Vielfältige Fahrzeuge eines ehemaligen Staatskonzerns - Malmet

Valmet entstand im Jahre 1951 in Finnland als Zusammenschluss verschiedener metallverarbeitender Betriebe. Der Name Valmet ist dabei eine Abkürzung und steht für Valtion Metallitehtaat, was übersetzt staatliche Metallbetriebe bedeutet. Die Vereinigung zahlreicher unterschiedlicher Unternehmen führte dazu, dass das Produktionsspektrum von Valmet sehr groß war. So wurden neben Traktoren und Bussen auch Waffen, Flugzeuge oder Züge gefertigt. Auch mehrere Papierfabriken gehörten zum Konzern.



Ackerschlepper und Traktoren

Zu den ersten Fahrzeugen, die von Valmet gefertigt wurden, zählen die landwirtschaftlichen Schlepper. Die Entwicklung des ersten Traktors begann in den 1940er Jahren, woraus schließlich der Valmet 15 im Jahre 1951 entstand. Dieser zählt zur Kategorie der Kompaktschlepper und war für kleine und mittlere landwirtschaftliche Betriebe konzipiert. Die Vermarktung fand ausschließlich im Inland statt, da der Schlepper vor allem auf die Bedürfnisse der einheimischen Landwirte angepasst war. Bereits in den 60er Jahren jedoch weitete man das Portfolio aus und produzierte unterschiedlich große Traktoren für viele Anwendungszwecke. Auch entstand zu dieser Zeit das erste Werk im Ausland, nämlich in Brasilien. Eine Besonderheit von Valmet waren die Tandemachstraktoren. Erstmals erschien diese spezielle Variante eines Traktors mit drei Achsen und zwölf Rädern im Jahre 1975. Innovativ an diesem Schlepper war jedoch nicht nur die ungewöhnliche Anzahl an Achsen. So waren alle Achsen mit gleichgroßen Doppelreifen ausgerüstet. Die Antriebskraft wurde auf die Vorderachse und nicht wie üblich auf die Hinterachse übertragen. Weiterhin gab es das Modell auch mit Allradantrieb, wobei beide Versionen von einem 6,6 l-Motor mit einer Leistung von 145 PS angetrieben wurden. Dies wiederum sorgte nicht nur für eine verbesserte Manövrierfähigkeit, sondern gewährleistete auch eine hohe Endgeschwindigkeit. In den 70er Jahren lag die maximale Geschwindigkeit von Traktoren auf Straßen bei etwa 30 km/h, der Valmet 1502 erreichte hingegen fast 40 km/h.

Weitere Besonderheiten finden sich in der Fahrerkabine. Diese wurde erstmals bei einem Traktor exakt mittig montiert, wofür sich Valmet auch ein Patent sicherte. Dazu verbreiterte sich die rundum verglaste Kabine nach oben hin, was zwei Gründe hatte. Zum einen gewährleistete dies dem Fahrer einen freien Blick in alle Richtungen, zum anderen verhinderte dies im Sommer die Überhitzung der Kabine. Der Valmet 1502 findet sich heutzutage noch als Gebrauchtwagen auf dem Markt. In den 80er Jahren forschte Valmet am Hauptstandort in Finnland sowie in Brasilien an alternativen Treibstoffquellen für Traktoren. In Zusammenarbeit mit dem staatlichen Forschungsinstitut für Land- und Forstwirtschaft entstand so der Valmet 702 mit Holzgasanlage. In Brasilien hingegen baute Valmet zwischen 1983 und 1986 fast 2000 Schlepper, die mit Alkohol aus Zuckerrohr betrieben wurden. So finden sich diese Traktoren von Valmet in Südamerika vor allem noch gebraucht wieder. Valmet setzte damit in Finnland und Brasilien auf Rohstoffe für den Treibstoff, die in den jeweiligen Ländern günstig und in großen Mengen zur Verfügung standen. Mit der Übernahme der Traktorensparte des schwedischen Konzern Volvo wurde Valmet Anfang der 80er Jahre zu einem der wichtigsten Hersteller von landwirtschaftlichen Schleppern in Skandinavien. Ab 1997 erhielten alle Traktoren den Zusatz Valtra, da die Namensrechte nach dem Verkauf der Traktorensparte im Jahre 1994 an den finnischen Konzern Sisu nur befristet übertragen wurden. Die letzten Traktoren, die unter der Bezeichnung Valmet Valtra gebaut und verkauft wurden, liefen im Januar 2001 vom Band. Hierzu zählen etwa die Schlepper Valmet 6300 und 6400, die somit heutzutage nur noch gebraucht erhältlich sind.



