Informationen zu Opel
Seine ersten Gehversuche machte Firmengründer Adam Opel 1862
mit der Herstellung von Nähmaschinen, die in einem Kuhstall in
Rüsselsheim
produziert wurden. Erfolg erntete er vor allem deswegen, weil er den
Wünschen seiner Kunden nachkam und
Spezialnähmaschinen herstellte. Sechs Jahre später
musste die Firma umziehen, weil die Werkstatt im Kuhstall zu eng wurde.
Von seinen Söhnen und dem Geschäftsinn getrieben,
erschloss Opel im Jahr 1886 einen neuen Markt: Das Opel Hochrad wurde
Teil der Produktion. Auch in dieser Sparte konnte Opel großen
Erfolg für sich verbuchen. Durch die Werbung der
Söhne, die auf den Opel-Rädern Rennen fuhren und
gewannen, überstieg die Radproduktion bald die der
Nähmaschinen. Nach dem Tod des Vaters 1895 übernahmen
die Söhne Adam Opels, Fitz und Wilhelm von Opel, das
Unternehmen, doch standen sie nun zunächst vor einer
Industriekrise.
Auf der Suche nach einem neuen Produkt entschieden sich die technisch
begeisterten Brüder für das Automobil. Sie kauften
1899 die Motorwagenfabrik des Hofschlossers Friedrich Lutzmann und
reihten sich damit in die Reihe der Automobilbau-Pioniere Deutschlands
ein. Noch im selben Jahr produzierten sie den „Opel
Patent-Motorwagen System Lutzmann“ mit einer Leistung von 3,5
PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h.
Nach zwei Jahren endete die Zusammenarbeit mit Lutzmann, und die Opels
schlossen einen Vertrag mit dem französischen
Automobil-Konstrukteur Darraq. Wie der Vater wurden auch die
Brüder vom Forscherdrang getrieben und versuchten, die
französischen Errungenschaften zu verbessern. Mit Erfolg
– im Herbst 1902 stellten sie die erste
Opel-Eigenkonstruktion vor: ein Modell mit 10/12 PS und einen neu
entwickelten Zweizylinder-Motor; 1903 folgte der erste Vierzylinder.
Aber auch das Zweirad ließ die Opel-Brüder nicht
los: 1901 verkauften sie für 700 Mark ihr erstes Motorrad.
Auch beim Automobil setzten die Brüder auf Werbung in Form von
Rennteilnahmen. Ab 1903 fuhr Carl Jörns erfolgreich die
Opel-Rennwagen und gewann 1907 den Kaiserpreis für das beste
deutsche Automobil, wodurch Opel zum Hoflieferant ernannt wurde.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Automobil allgemein noch einen
entscheidenden Fehler: Es war zu teuer. 1909 beschloss das Unternehmen
Opel deshalb, die Produktion eines preiswerteren Wagens für
den Mittelstand. Der „Doktorwagen“, offiziell
„Opel 4/8 PS“ wurde geboren. Die Innovationen waren
die geringere Größe und die gute Wendigkeit des
Fahrzeugs, so dass Ärzte oder Anwälte nun ohne
Chauffeur zu ihren Klienten fahren konnten – daher der
Spitzname „Doktorwagen“.
Nach dem Ersten Weltkrieg konzentrierte sich die Firma Opel auf die
Zweirad-Produktion und seit 1928 galt sie als
„größte Fahrradfabrik der Welt“.
Die Lage auf dem Automobilmarkt sah nach dem Ersten Weltkrieg
verheerend aus: Die Rohstoffe waren knapp, und durch die Inflation
stiegen die Preise gewaltig. Um ihre ehemals sichere Position auf dem
Markt wiederzuerlangen, modernisierten die Opels die Produktion und
führten als erstes deutsches Unternehmen das
Fließband ein. Das erste auf diese Weise hergestellte
Automobil war der legendäre „Laubfrosch“
(offiziell „Opel 4/12 PS“), der nur in der Farbe
grün erhältlich war.
1928 besaß die Firma Opel einen Marktanteil von 37,5 Prozent
und war damit Deutschlands größter
Automobilhersteller. Durch kluges Taktieren der Opel-Brüder
wurde das Unternehmen von der Weltwirtschaftskrise kaum getroffen. 1929
kaufte die General Motors Corporation 80 Prozent der Aktien der Adam
Opel GmbH, bis 1931 übernahmen die Amerikaner Opel komplett.
Die Firma behielt jedoch ihren Namen und die Eigenständigkeit
und schaffte es, ihre Marktposition weiter auszubauen.
