Traktoren aus Aschaffenburg – die Güldner Motoren Gesellschaft GmbH

1904 wurde die Güldner Motoren Gesellschaft in München gegründet und 1907 nach Aschaffenburg verlegt. Gründer waren Hugo Güldner, Carl von Linde und Georg von Krauss. Ursprünglich produzierte das Unternehmen Motoren mit Leistungen von 6 bis 600 PS für unterschiedlichste Fahrzeuge und Kühlaggregate. Im Zuge der Wirtschaftskrise von 1929 wurde die Fabrik dann vollständig von Linde übernommen und in seine Eismaschinenfabrik integriert. Unter dieser Regie wurde 1934 der erste Traktor vorgestellt und ab 1938 in Serie hergestellt. 1969 wurde die Produktion von Traktoren und Motoren eingestellt. Die zusätzlich produzierten Flurförderfahrzeuge wurden unter dem Namen Linde weiterhin produziert. 2014 firmiert dieser Bereich unter dem Namen Kion. Das Unternehmen Güldner verschwand 1991 endgültig mit der Löschung aus dem Handelsregister, sodass Traktoren von Güldner nur noch als Gebrauchtfahrzeuge erhältlich sind.



Die A-Serie

Ab 1938 baute Güldner mit dem A20 einen Serientraktor mit einer Leistung von 20 PS und 4 Vorwärtsgängen sowie einem Rückwärtsgang. In den Folgejahren wurde die Leistung erhöht, was sich in den Modellbezeichnungen niederschlug. Aufgrund der Ölknappheit während des Zweiten Weltkriegs wurde der A25 AZ eingeführt, der einen Holz-Gas-Antrieb hatte und die Landwirtschaft unabhängiger vom Öl machen sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Güldner die Produktion von 2-Zylinder-Motoren in diesem Bereich wieder auf und brachte bis 1960 mehrere A-Modelle heraus. Die Leistung stieg hier im Laufe der Zeit bis auf 32 PS beim A3P an. Das kleinste Modell war der AX mit 11 PS. Gleichzeitig stieg die Zahl der Gänge auf 6 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgänge beim A3P an. Eine technische Besonderheit hatte das Modell ADS, welches ein Schnellganggetriebe besaß. Hierbei handelt es sich um einen zusätzlichen Gang für den reinen Ackerbetrieb. Neben technischen Merkmalen unterschieden sich die Traktoren durch ihre Größe. Es wurden auch Schmalspurschlepper wie der ALK angeboten, die insbesondere für den Obstbau konzipiert waren.Insbesondere Güldner Gebrauchtfahrzeuge, die vor dem Zweiten Weltkrieg produziert wurden, werden von Sammlern gesucht und sind in gutem Zustand kaum noch zu finden. Modelle aus der Zeit nach 1945 sind oftmals noch im Jahr 2015 auf Bauernhöfen zu finden, da sie durch ihre robuste Technik und fehlende Elektronik ohne große Ausfälle arbeiten.



Die Europa-Baureihe – Kooperation mit Fahr

1958 bis 1962 baute Güldner in Kooperation mit der Firma Fahr die Europa-Modelle Burgund, Gotland, Tessin, Spessart und Toledo. Dabei wurde vertraglich vereinbart, dass die Modelle unter 20 PS Leistung bei Güldner und die darüberliegenden bei Fahr gebaut werden. Vertrieben wurden die Modelle dann unter den jeweiligen Markennamen. Als Getriebe kam in allen das ZF200 zum Einsatz, welches vom Zulieferer ZF in Friedrichshafen geliefert wurde. 1961 wurde die Kooperation bereits wieder aufgekündigt, da die Deutz AG bei Fahr als Gesellschafter eingestiegen war.Das kleinste Modell dieser Baureihe war der ASKS Spessart mit einer Leistung von 15 PS. Er hatte einen Hinterradantrieb und das Getriebe war mit 6 Vorwärts- und 2 Rückwärtsgängen ausgestattet. Die Produktion fand bei Güldner in Aschaffenburg statt.Mit dem G50 Gotland bot Güldner das größte Modell der Baureihe an. Es hatte einen 4-Zylinder-Motor, der 48 PS Leistung erbrachte. Das Getriebe hatte 8 Vorwärts- und 4 Rückwärtsgänge. Optional war ein Allradantrieb verfügbar. Mit dieser Technik war eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h möglich. Gebaut wurde das Modell bei Fahr in Gottmadingen. Allerdings wurden von diesem Traktor nur 119 Stück ausgeliefert.Lediglich der Spessart wurde mit einer Stückzahl von 3800 in einer größeren Menge ausgeliefert. Dies macht die gebrauchten Modelle selten, wodurch Gebrauchtfahrzeuge bei Sammlern europaweit gesucht sind.



