Kramer – Landwirtschaftstechnik und Baumaschinen vom Bodensee

Das 1925 in Gutmadingen von den Brüdern Kramer gegründete, gleichnamige Unternehmen stellt leichte Baumaschinen und -fahrzeuge für die Landwirtschaft her. Bekannt wurde das Unternehmen durch seine Traktorenproduktion, in der es seinen Ursprung hat. Bis zur Einstellung der Traktorenproduktion 1973 baute der Betrieb über 100.000 Traktoren, die mit teilweise wegweisender Technik ausgestattet wurden. 2012 nahm Kramer im Bereich Landwirtschaft die Produktion wieder auf.
Der größte Produktionszweig ist jedoch die Konstruktion von Baumaschinen, auf den sich das Unternehmen ab 1973 konzentrierte. Produziert werden diese am Stammsitz in Pfullendorf. In diesem Bereich kann Kramer vom Know-how des Mutterkonzerns Wacker Neuson profitieren.


Die Traktorenproduktion

1925 baute Kramer die ersten kleinen Traktoren und selbstfahrenden Grasmäher mit Dieselmotoren der Firma Güldner. In den 30er Jahren kamen eigene Motorenentwicklungen dazu und mit dem K18 wurde der „Allesschaffer“ auf dem Markt eingeführt, der durch diverse Anbauten für verschiedenste Arbeiten in der Landwirtschaft geeignet ist. Kriegsbedingt brachte Kramer mit dem K25 1942 den ersten Traktor mit Holz-Gas-Antrieb heraus. Nach dem 2. Weltkrieg baute Kramer eine Vielzahl von Traktoren für unterschiedlichste Anwendungsbereiche. So waren spezielle Schmalspurausführungen für den Obst- und Weinbau im Angebot, sowie später Modelle, die vor allem bei der Waldarbeit zum Einsatz kamen.
Mit dem KLD 330 stellte Kramer 1958 den ersten Traktor mit Doppelkupplungsgetriebe vor, welches in den Folgejahren Einzug in viele weitere Modelle fand. Dies hatte zur Folge, dass die Modelle mit immer mehr Vor- und Rückwärtsgängen ausgestattet wurden. Während der K12 noch 6 Vorwärts- und einen Rückwärtsgang hatte, wurde der letzte Traktor von Kramer mit 16 Vorwärts- und zwei Rückwärtsgängen ausgestattet.
Dieser Alltrac war mit seiner 2-Wegetechnik, die mit einer Zug- und Schubtechnik ausgestattet wurde, eine weitere Erfindung, die allerdings der allgemeinen Firmenpolitik zum Opfer fiel.Mit der Weiterentwicklung der Motoren stieg auch die Leistung der Traktoren. Während der K18 mit 16 PS auskommen musste, wurde der Alltrac in den 1970er Jahren bereits mit 121 PS ausgeliefert. In den 1950er Jahren bot das Unternehmen Modelle mit 10 bis 60 PS an. So hatte beispielsweise der 600 Export 55 PS, was für diese Zeit sehr leistungsstark war.Gebrauchte Traktorenmodelle von Kramer werden 2014 unter Sammlern gesucht und werden, je nach Zustand des Gebrauchtfahrzeugs, zu sehr hohen Preisen gehandelt.