Forstfahrzeuge und spezielle Traktoren

Dass Valmet auch spezielle Forstfahrzeuge produzierte, ist aufgrund des waldreichen Skandinaviens nicht verwunderlich. In diese Kategorie fallen vor allem die Forstrückeschlepper und die Harvester, die von vorne optisch einem Ackerschlepper ähneln. Jedoch verfügen die Forstrückeschlepper über vier Achsen, die alle mit gleichgroßen Reifen versehen sind. Mittig befindet sich ein Gelenk, um die Manövrierfähigkeit im Wald zu gewährleisten, und die Fahrerkabine ist auf dem vorderen Teil des Schleppers angebracht. Dahinter befindet sich ein Hydraulikkran mit spezieller Forstgabel. Der hintere Teil der Forstrückeschlepper, wie dem Valmet 840.3, bestehen aus einer Transportablage für Holzstämme. Die Harvester haben hingegen nur drei Achsen und einen an der Front montierten Greifer. Mit diesem lassen sich Holzstämme packen und direkt sägen. Viele Forstmaschinen dieser Art, wie der Valmet 911.4, verfügen über eine Computersteuerung, welcher alle bearbeiteten Holzstämme erfasst und dem Nutzer die Menge an gesägtem Holz berechnet. Weiterhin lassen sich die Antriebsachsen bei beiden Arten von Forstfahrzeugen mit Ketten ausrüsten, um die Traktion auf morastigen Forstwegen zu ermöglichen. Diese sehr speziellen Traktoren für die Forstarbeit von Valmet sind als Gebrauchtwagen hin und wieder anzutreffen.



Fahrzeuge von Valmet

Im Jahre 1968 stieg das Unternehmen in die Produktion von Automobilen ein. Dafür wurde eine eigene Fabrik im finnischen Uusikaupunki eröffnet und eine Kooperation mit dem schwedischen Autokonzern Saab-Scania eingegangen. Valmet tritt dabei vor allem als Auftragsfertiger in Erscheinung und baute so etwa von 1969 bis 1980 den Saab 96 speziell für den finnischen Markt. Im Jahre 1992 stieg Saab aus dem Konsortium aus und Valmet wurde alleiniger Eigentümer der Automobilwerke. Danach wurden bis 2003 jedoch weiterhin Modelle für Saab gefertigt, beispielsweise der Saab 99 und der Saab 9-3. Auch für andere Automarken wurden Fahrzeugmodelle in Auftrag gebaut, teilweise für den finnischen, vielfach aber auch für den internationalen Markt. So etwa der Opel Calibra, der zwischen 1991 und 1997 unter anderem auch in Uusikaupunki gebaut wurde. Während der Calibra technisch identisch mit Fahrzeugen aus anderen Produktionsstätten von Opel war, versah man den Unterboden mit einem verbesserten Rostschutz, um den harten Wintern und dem Straßensalz in Skandinavien standzuhalten. Anhand der Fahrgestellnummer kann die Herkunft bei Gebrauchtwagen, die von Valmet produziert wurden, noch eindeutig erkannt werden. In den 90er Jahren ließ auch der russische Hersteller AwtoWAS bei Valmet den Lada Samara für den europäischen Markt bauen. In der jüngeren Vergangenheit zählen unter anderem Porsche und Mercedes-Benz zu den Auftraggebern. Porsche etwa ließ den Cayman fertigten, während Valmet für Mercedes-Benz die A-Klasse baut. So finden sich auch immer wieder Gebrauchtwagen der verschiedenen Automarken auf dem Markt, die durch Valmet in Finnland gebaut wurden.

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