Der 1935 vorgestellte Opel P4 verkaufte sich mit über 65.000
Stück in nur zwei Jahren ausgesprochen gut, und Veranlassung
der nationalsozialistischen Regierung errichtete Opel im gleichen Jahr
in Brandenburg
an der Havel ein neues Werk für die Produktion des
Dreitonner-Lkw „Opel Blitz“. Ebenfalls im
Frühjahr 1935 stellte Opel den Opel Olympia vor, der als
erstes deutsches Fahrzeug über eine selbsttragende
Ganzstahl-Karosserie verfügte.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt war das Automobil der zentrale
Geschäftsbereich der Adam Opel AG. Im Oktober 1940
musste das Unternehmen auf Weisung der nationalsozialistischen
Regierung die Produktion ziviler Pkw völlig einstellen und
wurde während des Zweiten Weltkriegs zum wichtigsten
Lkw-Lieferanten der Wehrmacht. Im Werk Rüsselsheim wurden
daneben auch Motoren, Teile für Raketen und Torpedos sowie
Komponenten der Junkers Ju 88 und der Messerschmitt Me 262 gefertigt.
Durch den Zweiten Weltkrieg schwer in Mitleidenschaft gezogen
– im Sommer 1944 wurden die beiden Werke in
Rüsselsheim und Brandenburg an der Havel durch Luftangriffe
der Alliierten schwer beschädigt, und das Lkw-Werk Brandenburg
sowie die Rüsselsheimer Anlagen für die
Kadett-Produktion wurden Mitte 1946 demontiert und in die UdSSR
verbracht –, ging es ab 1948, wiederum mit Hilfe von General
Motors, bergauf: 1950 erreichte Opel eine Produktion von 100.000
Fahrzeugen.
Die 1960er und 70er Jahre waren die Blütezeit der
Adam Opel AG, damals nach Volkswagen Deutschlands
zweitgrößter Automobilhersteller: Das Werk Bochum
produzierte 1965 den 500.000sten Opel Kadett;
keine zwei Jahre später war die Millionenmarke erreicht, 1966
eröffnete Opel in Kaiserslautern
ein Motoren- und Komponentenwerk. Bis Mitte des Jahrzehnts war Opel
zudem vor Mercedes-Benz
und BMW
Marktführer in der automobilen Oberklasse. Im Herbst 1970 lief
die Produktion der – äußerst
erfolgreichen – Modelle Ascona
und Manta an, 1972 lag Opel mit einem Marktanteil von über 20
Prozent vor Volkswagen.
Als die zweite Ölkrise Anfang der 1980er Jahre der
Automobilindustrie weltweit Umsatzeinbußen von fast 20
Prozent verursachte, verbuchte auch Opel erstmals seit 1950 einen
Verlust. Dazu kamen ein wenig innovatives Design und durch die
rigorosen Sparmaßnahmen des Chefeinkäufers
José Ignacio López de Arriortúa
bedingte Qualitätsprobleme, die der Marke Opel ein zunehmend
negatives Image bescherten.
All dies in Verbindung mit einer Reihe von Fehlentscheidungen in
Marketing, Modellentwicklung, Produktion und
Qualitätssicherung stürzten Opel Anfang der 1990er
Jahre in die schwerste Krise seit Bestehen, die
durch häufige Wechsel der meist von GM nach
Deutschland entsandten Vorstände
noch verschärft wurde: Bis 2007 war der Marktanteil
in Deutschland kontinuierlich auf 9,1 Prozent gesunken, die Belegschaft
im selben Zeitraum von 46.000 auf 27.661. Dessen ungeachtet
eröffnete Opel 2002 in Rüsselsheim für 750
Millionen Euro das modernste Automobilwerk der Welt; vierter deutscher
Standort ist seit 1990 die Wartburgstadt Eisenach.
Im Dezember 2005 wurde die Adam Opel AG aus Kosten- und
Effizienzgründen in eine GmbH umfirmiert und ins
Handelsregister eingetragen. Trotz erster Erfolge im Export geriet Opel
infolge der Finanzkrise der desolaten Lage des Mutterkonzerns General
Motors – der ehemals weltgrößte
Automobilhersteller ist seit dem vierten Quartal 2008 nur noch dank
Krediten und Bürgschaften der US-Regierung in zweistelliger
Milliardenhöhe am Leben – erneut in existenzielle
Schwierigkeiten, verkündete eine kurzfristige Lohnabsenkung um
mindestens 10 Prozent und stellte Ende 2008 eine Anfrage
bezüglich einer Bürgschaft zur Kreditabsicherung an
die Bundesregierung.
Ende Februar 2009 legte der Aufsichtsrat der Opel GmbH ein
Zukunftskonzept für die Schaffung einer
„europäischen selbständigen
Geschäftseinheit“ Opel innerhalb von General Motors
vor und bezifferte den mittelfristigen Finanzbedarf auf drei bis
dreieinhalb Milliarden Euro.