Die Baumaschinenproduktion

1957 stieg Kramer in die Produktion von Baumaschinen ein und brachte verschiedene Modelle kleiner Bagger heraus. Ab 1973 konzentrierte sich das Unternehmen voll auf deren Produktion, wobei 1987 mit dem 312 SL Radlader der endgültige Durchbruch gelang. Dieser Bagger war der erste seiner Art mit einer Allradlenkung, die ihn gegenüber Konkurrenzmodellen besonders wendig machte und für den Einsatz auf engem Raum prädestinierte. Allein von diesem Modell wurden über 10.000 Stück in ganz Europa verkauft.Nach der Fusion mit Wacker und Neuson setzt sich die Produktpalette im Baumaschinenbereich aus Radladern, Teleradladern und Teleskopladern zusammen.
An Radladern baut das Unternehmen Fahrzeuge mit Nutzlasten von 750 Kilo bis 2900 Kilo. Die Motorleistung reicht beim 5035 von 23 kW bis zu 55 kW beim Modell 1150. Dabei werden die Motoren von Motorenspezialisten wie Deutz und Yanmar geliefert.Im Bereich der Teleradlader hat das Unternehmen drei Modelle im Angebot, die eine Nutzlast von 1,7 bis 2,3 t haben. Das stärkste Modell, der 8095T, hat einen 74-kW-Motor, der den Lader auf eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 40 km/h beschleunigt. Auch in diesem Bereich werden die Motoren von Deutz geliefert. Teleskopradlader sind gerade für kleinere Unternehmen eine günstige Alternative, da sie zwei Maschinen vereinen. Sie sind als Bagger und als Gabelstapler nutzbar.
Im Bereich der Teleskoplader bietet Kramer eine Vielzahl unterschiedlicher Versionen an. So hat das Unternehmen mit dem 804 den kleinsten Lader seiner Art auf dem Markt. Zudem sind Versionen mit einer Transporthöhe von 4 bis über 8 m verfügbar. Das Topmodell ist der 5509, der eine Nutzlast von über 5 t bewegen kann. Hierfür ist er mit einem 115-kW-Motor ausgestattet, der eine abgeregelte Geschwindigkeit von bis zu 20 km/h ermöglicht.An Anbauten bietet Kramer hier ein großes Angebot an Schaufeln, Greifern und Stapeleinrichtungen an. Auf Wunsch werden Spezialanfertigungen geliefert, die beispielsweise für den Transport von Rohren oder Baumstämmen geeignet sind. Standardprodukte, aber doch für spezielle Anwendungen geeignet, sind Schaufeln, die seitlich kippbar sind. Sie sind eine Besonderheit von Kramer in diesem Bereich.
Technisch können die Geräte mit verschiedenen Systemen ausgestattet werden, die von Kramer als Sonderausstattung angeboten werden. Eines ist das Telematic System, welches eine Ortung der teuren Baugeräte zu jedem Zeitpunkt zulässt. Das Ecospeed-Getriebe ist ein zweites. Dabei handelt es sich um ein stufenloses Getriebe, welches ein ruckelfreies Fahren bis zu 40 km/h Geschwindigkeit zulässt. Dies erhöht die Sicherheit, indem Vibrationen auf die Ladung vermindert werden. Die dritte Besonderheit ist das Smart Handling System, welches ein besonders sicheres Einteleskopieren der Ladung zulässt. Hierfür gibt es drei Modi, die ein vollautomatisches Einteleskopieren ermöglichen oder aber dem Fahrer die volle Kontrolle überlassen.
Seit 2012 bietet Kramer die gleiche Produktpalette für die Landwirtschaft an. Hier werden allerdings kleinere Motoren angeboten und die Fahrzeuge sind nicht gelb, sondern grün gestrichen. So hat beispielsweise das Topmodell unter den Teleskopladern, der KT 256, nur 50 kW Leistung und eine Traglast von 2,5 t, was im landwirtschaftlichen Bereich ausreichend ist. Die Leistungsreduktion macht die Fahrzeuge günstiger und daher für Landwirte interessanter. Zusätzlich sind die landwirtschaftlichen Fahrzeuge mit Kupplungen ausgestattet, die ein Anhängen von landwirtschaftlichen Maschinen hinter den Ladern zulassen. So können diese als Zugmaschinen genutzt werden.


Die Baumaschinen von Kramer: begehrte Gebrauchtfahrzeuge

Kramer-Gebrauchtfahrzeuge aus dem Baubereich werden europaweit gesucht, da sie als qualitativ hochwertig gelten. Allerdings macht sie dies auch in gebrauchtem Zustand noch sehr hochpreisig. Landwirtschaftliche Geräte sind gebraucht noch sehr selten, da sie erst seit 2012 gebaut werden. Gebrauchtfahrzeuge sind meist Vorführgeräte von Händlern.


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