Der Multitrac

In den 1950er Jahren boten fast alle Traktorenhersteller einen Traktor mit einer zusätzlichen Ladefläche an, der das ständige Mitführen von Anhängern überflüssig machen sollte. Güldner kaufte dieses Modell bei Ritschler zu und versah es mit einem eigenen Motor. Verbaut wurde ein 17 PS 2-Zylinder in Verbindung mit einem 6-gängigen Getriebe. Von diesem Modell wurden nur 486 Stück verkauft. Gebrauchtfahrzeuge sind daher eine echte Rarität.



Die G-Serie

1963 bis zur Einstellung der Traktoren-Produktion 1969 baute Güldner mit der G-Serie Traktoren mit Motoren, die zwei bis sechs Zylinder hatten. Das kleinste Modell war der G15 mit einem 15 PS 2-Zylinder, der in Verbindung mit einem 6-Ganggetriebe von ZF ausgeliefert wurde. Modelle ab dem G35 gab es optional mit Allradantrieb. Sie hatten als Namenszusatz den Buchstaben A angehängt.

Das Topmodell dieser Baureihe war der G75A. Er leistete aus 4,8 l Hubraum bis zu 75 PS und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 25 km/h. Bis 1967 wurde der Motor in Verbindung mit einem 8-Ganggetriebe verbaut und ab dann mit einem Getriebe, welches 16 Vorwärts- und 7 Rückwärtsgänge hatte. Dies machte den Traktor vor allem im Ackerbetrieb sehr leistungsstark.Optional gab es für alle Modelle der G-Baureihe einen Vorderlader zu kaufen der mit einer Gabel oder einer Schaufel ausgestattet werden konnte. Weitere Anbaumöglichkeiten wie ein seitlicher Grasschneider und Anhängemöglichkeiten vorne und hinten machten diese Fahrzeuge zu landwirtschaftlichen Multitalenten.Viele dieser Traktoren finden auch 2014 noch ihren Einsatz in der Landwirtschaft, da die Motoren, welche die größte Stärke von Güldner waren, als besonders langlebig gelten. Neufahrzeuge gibt es nicht mehr zu kaufen, da die Produktion bereits in den 1960er Jahren eingestellt wurde. Im Kreis der immer größer werdenden Sammlergemeinde von Traktoren sind die Güldner Modelle als Gebrauchtfahrzeuge sehr beliebt, da die Ersatzteilversorgung immer noch sehr gut ist. Diese Sammler organisieren alle zwei Jahre in Dammbach im Spessart ein privates Treffen an Güldner Traktoren, welches europaweit bekannt ist.Neben Sammlern werden gebrauchte Modelle oftmals von kleineren Landwirten gesucht, die diese Fahrzeuge dann vor allem zur Waldarbeit einsetzen.



Entwicklungsarbeit

Mit der Sättigung des Traktoren- und Motorenmarktes in den 1960er Jahren begann Güldner mit der Entwicklung von Flurförderfahrzeugen. Diese wurden dann allerdings unter dem Namen Linde auf den Markt gebracht. Eine Entwicklung eines 500 ccm-Motorrads Mitte der 1920er Jahre blieb ohne Ergebnis. Von den Prototypen sind 2015 keine Exemplare mehr erhalten.

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