge verhältnismäßig teuer.

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